Don Quixote
unsern Jahren;
Doch wurden seinem Schoße zu den Freuden
Des Himmels reinre Seelen nie erlesen,
Nie trug er Leiber, die so tapfer waren.«
Die Sonette gefielen allen, und der Gefangene freute sich über die guten Nachrichten, die er von seinem Kameraden bekommen hatte, worauf er also in seiner Erzählung fortfuhr: »Als Goleta und das Fort übergegangen waren, gaben die Türken Be fehl, Goleta zu schleifen – denn das Fort war so beschaffen, daß sich nichts weiter niederzureißen vorfand –, und um dies desto leichter und schneller zu bewerkstelligen, unterminierten sie es an drei verschiedenen Orten; aber die Stellen, die am schwächsten geschienen hatten, wollten davon durchaus nicht auffliegen, nämlich die alten Mauern, was aber von der neuen Befestigung stehengeblieben war, welche vom Fratin herrührten, wurde mit großer Leichtigkeit der Erde gleichgemacht.
Triumphierend kehrte nun die siegreiche Flotte nach Konstantinopel zurück, wo nach einigen Monaten mein Herr Uchali starb, den sie Uchali Fartax nannten, welches in türkischer Sprache soviel heißt als der grindige Renegat, denn dies war er wirklich, und es ist unter den Türken Sitte, von irgendeinem Fehler oder einer Vorzüglichkeit einen Beinamen abzuleiten. Dies geschieht deshalb, weil sie nur vier Familiennamen haben, die aus dem ottomanischen Hause herstammen, sonst aber nehmen sie übrigens, wie schon gesagt, einen Beinamen von irgendeinem körperlichen Fehler oder auch von einer Vortrefflichkeit des Geistes an. Dieser Grindige war Sklave des Großsultans und diente diesem über vierzehn Jahre als Ruderknecht; in einem Alter von vierunddreißig Jahren fiel er aus Verdruß über einen Türken ab, der ihm am Ruder eine Ohrfeige gegeben hatte, und um sich rächen zu können, verließ er seinen Glauben; seine Tapferkeit war so groß, daß er, ohne sich der schändlichen Mittel und Wege zu bedienen, die die geliebten Günstlinge des Großsultans gehen, König von Algier wurde und nachher General zur See, welches die dritte Würde im Reiche ist. Er war aus Kalabrien gebürtig und übrigens ein Mensch von guten Eigenschaften, denn er behandelte seine Sklaven, deren über dreitausend waren, mit vieler Menschlichkeit; diese teilte er in seinem Testamente zwischen dem Großherrn – der rechtmäßig alle beerbt, die sterben, und mit den Kindern des Verstorbenen zu gleichen Teilen geht – und zwischen seinen Renegaten. Ich wurde einem venetianischen Renegaten zuteil, der Bootsknecht gewesen war und den Uchali ge fangen hatte, welchen er so sehr liebte, daß er ihn fast allen seinen jungen Leuten vorzog; dieser wurde der grausamste Renegat, den ich nur jemals gesehen habe. Er hieß Azan Aga, wurde sehr reich und nachher König von Algier, wohin ich mit ihm von Konstantinopel reiste, sehr darüber erfreut, mich Spanien näher zu befinden; nicht als hätte ich den Vorsatz gehabt, meines Unglücks wegen zu schreiben, sondern um zu sehen, ob mir das Glück in Algier günstiger als in Konstantinopel sein würde, wo ich tausend Arten zu entfliehen versucht hatte, es mir aber niemals hatte gelingen wollen; ich dachte jetzt darauf, in Algier auf andere Mittel zu sinnen, um endlich meine Wünsche in Erfüllung zu bringen, denn niemals gab ich die Hoffnung auf, die Freiheit wiederzuerhalten, und wenn das, was ich ersonnen und ausgeführt hatte, meinem Plane nicht entsprach, so suchte ich, statt die Hoffnung aufzugeben, vielmehr eine andere auf, wenn sie gleich noch so schwach und unzuverlässig war.
So brachte ich mein Leben zu, in einem Gefängnisse oder einem Hause eingeschlossen, welches die Türken ein Bad nennen, wo diejenigen Christensklaven eingesperrt werden, die dem Könige wie auch einigen Privatleuten zugehören oder die dem Alamacen eigentümlich sind, das heißt, die Sklaven des Rats, die der Stadt in öffentlichen Arbeiten und auf andere Weise dienen; diese letzteren Gefangenen erhalten nur schwer ihre Freiheit wieder, denn da sie vielen und nicht einem besonderen Herrn zugehören, wissen sie nicht, mit wem sie wegen ihrer Ranzion einen Handel schließen sollen. In diese Bäder geben, wie gesagt, manche Privatleute ihre Sklaven hin, vorzüglich wenn sie sich auslösen sollen, denn dort haben sie sie so lange sicher und eingeschlossen, bis ihre Ranzion angekommen ist; die Sklaven des Königs ebenfalls, die ranzioniert werden sollen, gehen nicht mit dem übrigen Haufen auf die Arbeit, außer wenn sich ihre Ranzion etwa verzögert, alsdann läßt man
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