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Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Titel: Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah Lark
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nicht mehr die Rede. Cat verfluchte ihr loses Mundwerk. Dabei konnte sie eigentlich durchaus schweigen, sie hatte bei den Beits gründlich gelernt, ungerechte Vorwürfe an sich ablaufen zu lassen. Aber die Entlassung war einfach so überraschend gekommen, und sie stellte eine ziemliche Katastrophe dar, besonders für Cat. Mary mochte nicht wissen, wo sie eine neue Stellung finden würde, sie konnte allerdings bestimmt bei ihren Eltern unterkriechen, bis sich etwas ergab. Cat dagegen stand auf der Straße – und mit ihrer Vorgeschichte würde sie in Nelson niemand mehr einstellen.
    Die junge Frau dachte fieberhaft nach, während sie den Salon der Beits durchquerte. Christopher konnte ihr nicht helfen – der weilte seit einem halben Jahr mit seiner Jane in Canterbury und wurde hoffentlich glücklich mit seiner Farm. Vielleicht Wakefield … Sie konnte es auf jeden Fall im Magistrat versuchen. Aber dann sah sie auf dem Weg zum Treppenaufgang den Nelson Examiner .
    NEW ZEALAND COMPANY VOR DEM KONKURS!
    Die Schlagzeile fiel ihr sofort ins Auge – und erklärte natürlich alles, selbst die Tränen in Mrs. Beits Augen. Die Hausherrin entließ ihr Personal offenbar nicht aus eigenem Antrieb. Viel wahrscheinlicher war, dass die Beits sparen mussten – und ihr hochherrschaftliches Leben vielleicht bald ein Ende finden würde. Ob da allerdings die paar Pence etwas retten würden, um die sie gerade Cat und Mary betrogen hatten?
    Nachdem sie den Artikel rasch überflogen hatte, stieg Cat bekümmert die Treppe hinauf. Wakefield stand demnach vor der Ablösung und hatte im Moment sicher andere Sorgen als Übersetzungen in die Sprache der Maori. Er bot keine Hoffnung für Cat. Blieb Frederick Tuckett, der laut Christopher ein vernünftiger Mann war und jetzt im Gespräch als Regierungsvertreter in Nelson. Wenn er erst mal da wäre, würde er vielleicht etwas mit Cat anfangen können. Momentan hielt er sich jedoch auf der Nordinsel auf.
    Cat dachte kurz darüber nach, zu den Maori zurückzukehren. Nicht zu den Ngati Toa, das war unmöglich, nachdem der Häuptling sie verbannt hatte. Aber vielleicht zu den Ngai Tahu? Sie galten als friedfertiger, und sie verhandelten mit den pakeha um Land in den Plains und weiter im Süden. Wenn Cat sich da als Übersetzerin anbot? Seufzend packte die junge Frau ihre wenigen Habseligkeiten in ein Bündel. Die Dienstbotenkleider durfte sie natürlich nicht mitnehmen, an für Nelson angemessener Kleidung blieben also nur die Sachen, die sie damals mit Christopher bei Mrs. Partridge gekauft hatte. Als sie das Kleid anzog und sich den Schal um die Schultern legte, fühlte sie sich fast getröstet. Sie wusste noch genau, wie Chris sie angesehen hatte, als sie zum ersten Mal als pakeha -Frau vor ihn getreten war. Sie hatte ihm gefallen, er hatte ihr Komplimente gemacht. Und sie hatten geredet und fast ein bisschen gelacht, als sie durch das nächtliche Nelson gelaufen waren. Redete und lachte er jetzt mit Jane?
    Cat schob den Gedanken energisch beiseite. Ihr Bündel mit den Maori-Kleidern in der Hand stieg sie die Treppe hinunter. Ersparnisse hatte sie fast keine. Ihren geringen Verdienst hatte sie größtenteils für Kerzen ausgegeben, um bis in die Nacht hinein lesen zu können. Etwas davon war auch in ein Englisch-Deutsch-Wörterbuch investiert worden und in ein paar Hefte und Bleistifte, mittels deren Cat sich im Schreiben geübt hatte. Sie hatte gehört, dass man gerade dabei war, das erste Buch, die Bibel, in die Sprache der Maori zu übersetzen. Vielleicht boten sich also auch hier in Zukunft Möglichkeiten. Jetzt allerdings steckten nur noch ein paar Pence in ihrer Börse. Nicht genug, um auch nur für diese Nacht ein Zimmer in einer Pension zu bezahlen. Von einer Reise nach Kaikoura, wo sie die nächsten marae der Ngai Tahu vermutete, ganz zu schweigen.
    »Cat, nun warte doch mal, du willst doch nicht grußlos fortlaufen?«
    In ihrer Erstarrung nach dem Gespräch mit Mrs. Beit hatte Cat gar nicht mehr an die anderen Dienstboten im Haus gedacht. Jetzt, sie hatte fast schon die Haustür erreicht, rief Margaret Hansen sie zurück.
    Cat wandte sich um. »Nein … nein, natürlich nicht, entschuldigen Sie … ich war nur so durcheinander.«
    Die Haushälterin lächelte und zog sie rasch in die Küche. »Na, da hättest du erst mal Mary sehen müssen, das arme Kind. Die kann’s auch noch gar nicht glauben, sie ist jetzt oben und richtet noch einmal die Zimmer. Vielleicht hätte sie ja was falsch

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