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Die Tiefe einer Seele

Die Tiefe einer Seele

Titel: Die Tiefe einer Seele Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kate Dakota
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Untergang«, mit einem grandiosen Bruno Ganz in der Hauptrolle. Erin und James kannten den Schauspieler, der sich durch viele internationale Produktionen auch in den Staaten einen Namen gemacht hatte. Was sie allerdings nicht wussten, dass er darüber hinaus Träger des Iffland-Ringes war. Wobei das jetzt auch nicht so verblüffend war, dazu hätten sie überhaupt erstmal von jenem Ring wissen müssen und davon, was es bedeutete, ihn zu tragen. Staunend hatten sie Amy, diesem Lexikon auf Füßen gelauscht, als sie von August Wilhelm Iffland berichtete, einem Mimen und Dramatiker, der den Ring mit seinem Bildnis zu Beginn des 19. Jahrhunderts an einen Freund verschenkt hatte. Daraus hatte sich auf nicht ganz geklärte Weise die Tradition entwickelt, dass der jeweils beste deutschsprachige Schauspieler besagten Ring bis zu seinem Tode tragen darf und er testamentarisch verfügen muss, wer der Nachfolger sein soll. So hat der Schweizer Bruno Ganz seit 1996 die Ehre, diesen Ring Eigentum auf Zeit nennen zu dürfen, nachdem sein Vorgänger, der Österreicher Josef Meinrad, verstorben war.
    Das alles erzählte Amelie mal eben so, als wäre es das Natürlichste der Welt, so etwas zu wissen. Was mussten die Geschwister lachen, als ihr Gast aus Deutschland den Oberst Böckl aus den Sissi-Filmen zum Besten gab. Die Parade-Rolle Josef Meinrads, die ihn in der ganzen Welt zu Ruhm verholfen gemacht hatte. Auch bei den Prescotts, die ja zur Hälfte deutsch waren, wurde selbstverständlich jedes Jahr an Weihnachten Sissi geschaut, daher kannten Erin und James den etwas schrägen Oberst, der von Amelie perfekt parodiert wurde.
    Als der Film schließlich zu Ende und Hitler endlich untergegangen war, hatte James erstaunt festgestellt, dass Amy eingeschlafen war. Doch eigentlich war es nicht verwunderlich, denn auch sie hatte ja in den Nächten zuvor kaum ein Auge zugetan. Vorsichtig hatte er sie hochgehoben und nach oben getragen, von den gerührten Blicken seiner Schwester verfolgt. Als er sein Mädchen aufs Bett gelegt und zugedeckt hatte, war sie wach geworden und hatte darauf bestanden, dass James, der es sich schon im Sessel gemütlich gemacht hatte, in sein eigenes Zimmer ging. Damit er sich endlich mal eine vernünftige Mütze Schlaf abholen könne, wie sie es auf ihre typische burschikose Art ausgedrückt hatte. Dreimal hatte James nachgefragt, ob er sie wirklich alleine lassen könne, dann war Amelie aus dem Bett gesprungen, und hatte ihn eigenhändig hinaus bugsiert. So war sie eben, seine Süße, die ab und an allerdings auch gefährliche Züge einer Giftnatter annahm.
     
    James hatte wahrhaftig gut geschlafen, und er fühlte sich wie neugeboren. Voller Elan stand er auf und lief, so wie er war, in Boxers und T-Shirt, rüber zu Amys Zimmer, wo er ungeduldig an die Tür klopfte. »Amy, bist Du schon wach?«, rief er überschwänglich. »Wollen wir heute Morgen wieder ausreiten, oder willst Du lieber etwas anderes machen?« Er lauschte, aber im Innern des Raumes blieb es still. Leise drückte er die Klinke runter und schob die Tür auf. Verwundert sah er, dass das Bett leer war. Er rannte zur Treppe. »Amy?«, rief er erneut, als er nach unten eilte. Doch wieder bekam er keine Antwort. Sie war nicht in der Küche, weder im Wohn- oder Kaminzimmer und auch in der Bibliothek war seine Suche erfolglos. Sich langsam ernsthafte Sorgen machend, lief er zurück ins Wohnzimmer und von dort aus auf die Terrasse. Sein Blick wanderte zum Ufer und blieb an der Gestalt hängen, die sich in etwa 150 Metern in den Sand gekauert hatte und aufs Meer starrte. Erleichtert öffnete James die Pforte, die das Prescottsche Haus vom Strand abgrenzte, und folgte forschen Schrittes den Spuren, die Amys kleine Füße hinterlassen hatte. Je näher er ihr kam, desto klarer wurde ihm die Situation. Sie saß dort in ihrem Schlafanzug, die Arme fest um ihre angezogenen Knie geschlungen, den Blick hypnotisch auf das Wasser gerichtet. Es sah aus, als würde sie die Weite des Meeres in sich aufzusaugen, aber James ahnte, dass sie diese wohlmöglich nicht mal wahrnahm. Denn ihre Schultern zuckten und sie schluchzte, was er nun, wo er kaum noch 20 Meter entfernt war, deutlich vernehmen konnte. Schockiert blieb der dunkelhaarige Mann stehen. Verdammt! Sie weinte wieder.
    James war fassungslos, hatte er doch sicher daran geglaubt, dass sie am gestrigen Tag so etwas wie einen Durchbruch gehabt hatten. Am liebsten hätte er sich umgedreht und wäre davongerannt, so

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