Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Die Tore der Welt

Titel: Die Tore der Welt Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ken Follett
Vom Netzwerk:
dass einem Mann
das Recht zustand, sein Weib zu töten, wenn er es beim Ehebruch ertappte.
Merthin hatte nie gehört, dass so etwas tatsächlich geschehen wäre, schon gar
nicht beim Adel, doch Ralphs Stolz machte ihn unberechenbar:
    Merthin wusste —
und das hatte er Philippa auch gesagt —, dass Ralph seine erste Frau Tilly
ermordet hatte.
    Nun sagte sie:
»Dein Vater hat lange Zeit vergeblich um deine Mutter gefreit, nicht wahr?«
    »Ja.« Merthin hatte
die alte Geschichte beinahe vergessen.
    »Und du hast dich
in eine Nonne verliebt.« »Und mein Bruder hat jahrelang nach dir geschmachtet,
der glücklich verheirateten Frau eines Grafen. Wie die Priester sagen, die
Sünden der Väter kommen über die Söhne. Aber genug davon. Möchtest du Abendbrot?«
»Gleich.« »Kann ich vorher noch etwas für dich tun?« »Das weißt du doch.« Das
wusste er allerdings. Er kniete sich zwischen ihre Beine und küsste ihren Bauch
und ihre Schenkel. Es war Philippas Eigenart, dass sie stets noch auf eine
andere Art befriedigt werden wollte. Merthin begann sie mit der Zunge zu liebkosen.
Sie stöhnte und drückte seinen Hinterkopf. »Ja«, sagte sie. »Du weißt, wie ich
das liebe, besonders, wenn ich deinen Samen in mir habe.«
    Er hob den Kopf.
»Ja, ich weiß es«, sagte er. Dann beugte er sich wieder vor und ergab sich
seiner Pflicht.
     
    Der Frühling
brachte Erholung von der Pest. Noch immer starben Menschen an der Seuche, doch
es erkrankten weniger. Am Ostersonntag verkündete Bischof Henri, dass der
Wollmarkt in diesem Jahr wie üblich stattfinden sollte.
    Während des
Hochamts legten sechs Novizen ihr Gelübde ab und wurden vollgültige Mönche.
Ohne Ausnahme hatten sie ein ungewöhnlich kurzes Noviziat hinter sich, doch
Henri war sehr darauf bedacht, das Mönchskloster in Kingsbridge zu verstärken,
wie überhaupt jedes Kloster im ganzen Land. Zusätzlich wurden fünf Priester
geweiht — auch ihnen kam die verkürzte Ausbildung zugute —, die an der Pest
verstorbene Geistliche aus dem Umland ersetzen sollten. Und von der Universität
schließlich trafen zwei Kingsbridger Mönche ein, die ihren Abschluss als Ärzte
nach nur drei Jahren statt der üblichen fünf bis sieben Jahre erhalten hatten.
    Die neuen Ärzte
hießen Austin und Sime. Caris erinnerte sich nur vage an sie: Sie war noch
Gastmeisterin gewesen, als die beiden vor drei Jahren das Kloster verlassen
hatten, um die Universität in Oxford zu besuchen. Am Nachmittag des
Ostermontags führte sie Austin und Sime durch das beinahe fertiggestellte neue
Hospital. Wegen des Feiertags war niemand bei der Arbeit.
    Beide Mönche waren
sehr von sich eingenommen: Die Universität vermittelte ihren Abgängern zusammen
mit medizinischem Wissen und einer Vorliebe für Wein aus der Gascogne vor allem
ein Gefühl geistiger Überlegenheit. Doch der jahrelange Umgang mit Kranken
hatte Caris Selbstvertrauen geschenkt, und sie beschrieb die Einrichtungen des
Hospitals und die Art, wie sie es zu führen gedachte.
    Austin war ein
schlanker, lebhafter junger Mann mit schütterem Haar. Er war beeindruckt von
der Anlage der Räume, die an einen Kreuzgang erinnerte. Sime, ein wenig älter
und rundgesichtig, schien aus Caris‘ Erfahrungen jedoch nichts lernen zu
wollen: Sie bemerkte, dass er jedes Mal grinste, wenn sie sprach.
    »Ein Hospital
sollte stets sauber sein«, sagte sie.
    »Wieso?«, fragte
Sime in herablassendem Tonfall. »Welche medizinische Autorität hat Euch das
gelehrt?«
    »Die Erfahrung.
Reinlichkeit ist eine Tugend.« »Oh! Dann hat es nichts mit dem Gleichgewicht
der Körpersäfte zu tun?« »Das weiß ich nicht. Wir hier schenken den Säften
keine besondere Beachtung.
    Beim Kampf gegen
die Pest ist die Lehre von den Säften kläglich gescheitert.« »Aber den Fußboden
zu fegen hatte Erfolg?« »Zumindest hebt ein sauberer Raum die Stimmung der
Kranken.« Austin warf ein: »Du musst zugeben, Sime, dass einige Magister in
Oxford die neuen Ideen der Mutter Priorin teilen.« »Ja. Eine kleine Gruppe
wissenschaftlicher Laien!« Caris sagte: »Vor allem geht es darum, sämtliche
Patienten mit ansteckenden Krankheiten von den anderen zu trennen.« »Zu welchem
Zweck?«, fragte Sime.
    »Um die Ausbreitung
von Seuchen zu verhindern.« »Auf welchem Weg werden sie denn übertragen?« »Das
weiß niemand.«
    Ein triumphierendes
Lächeln umspielte Simes Lippen, denn er glaubte, Caris‘ Argument durch eine
einfache

Weitere Kostenlose Bücher