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Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Titel: Die Sommerfrauen: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Kay Andrews
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Giftwolke ihres Parfüms, das nach überreifen Ananas roch.
    »Ganz gut«, sagte Ty und erwiderte die Umarmung hölzern mit einem Arm. Als sie ihn endlich losließ, machte er einen Schritt nach hinten, nur für den Fall, dass das Arschgesicht auf ähnliche Ideen kam. Zu Hause würde er das Sakko und das Hemd wegwerfen. Falls er hier jemals lebend rauskam.
    »Wirklich?«, fragte Kendra mit gerunzelter Stirn. »Ganz bestimmt? Ich habe in letzter Zeit viel an dich gedacht. Seit wir zurückgekommen sind. Wusstest du das? Mein Vater hat mich jetzt doch überredet, bei ihm einzusteigen. Ich glaube, er hat es nur getan, weil er wusste, dass Ryan mit dabei sein würde. Er möchte uns im ›Doppelpack‹, wie er das nennt.«
    »Super«, sagte Ty. »Glückwunsch.« Wenn es auf den Outer Banks ein größeres, aufgeblaseneres Arschloch als Boomer Wilcox gab, so hatte Ty es noch nicht kennengelernt. Er war der Meinung, Ryan und Boomer hätten sich gegenseitig verdient.
    »Wir haben gehört, dass du als Daytrader arbeitest«, sagte Kendra, und ihre Stimme triefte vor Besorgnis. »Das ist bestimmt hart bei der momentanen Wirtschaftslage, oder?«
    »Geht schon«, presste Ty heraus. »Mal läuft’s gut, mal nicht so.« Verzweifelt sah er sich im Raum um, hoffte, irgendetwas würde geschehen, das dieser schrecklichen Horrorshow ein Ende setzte. Ein Blitzeinschlag vielleicht. Er wäre auch schon mit einem kleineren Fettbrand zufrieden gewesen.
    Sein Blick fiel auf Ellis, die zu ihm aufschaute und erwartungsvoll lächelte. Vor seinem inneren Auge sah er die Fliegenklatsche seiner Großmutter, die drohend in seinem Nacken schwebte und nur darauf wartete zuzuschlagen, sollte er seine gute Erziehung vergessen.
    »Kendra, Ryan: Das ist Ellis, eine … ähm … Freundin.«
    »Oh, hallo«, sagte Kendra, und ihre Stimme stieg um ein Dezibel. »Alice?«
    »Nein, ich heiße Ellis«, erklärte Ellis. »Mit einem E.«
    »Hi Ellis«, sagte Ryan und hielt ihr automatisch die Hand hin. Da sie offenbar eine ebenso strenge Erziehung genossen hatte und die beiden ja nicht kennen konnte, stand Ellis auf, strahlte die beiden an und gab ihnen die Hand.
    »Das ist aber ein ungewöhnlicher Name«, sagte Kendra. »Ich glaube, ich habe noch keine Frau kennengelernt, die so heißt. Sind Sie hier aus der Gegend?«
    »Nein«, erwiderte Ellis. »Gebürtig bin ich aus Savannah. Meine Freundinnen und ich machen hier einen Monat Urlaub.«
    »Wieso haben Sie sich ausgerechnet die Outer Banks ausgesucht?«, fragte Kendra.
    »Das war eine Art Kompromiss«, erklärte Ellis. »Eine meiner Freundinnen wohnt in London, die andere noch in Savannah, und ich lebe in Philadelphia.«
    »Herrlich!«, zwitscherte Kendra. »Wo sind Sie denn untergekommen? Hier in Duck?«
    »Nein, unten in Nag’s Head«, sagte Ellis.
    Ty spürte ein Kribbeln auf der Kopfhaut, als Nag’s Head erwähnt wurde. Langsam arbeitete sich die Angst nach unten vor. Er wusste, was als Nächstes kommen würde, und er konnte nichts dagegen tun.
    »Oh!«, machte Kendra. »In Nag’s Head. Hach, das ist mein alter Tummelplatz. Meinen Eltern gehört Cedar Haven. Kennen Sie das Haus? Das ist ein riesiger Haufen Sperrholz direkt an der Beach Road.«
    Besitzergreifend legte Ryan einen Arm um Kendras Taille. »Sie spricht von einem Haufen Sperrholz«, sagte er schmunzelnd. »Dabei verschweigt sie, dass Cedar Haven zu den Originalhäusern von Nag’s Head gehört. Es gibt nur noch ein gutes Dutzend davon. Sie werden der ›ungestrichene Adel‹ genannt. Lässt sich echt sehen. Vierhundertfünfzig Quadratmeter, direkt am Meer, Doppelgrundstück. Kendras Großvater hatte den ersten Swimmingpool in Nag’s Head.«
    »Ich glaube, das Haus kenne ich«, sagte Ellis aufgeregt. »Es ist ungefähr eine Meile von unserem entfernt. Am Virginia Dare Trail, nicht?«
    Sag es bitte nicht, flehte Ty stumm. Hör bitte auf.
    »Und wo wohnen Sie?«, fragte Kendra.
    »Das Haus, das wir gemietet haben, ist eine ziemliche Absteige«, verriet Ellis. »Ich meine, es könnte toll sein, aber es ist schon länger nichts dran gemacht worden.«
    Panisch sah sich Ty im Raum um. Die Kellnerin näherte sich mit einem Korb Brot und einem Fläschchen Olivenöl. Das war seine Rettung! Am liebsten hätte er sie auf die Lippen geküsst.
    »Hey, guck mal!«, sagte er zu Ellis. »Unser Brot kommt. Wir wollen doch nicht, dass es kalt wird. Hier gibt es wirklich tolle Hefebrötchen. Eddie macht sie selbst.« Er zog Ellis’ Stuhl zurück und drückte sie

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