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Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Titel: Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah Lark
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dann schien er sich endlich zu erinnern. »Du warst auch in Wairau!«, sprach er Cat an, in der Stimme ein seltsam lauernder Unterton. »Bei den Maori. Aufseiten der Wilden! Und du hast dauernd geredet.«
    »Ich habe übersetzt«, sagte Cat würdevoll. »Dich habe ich allerdings nicht gesehen. Du hattest wohl keine … sehr wichtige Position.«
    Ottfried nahm die spöttische Bemerkung erstaunlicherweise nicht übel, sondern grinste plötzlich, und seine Stimme gewann wieder an Sicherheit. »Sieh mal einer an! Dann bist du die kleine Menschenfresserin, von der alle reden! Und kannst sogar Deutsch wie ein anständiger Christenmensch.«
    »Ottfried, Engländer sind auch Christen!« Ida fiel es erkennbar schwer, aber sie raffte sich auf, Cat zu verteidigen. »Rede doch nicht immer so, als ob … als ob alle anderen keine Menschen wären.«
    Cat lächelte ihr zu. »He tangata« , sagte sie, was keiner der anderen verstand. Te Rongas Worte machten ihr jedoch Mut.
    »Na, was die Wilden angeht, die ihresgleichen in Stücke schlagen und auffressen … Das sind doch wohl mehr Tiere, Ida-Schatz …« Ottfried näherte sich jetzt dem Bock, und Cat spürte, wie Ida sich dabei verkrampfte. »Und deine kleine Freundin hier – die hat da eifrig mitgemacht …«
    Cat griff sich an die Stirn. »Nichts davon ist wahr!«, sagte sie ruhig. »Aber es lohnt sich wohl nicht, irgendetwas zu erklären. Lass mich runter, Ida, und nochmals vielen Dank für die Hilfe. Ich muss sehen, dass ich aus der Stadt rauskomme, bevor es noch weitere Übergriffe gibt.« Sie machte Anstalten, auszusteigen.
    Ottfried war jetzt ziemlich nahe. Cat hoffte nur, er würde sie ohne Schwierigkeiten vorbeilassen.
    »Cat sucht eine Anstellung«, meinte Ida. »Sie hat bei den Beits gearbeitet, aber die entlassen ihre Leute. Der Neuseelandkompanie geht es wohl nicht so gut …«
    Ottfried schnaubte. »Ja! Hab’s eben gehört! Da wird der alte Beit mal runterkommen von seinem hohen Ross. Bloß gut, dass wir unser Land haben. Wenn wir gewartet hätten, wär womöglich gar nichts mehr gekommen.« Sein Blick wanderte wieder zu Cat, die jetzt vor ihm stand. Er schien nicht gewillt, sie sofort gehen zu lassen, direkt gefährlich wirkte er allerdings auch nicht. »Was schwebt unserer kleinen Maori denn vor in Sachen Arbeit? Vielleicht ein Pub? Die Mädchen der Wilden sollen sich ja auf manches verstehen …« Er hob die Hand, als wollte er Cat berühren, aber als sie ihn anblitzte, ließ er sie unbehelligt.
    »Mag sein«, meinte Cat patzig. »Nur … denken Sie dran, dass wir die Männer anschließend auffressen. In Hurenhäusern ist das nicht erwünscht, es reduziert die Stammkundschaft.«
    Ida schauderte. Sowohl bei dem Gedanken an Menschenfresserei als auch daran, was Ottfried mit ihr zu machen pflegte, wenn sie ihm ähnlich frech entgegentrat. Zumal er solche Scherze nicht immer verstand … Aber jetzt grinste er.
    »Fürwahr eine Wildkatze. Dabei brauchen wir nur brave Mäusefänger in Sankt Paulidorf … Was meinst du, Ida, ob sie sich zähmen lässt?« Er leckte sich die Lippen.
    Cat wollte nur noch weg. Sie erschrak jedoch zu Tode, als sie sich umsah und drei Männer erblickte, die hinter dem Wagen der Brandmanns aus einer Seitenstraße torkelten. Die Kerle mussten sich im nächsten Pub getröstet haben. Und jetzt lief sie ihnen wieder in die Arme.
    Ida bemerkte sie noch nicht, die junge Frau schaute hoffnungsvoll zwischen Cat und ihrem Mann hin und her. Aus irgendeinem Cat unverständlichen Grund schienen Ottfrieds Worte ihr Mut zu machen. Begriff sie nicht, was hier vorging? Wie schamlos ihr Mann sich an sie als vermeintliches Freiwild heranmachte? Dann sagte Ida aber etwas, das Cat völlig verblüffte.
    »Ich habe auch schon gedacht, wir könnten Cat vielleicht mit ins Schachtstal nehmen. Das … das wäre doch … Christenpflicht. Sie ist hier nicht sicher. Und wenn sie jetzt zurück zu den Maori geht … zu den Heiden … dann wird sie womöglich nie errettet.«
    Ida stockte. Sie hatte den Gedanken, Cat mitzunehmen, schon früher gefasst und seitdem fieberhaft darüber nachgedacht, wie sich das so begründen ließe, dass die Dorfältesten ihrer Aufnahme zustimmten. Dabei dachte sie natürlich an Cats unsterbliche Seele – aber vor allem daran, wie schön es wäre, eine gleichaltrige Freundin im Dorf zu haben. Noch dazu eine, die Englisch sprach. Ob Ottfried und ihr Vater es unterstützten oder nicht, Cat konnte Ida und Elsbeth die Sprache heimlich

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