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Die Tore der Welt

Titel: Die Tore der Welt Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ken Follett
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Stimmung betraf, nur störte er sich nicht
daran. So nahm er sich nun einfach einen Stuhl und fragte: »Wann gedenkt Ihr
einen neuen Prior zu wählen?«
    »Ihr könnt Euch
ebenfalls setzen, Caris«, sagte Carlus. Caris hatte keine Ahnung, woher er
wusste, dass auch sie da war. »Bis jetzt ist noch kein Tag festgelegt worden«,
fuhr er fort. »Graf Roland hat das Recht, einen Kandidaten zu benennen, doch er
ist noch nicht aus der Bewusstlosigkeit erwacht.«
    »Wir können aber
nicht warten«, sagte Edmund. Caris fand, dass ihr Vater zu unverblümt war, doch
das war nun einmal seine Art, und so schwieg sie. »Wir müssen sofort mit den
Arbeiten an einer neuen Brücke beginnen«, fuhr Edmund fort. »Holz nützt nichts;
wir müssen aus Stein bauen. Das wird drei Jahre dauern — vier, wenn wir noch
länger zögern.«
    »Eine Steinbrücke?«
    »Das ist von
außerordentlicher Wichtigkeit. Ich habe mit Elfric und Merthin geredet. Eine
neue Holzbrücke würde genauso einstürzen wie die alte.«
    »Aber die Kosten!«
    »Gut
zweihundertfünfzig Pfund, je nach Plan. Das ist Elfrics Schätzung.« Bruder
Simeon sagte: »Eine neue Holzbrücke würde fünfzig Pfund kosten, und Prior
Anthony hat den Vorschlag erst letzte Woche abgelehnt, weil ihm fünfzig Pfund
zu viel waren.«
    »Und jetzt schaut
Euch das Ergebnis an! Einhundert Leute sind tot und noch viel mehr verletzt.
Vieh und Karren sind versunken; der Prior ist von uns gegangen, und der Graf
steht an der Schwelle des Todes.« Steif sagte Carlus: »Ich hoffe, Ihr wollt das
alles nicht dem verstorbenen Prior Anthony zur Last legen.« »Wir können aber
auch nicht so tun, als wäre seine Entscheidung richtig gewesen.« »Gott hat uns
für unsere Sünden bestraft.« Edmund seufzte, und Caris wusste sich keinen Rat
mehr. Immer wenn sie sich im Irrtum befanden, führten die frommen Brüder Gott
als Argument ins Feld. Edmund sagte: »Wir einfachen Menschen vermögen Gottes
Absichten nicht zu durchschauen, doch eines wissen wir mit Sicherheit: Ohne
Brücke wird die Stadt sterben. Jetzt schon geraten wir Shiring gegenüber ins
Hintertreffen. Wenn wir nicht so rasch wie möglich eine steinerne Brücke bauen,
wird Kingsbridge zu einem kleinen Dorf verkommen.« »Vielleicht ist das ja
Gottes Plan für uns.« Edmund konnte seinen Zorn nicht mehr verbergen. »Ist es
möglich, dass Gott so unzufrieden mit Euch Mönchen ist? Denn falls der Woll- und der Wochenmarkt sterben — glaubt mir, dann wird es hier auch keine Priorei
mit fünfundzwanzig Mönchen, vierzig Nonnen und fünfzig Bediensteten mehr geben,
und auch kein Hospital, keinen Chor und keine Schule. Womöglich bedeutet das
auch das Ende der Kathedrale. Der Bischof von Kingsbridge hat schon immer in
Shiring residiert… Was, wenn die wohlhabenden Kaufleute dort ihm den Bau
einer prächtigen neuen Kirche versprechen? Bezahlt von den Profiten ihres
stetig wachsenden Marktes? Kein Kingsbridge-Markt, keine Stadt, keine
Kathedrale, keine Priorei … wollt Ihr das?«
    Carlus runzelte
nachdenklich die Stirn. Es war offensichtlich, dass er bis jetzt keinen
Gedanken an die langfristigen Folgen des Brückeneinsturzes für die Priorei
verschwendet hatte.
    Doch Simeon sagte:
»Wenn die Priorei sich schon keine Holzbrücke leisten kann, besteht eindeutig
auch keine Aussicht auf eine steinerne.«
    »Aber Ihr müsst!«
    »Werden die
Steinmetze umsonst arbeiten?« »Mit Sicherheit nicht. Sie müssen ihre Familien
ernähren. Aber wir haben bereits erklärt, wie die Bürger Geld auftreiben und es
der Priorei mit dem Brückenzoll als Sicherheit leihen könnten.« »Womit wir
unser Einkommen von der Brücke verlieren würden!«, rief Simeon entrüstet.
    »Ihr versucht schon
wieder diesen Schwindel!« Caris warf ein:
    »Ohne Brücke habt
Ihr jetzt überhaupt keine Einnahmen mehr.«
    »Im Gegenteil — wir
nehmen Fährgeld ein.« »Davon werdet Ihr erst einmal Elfric bezahlen müssen.«
»Das ist immer noch weit weniger, als der Bau einer neuen Brücke kosten würde,
und trotzdem sind unsere Schatztruhen leer.« »An Fährgeld wird nie viel
zusammenkommen. Die Fähre ist zu langsam.« »Vielleicht kommt dereinst eine
Zeit, da die Priorei in der Lage sein wird, eine neue Brücke zu bauen. Gott
wird uns die Mittel geben, wenn er will, und dann werden wir wieder
Zolleinkünfte haben.« Edmund sagte: »Gott hat Euch die Mittel bereits gesandt.
Er hat meiner Tochter eine Idee eingegeben, wie man Geld

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