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Don Quixote von la Mancha: Roman (Fischer Klassik PLUS) (German Edition)

Don Quixote von la Mancha: Roman (Fischer Klassik PLUS) (German Edition)

Titel: Don Quixote von la Mancha: Roman (Fischer Klassik PLUS) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Miguel Cervantes Saavedra
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etliche nachfolgende Tage dort zuzubringen, wenigstens so lange, als ihre Speisekammer sie versorgte, und also machten sie ihr Nachtlager in einer Gegend zwischen zwei Felsen, in der sich viele Korkbäume befanden. Aber das Fatum, welches nach der Meinung derer, die nicht vom Lichte der wahren Lehre erleuchtet sind, alles lenkt und nach seinem Kreise regiert und vollführt, führte den Gines Friedberg, diesen berühmten Schelm und Räuber, der durch Tugend und Tollheit des Quixote von der Kette erlöst war, und der ebenfalls aus Besorgnis vor der heiligen Brüderschaft, die er mit großem Rechte fürchtete, auf den Einfall kam, sich in das Gebirge zu verstecken, diesen brachte sein Schicksal und seine Furcht an die nämliche Stelle, die sich Don Quixote und Sancho Pansa erwählt hatten, er erkannte sie und traf sie, da sie eben einschlafen wollten. Wie nun Bösewichter immer undankbar sind, die Not auch oft das Äußerste versucht, die gegenwärtige Hilfe auch der zukünftigen vorgezogen wird, so fiel Gines, der weder dankbar, noch von edler Gesinnung war, darauf, dem Sancho Pansa seinen Esel zu stehlen, indem er auf den Rosinante keine Rücksicht nahm, den er für ein gänzlich wertloses Stück, sowohl zum Verpfänden als zum Verkaufen achtete. Sancho Pansa schlief, er stahl ihm sein Tierlein, und ehe es noch tagte, war er schon so weit entfernt, daß er nicht wiedergefunden werden konnte.
    Die Morgenröte ging auf, die Erde zu erfreuen und Sancho Pansa zu betrüben, denn er traf seinen Grauen nicht mehr an; wie er sich ohne ihn sah, begann er so heftig und laut den allerkläglichsten Jammer, daß Don Quixote bei seinem Geschrei erwachte und folgende Reden vernahm: »O du mein eingeborener Sohn! du, in meinem väterlichen Hause erwachsen, du Kleinod meiner Kinder, Trost meines Weibes, Neid meiner Nachbarn, Stütze meiner Arbeiten! O du Ernährer meiner halben Person, denn du verdientest mir täglich sechsundzwanzig Maravedis, und das war mein halbes Auskommen.«
    Da ihn Don Quixote so jammern hörte und die Ursache davon einsah, suchte er Sancho mit den besten Trostgründen zu beruhigen, er bat ihn, sich in Geduld zu fassen und versprach ihm zugleich eine Verschreibung, auf welche er drei von den fünf Eseln erhalten solle, die er zu Hause habe. Hiermit stellte sich Sancho zufrieden und trocknete seine Tränen, er faßte einen neuen Mut und sagte Don Quixote für seine Wohltätigkeit herzlichen Dank, dem sich, wie er nur das Gebirge betreten hatte, das Herz erhob, denn diese Örter schienen ihm besonders für Abenteuer schicklich, wie er sie suchte. Ihm fielen alle die wunderbaren Begebenheiten in die Gedanken, die in dergleichen Einsamkeiten und wilden Gebirgen den irrenden Rittern begegnet waren. Hingerissen und begeistert von diesen Vorstellungen zog er fort, ohne an was weiteres zu denken, auch Sancho hatte keinen anderen Gedanken (seitdem er glaubte, auf einer sicheren Straße zu reisen), als seinem Magen mit den Eßwaren gütlich zu tun, die ihm noch von der Beute der Geistlichen geblieben waren; so folgte er seinem Herrn, quer über seinem Esel sitzend, aus dem Beutel herauslangend, in seinen Mund hineinstopfend, wobei er für ein neues Abenteuer, solange er auf solche Weise reiste, nicht einen Pfennig gegeben hätte.
    Indem hob er die Augen auf und bemerkte, wie sein Herr anhielt, bemüht, mit der Spitze seiner Lanze einen Bündel aufzuheben, der auf der Erde lag, er machte sogleich Anstalt, ihm zu helfen, wenn es nötig wäre, und als er näher kam, hub jener mit der Lanzenspitze ein Reitkissen und einen Mantelsack auf, beide halb oder vielmehr ganz vermodert und zerrissen; sie waren aber von so großem Gewicht, daß Sancho absteigen mußte, um sie aufzuheben, worauf ihm sein Herr befahl, nachzusehen, was sich im Mantelsacke befinde. Sancho richtete dieses Gebot mit vieler Behendigkeit aus, und ob der Mantelsack gleich mit Kette und Schloß zugemacht war, so konnte er doch durch die Löcher alles sehen, was er enthielt, nämlich vier Hemden von der feinsten Leinewand, noch anderes linnenes Gerät, sehr nett und sauber, in einem Tuche fand er eine ziemliche Summe goldener Taler, und sowie er diese erblickte, rief er aus: »Gelobt sei Gott, der uns endlich ein Abenteuer zubereitet, das was trägt!« und sowie er weiter suchte, fand er ein kleines Taschenbuch mit reichen Verzierungen; dieses ließ sich Don Quixote reichen und befahl ihm, das Geld zu bewahren und für sich zu behalten. Sancho küßte ihm für

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