Dirty Deeds - Meine wilde Zeit mit AC/DC
nach Sydney hielten wir immer an, um den Bunyip von Ettamogah anzuschauen. Erst war es Malcolm, der immer darauf bestand, und als ich später mit anderen Bands unterwegs war, machte ich es genauso. Den Bunyip von Ettamogah konnte man nördlich von Albury an der Grenze von Neusüdwales beobachten. Auf einer Nachtfahrt Richtung Norden kamen wir einmal um drei Uhr nachts durch Ettamogah, aber das hielt Malcolm nicht davon ab, seine lieben Mitreisenden aus dem Schlaf zu reißen. Wir versammelten uns vor einem Unterstand auf dem Parkplatz und verfolgten gespannt, wie Malcolm 20 Cent in den Schlitz des dort befindlichen Apparats warf.
Durch den Maschendraht hinter dem kleinen Häuschen konnte man auf eine kleine, modrige Lagune blicken, in der sich der legendäre Bunyip aufhalten sollte, jenes Fabeltier, das nach den Sagen der Aborigines in Flüssen und Sümpfen lauert und Menschen verschlingt. Dann taten die 20 Cent ihre magische Wirkung und brachten den Bunyip dazu, tatsächlich zu erscheinen, nachdem einige unheimliche Geräusche aus den sehr billigen Lautsprechern gedrungen waren. Ein paar Meter entfernt begann das stinkende Wasser zu blubbern, und dann erhob sich knurrend und grollend der Bunyip.
Er sah aus wie ein großer Frosch, noch dazu der blödeste, dämlichste Frosch, den man sich vorstellen konnte. Besonders albern war es aber vor allem deswegen, weil sich ganz offensichtlich jemand richtig viel Mühe gegeben hatte, damit das Ganze furchterregend aussah. Dabei war es natürlich viel zu sehr zusammengestoppelt, um auch nur halbwegs echt zu wirken. Und genau deswegen fanden Mal und Angus es jedes Mal wieder so großartig. Sie lachten sich kaputt und steckten mich damit immer an. Das war die lustige Seite der Youngs, scheißkomisch, ansteckend und leider, leider äußerst selten.
Wir rissen mit dem Bus einige ewiglange Nachtfahrten ab. An einem Samstagabend spielten wir zum Beispiel in Whyalla in Südaustralien, dann packte unsere Crew das Equipment ein und wir zuckelten die 400 Kilometer zurück nach Adelaide, dann wieder nach Melbourne, noch mal 600 Kilometer weiter, um am Sonntagnachmittag in Victoria Park aufzutreten. Wir kamen zwar zu spät, aber die Show fand trotzdem statt. Vielleicht war sie ein bisschen weniger „high voltage“ als üblich. Ich zumindest war vor, während und nach dem Gig völlig gerädert, aber Bon und Angus legten sich richtig ins Zeug und rockten wie die Wilden. Darüber konnte ich nur den Kopf schütteln – wie sie das schafften, war mir ein Rätsel. Vielleicht schaffte mich aber auch einfach Victoria Park – immerhin war es das Zuhause des Collingwood Football Clubs, dem Erzrivalen meines Teams, Carlton. Das letzte Mal, dass ich hier gewesen war, hatte man mich anschließend mit ein paar Stichen am Kopf nähen müssen. Ich wünschte, ich könnte jetzt erzählen, dass ich in eine Riesenschlägerei geraten war, weil ich so ein verdammt harter Kerl bin, aber die Wahrheit ist leider die, dass mir eine alte Dame eins mit dem Regenschirm überzog. Diese Collingwood-Omas sind nämlich ganz schön hart drauf.
Vom Bus aus sah ich auch zum ersten Mal in meinem Leben Schnee. Wir hatten irgendwo auf dem Land gespielt und waren auf dem Weg zurück nach Melbourne, als Ralph mich mit einem Brüller weckte: „Was zur Hölle ist das denn!“ Zunächst dachte ich, er hätte vielleicht ein bisschen viel Trucker-Glück genascht und sei jetzt durchgedreht, aber nein, wir kamen aus voller Fahrt zum Stehen, was bei einem Bus voller Lautsprecher, Band und Crew eine reife Leistung war. Draußen schneite es. Das war alles. Unter wildem Geheul stürmten Mal und Angus nach draußen und tollten in der weißen Pracht herum wie Kinder.
Sie waren schon zwei widersprüchliche Gestalten, diese zwei kleinen Drecksäcke. Die Youngs konnten äußerst schlecht gelaunt, griesgrämig und miesepetrig sein, richtig schlechte Gesellschaft eben, aber wenn man ihnen zusah, wie sie im Schnee herumhüpften (oder zumindest in dem bisschen Weiß, was in Australien als Schnee durchgeht), dann war ihre gute Laune ansteckend. Kaum saßen sie wieder im Bus, war der Augenblick aber auch schon wieder vorbei und sie zogen wieder ihre üblichen, muffligen Gesichter, als sei gar nichts gewesen. Trotzdem war es immer mal wieder erfrischend, wenn sie zwischendurch mal alle Fünfe gerade sein ließen. Wenn die zwei nämlich richtig aufdrehten und Spaß hatten, dann war richtig Party angesagt und man konnte sich großartig mit ihnen
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