Die Zauberer 03 - Das dunkle Feuer
vor den Kopf gestoßen und damit vermutlich das Bündnis mit den Menschen vereitelt.
Was für ein Narr war er gewesen ...
»Was hast du nur getan?«, fragte er und schaute an dem Elfen empor, der ihn einst als seinen Bruder bezeichnet hatte. »Was, bei Sigwyns Söhnen, hast du nur getan?«
»Das will ich dir sagen, cyfail«, entgegnete Aldur, wobei er das elfische Wort für »Freund« in einer Weise aussprach, als müsse er sich dabei übergeben. »Ich habe die Augen geöffnet. Und ich habe erkannt, dass ich von Lügnern und Heuchlern umgeben war, von Feinden, mein ganzes Leben lang!«
»Das ist nicht wahr!«
»Du wagst es zu widersprechen? Willst du abstreiten, dass du unsere Freundschaft verraten hast? Dass du mich hintergangen und betrogen hast?«
»Ich wusste nichts von dem, was Alannah und dich verband«, beteuerte Granock.
»Was soll das heißen, du wusstest nicht, was uns verband? Glaubst du denn, dir kommt zu, was einem Sohne Sigwyns zusteht, Mensch? Glaubst du, eine Elfin von edlem Geblüt könnte auch nur in Erwägung ziehen, sich mit einem Wurm wie dir einzulassen? Wie konntest du nur jemals so vermessen sein?«
Aldurs Stimme war immer lauter geworden, seine blauen Augen leuchteten in fiebrigem Glanz. Granock sah so viel Hass darin, dass es ihn schauderte. Ein Teil von ihm hatte gehofft, dass die Zeit zumindest einige der Wunden geheilt hatte, die ihre eigene Dummheit und Unvorsicht geschlagen hatte, aber das war wohl ein weiterer Irrtum gewesen. Ihm wurde klar, dass Aldur ihm niemals vergeben würde, weder in diesem noch in einem anderen Leben.
»Ja«, sagte er deshalb leise und voller Bitterkeit, »du hast recht. Wie konnte ich nur so vermessen sein?«
»Du stinkst, Mensch«, fuhr Aldur ihn an. »Wenn ich nur daran denke, dass ich dich einst meinen Bruder nannte, so möchte ich vor Scham vergehen. Verflucht sei der Tag, an dem du deinen verräterischen Fuß auf die Schwelle von Shakara gesetzt und alles entweiht hast, das mir je etwas bedeutet hat. Was immer dort geschehen ist, ist deine Schuld, Mensch!«
»Wovon sprichst du?«, wollte Granock wissen. »Trage ich die Verantwortung dafür, dass der Hohe Rat schwach und das Elfentum im Niedergang begriffen ist? Ist es mein Verschulden, dass dein wirklicher Vater dich verleugnet und zurückgewiesen hat?«
Aldur wankte wie unter einem Schwertstreich. Granock konnte sehen, wie er die Fäuste ballte und heiße Glut zwischen seinen Fingern glomm, und einen Moment lang rechnete er damit, dass sein Rivale die Beherrschung verlieren und von seinem reghas Gebrauch machen würde, um ihn bei lebendigem Leib zu rösten - geschwächt, wie er war, wäre Granock ihm hilflos ausgeliefert. Aber Rothgan tat es nicht - wohl weil er entschied, dass das Leben in diesem Fall eine schlimmere Bestrafung war als der Tod.
»Es ist wahr«, bestätigte er mit bebender Stimme. »Kein anderer als Farawyn, der Oberste der versammelten Heuchler und Zauderer von Shakara, ist mein leiblicher Vater. Hat dich das überrascht?«
»Ein wenig«, gab Granock zu.
»Ihn wohl auch - so sehr, dass er sich nicht dazu durchdringen konnte, mir die Wahrheit zu sagen. Hätte Alduran nicht versehentlich sein Schweigen gebrochen, hätte ich es vermutlich nie erfahren. Sie alle hatten sich gegen mich verschworen, jeder Einzelne von ihnen. Bewusst haben sie mir die Wahrheit vorenthalten, um mich zu schützen, wie sie behauptet haben - in Wirklichkeit jedoch fürchteten sie sich vor meinen Fähigkeiten. Ihnen allen war klar, dass ich ein größerer und mächtigerer Zauberer werden könnte, als sie es jemals waren, und das hat ihre kleinlichen Gemüter in Angst und Schrecken versetzt.« Aldur grinste stolz. »Zu Recht, wie man nun sieht.«
»Allerdings.« Granock nickte. »Was ist nur aus dir geworden?«
»Was aus mir werden musste. Was Farawyn vermutlich von Beginn an in seinen Visionen gesehen hat und was er zu verhindern trachtete. Und indem er es versuchte, hat er die Katastrophe erst heraufbeschworen. Klein halten wollte er mich, mich leugnen und mich übergehen - nun jedoch bin ich mächtiger, als er es jemals werden wird, denn ich herrsche über die Fernen Gestade und halte die Vergangenheit und die Zukunft des Elfenvolks in meinen Händen!« Er machte eine ausholende Geste. »All das hier gehört mir, Mensch, mir ganz allein und niemandem sonst.«
»Ich verstehe.« Allmählich begriff Granock die Zusammenhänge. »Deshalb wolltest du damals nach den Fernen Gestaden geschickt werden,
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