Die Tore der Welt
Philippa sah, was er trieb.
Sie sagte: »Ich
werde hinaufgehen und … oh!« Ella gab Ralph nicht frei. Sie drückte sein
Glied sogar, während sie mit triumphierendem Lächeln zu Philippa aufblickte.
Philippa lief rot
an. Ihr Gesicht zeigte Scham und Abscheu.
Ralph öffnete den
Mund; dann aber wusste er nicht, was er sagen sollte. Er war nicht bereit, sich
bei dem leidenschaftslosen Weib zu entschuldigen, das er zur Frau hatte, denn
er fand, dass sie diese Demütigung selbst herauf beschworen hatte. Gleichzeitig
kam er sich ein bisschen töricht vor, dass er mit einer Kneipenhure dasaß, die
seinen Schwanz hielt, während seine Gemahlin, die Gräfin, verlegen vor ihnen
stand.
Die Szene währte
nur einen Augenblick. Ralph gab einen erstickten Laut von sich, Ella kicherte,
und Philippa rief in angewidertem Ton: »Oh!« Dann wandte sie sich ab und ging
mit unnatürlich hoch erhobenem Kopf zur breiten Treppe. Anmutig wie ein Hirsch
an einem Hang stieg sie die Stufen hinauf und verschwand, ohne sich noch einmal
umzusehen.
Ralph war verärgert
und beschämt zugleich, obwohl er sich sagte, dass er weder für das eine noch
für das andere Veranlassung habe. Sein Interesse an Ella schwand jedoch
sichtlich, und sie nahm die Hand fort.
»Trinken wir noch
einen Schluck Wein«, sagte sie und schenkte aus dem Krug ein, der auf dem Tisch
stand, doch Ralph spürte aufkommenden Kopfschmerz und schob den Holzbecher
fort.
Ella legte ihm eine
Hand auf den Arm und sagte mit leiser, kehliger Stimme: »Lasst mich jetzt nicht
hier sitzen, nachdem Ihr mich so … aufgeheizt habt.«
Er schüttelte ihre
Hand ab und stand auf.
Ihre Miene wurde
kühl, und sie sagte: »Dann gebt mir wenigstens eine Entschädigung.«
Er nahm eine
Handvoll Silberpennys aus der Börse und legte sie auf den Tisch, ohne Ella
anzuschauen. Ob er ihr zu viel oder zu wenig gab, war ihm vollkommen gleich.
Ella raffte die
Münzen an sich.
Ralph ließ sie
sitzen und ging nach oben.
Philippa saß mit
dem Rücken am Kopfende aufrecht auf dem Bett. Die Schuhe hatte sie ausgezogen,
ansonsten aber war sie vollständig bekleidet. Als Ralph ins Zimmer kam, starrte
sie ihn vorwurfsvoll an.
Er sagte: »Du hast
kein Recht, zornig auf mich zu sein!« »Ich bin nicht zornig«, erwiderte sie.
»Du bist es.« Sie verstand sich immer gut darauf, ihm die Worte im Mund
umzudrehen, bis sie im Recht und er im Unrecht war.
Ehe ihm eine
Antwort einfiel, fragte sie: »Wäre es dir genehm, wenn ich mich aus deinem
Leben zurückziehe?«
Erstaunt sah er sie
an. Damit hatte er am allerwenigsten gerechnet. »Wohin willst du gehen?«
»Ich würde
hierbleiben«, antwortete sie. »Ich würde keine Nonne werden, aber dennoch im
Konvent leben. Ich würde nur wenige Diener mitnehmen: eine Zofe, einen
Schreiber und meinen Beichtvater. Ich habe bereits mit Mutter Caris gesprochen,
und sie wäre einverstanden.«
»Schon meine letzte
Frau ist ins Kloster gegangen. Was sollen die Leute denken?«
»Viele Frauen von
Adel ziehen sich irgendwann in ihrem Leben in ein Kloster zurück, zeitweilig
oder dauerhaft. Die Leute werden denken, du hättest mich zurückgewiesen, weil
ich keine Kinder mehr bekommen kann, was vermutlich tatsächlich der Fall ist. Außerdem
— seit wann kümmert es dich, was die Leute sagen?«
Kurz schoss ihm der
Gedanke durch den Kopf, wie bedauerlich es wäre, wenn der kleine Gerry Odila
verlor, doch die Aussicht, von Philippas stolzer, missbilligender Gegenwart
befreit zu werden, war unwiderstehlich. »Also gut, was hält dich noch? Tilly
hat nie um Erlaubnis gebeten.«
»Vorher möchte ich
Odila verheiratet sehen.« »An wen?«
Sie blickte ihn an
wie einen Dummkopf. »Ach so«, sagte er. »Jung-David, nehme ich an.« »Er liebt
sie, und ich finde, sie passen gut zusammen.« »Er ist noch minderjährig — er
muss den König um Erlaubnis bitten.«
»Deshalb habe ich
das Thema angeschnitten. Wirst du ihn begleiten, wenn er beim König vorspricht,
und dich für die Erlaubnis verwenden? Wenn du das für mich tust, schwöre ich,
dich nie wieder um etwas zu bitten. Dann lass ich dich in Frieden.«
Sie bat ihn um
keinerlei Opfer. Ein Bund mit Monmouth konnte Ralph nur nützlich sein. »Und du
verlässt Earlscastle und ziehst ins Nonnenkloster?«
»Ja, sobald Odila
verheiratet ist.«
Es war das Ende
eines Traumes, begriff Ralph — nur war dieser Traum zu düsterer Wirklichkeit
geworden. Er konnte den Fehlschlag
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