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Die zweite Haut

Die zweite Haut

Titel: Die zweite Haut Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dean R. Koontz
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haben?«
    »Ist doch völlig klar. Wenn er von vorne kommt, wie wir beide glauben – wie er muß –, wird er einfach an mir vorbei gehen, direkt zur Blockhütte. Ich wäre hinter ihm. Ich könnte ihm zwei Schüsse in den Hinterkopf ballern, ehe er weiß, wie ihm geschieht.«
    Marty stand auf und schüttelte den Kopf. »Nein, das ist zu gefährlich.«
    »Wenn wir beide hier drinnen bleiben, dann ist es, als würden wir ein Fort verteidigen.«
    »Ich finde ein Fort prima.«
    »Erinnerst du dich nicht mehr an die alten Filme über die Kavallerie im Wilden Westen, die ein Fort verteidigte? Früher oder später haben die Indianer es überrannt, so gut befestigt es auch sein mochte, und sind eingedrungen.«
    »Das sind nur Filme.«
    »Ja, aber vielleicht hat er sie auch gesehen. Komm her«, beharrte sie. Als er neben ihr am Fenster stand, deutete sie auf die Felsen, die in den Schatten unter den Kiefern kaum zu sehen waren. »Es wäre perfekt.«
    »Gefällt mir nicht.«
    »Es wird klappen.«
    »Gefällt mir nicht.«
    »Du weißt, daß ich recht habe.«
    »Okay, vielleicht hast du recht, aber es gefällt mir trotzdem nicht«, sagte er schneidend.
    »Ich geh’ da raus.«
    Er sah ihr in die Augen, wo er möglicherweise nach einem Fünkchen Angst suchte, mit dem er sie umstimmen konnte. »Du hältst dich für die Heldin in einem Abenteuerroman, richtig?«
    »Du hast meine Phantasie angekurbelt.«
    »Ich wünschte, ich hätte den Mund gehalten.« Er sah lange zu den im Schatten liegenden Felsen hinüber, dann seufzte er und sagte: »Also gut, aber ich werde gehen. Du bleibst hier bei den Mädchen.«
    Sie schüttelte den Kopf. »So läuft das nicht, Baby.«
    »Komm mir jetzt nicht mit der feministischen Masche.«
    »Nein. Es ist nur … du bist derjenige mit dem übersinnlichen Signal.«
    »Und?«
    »Er kann spüren, wo du bist, und je nachdem, wie ausgeprägt seine Begabung ist, kann er vielleicht spüren, daß du hinter den Steinen liegst. Du mußt in der Hütte bleiben, damit er dich hier drinnen spürt und direkt zu dir geht – an mir vorbei.«
    »Vielleicht kann er dich auch spüren.«
    »Bisher spricht alles dafür, daß nur du derjenige welcher bist.«
    Er litt aus Angst um sie Höllenqualen, die sein Gesicht zerfurchten. »Gefällt mir nicht.«
    »Du wiederholst dich. Ich gehe jetzt raus.«

55
    Als Oslett und Clocker das Haus der Stillwaters verließen und die Straße überquerten, setzte sich Spicer gerade ans Lenkrad des roten Kleinbusses.
    Der Wind wurde stärker. Schnee wurde in einem steilen Winkel vom Himmel geweht und die Straße entlanggewirbelt.
    Oslett ging zur Fahrertür des Überwachungswagens. Spicer hatte die Sonnenbrille wieder aufgesetzt, obwohl die letzte Stunde des Tageslichts angebrochen war. Seine Augen, gelb oder sonstwie, waren verborgen.
    Er sah auf Oslett herunter und sagte: »Ich werde den Schrotthaufen hier wegbringen, raus aus dem County, bevor ich die Zentrale anrufe und um Hilfe beim Abtransport der Leichen bitte.«
    »Was ist mit dem Jungen im Blumenwagen?«
    »Die sollen ihren Abfall selbst wegschaffen«, sagte Spicer.
    Er gab Oslett ein genormtes Blatt Papier, auf das der Computer eine Karte ausgedruckt und den Punkt gekennzeichnet hatte, von wo aus Martin Stillwater im Haus seiner Eltern angerufen hatte. Nur wenige Straßen waren eingezeichnet. Oslett steckte sie in die Skijacke, bevor der Wind ihm das Blatt Papier aus der Hand reißen oder der Schnee es aufweichen konnte.
    »Er ist nur ein paar Meilen entfernt«, sagte Spicer. »Sie nehmen den Explorer.« Er ließ den Motor an, schlug die Tür zu und fuhr in den Sturm hinein.
    Clocker saß schon am Lenkrad des Explorer. Abgase drangen aus dem Auspuff.
    Oslett lief zur Beifahrerseite, stieg ein, schloß die Tür und fischte die Computerkarte aus der Tasche. »Fahren wir. Die Zeit wird knapp.«
    »Nur nach menschlichen Maßstäben«, sagte Clocker. Als er anfuhr und die Scheibenwischer einschaltete, fügte er hinzu: »Von einem kosmischen Standpunkt aus gesehen könnte Zeit das einzige sein, wovon es einen unerschöpflichen Vorrat gibt.«

56

    Paige gab den Mädchen einen Kuß und ließ sie versprechen, daß sie artig sein und tun würden, was ihr Vater ihnen sagte. Sie zurückzulassen und ihrem ungewissen Schicksal entgegenzugehen, war die schwerste Entscheidung, die sie je hatte treffen müssen. So zu tun, als hätte sie keine Angst, damit die anderen den Mut nicht verloren, war noch schwerer.
    Als Paige zur Tür hinausging,

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