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Don Quixote

Don Quixote

Titel: Don Quixote Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Miguel de Cervantes Saavedra
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sie arbeiten, damit sie ihre Auslösung eifriger betreiben, vorzüglich mit den übrigen Brennholz holen, welches keine leichte Arbeit ist. Ich also war einer von denen, die sich aus lösen sollten, denn da man wußte, ich sei Kapitän, so half es mir wenig, mein Unvermögen vorzuschützen, sie setzten mich unter die Zahl der Ritter und derjenigen, die sich ranzionieren müßten; man legte mir eine Kette an, mehr zum Zeichen, daß ich mich auslösen solle als um mich damit festzuhalten, und so brachte ich mein Leben im Bade zu, in der Gesellschaft vieler anderen Ritter und ausgezeichneten Männer, die alle dazu ausgewählt waren, sich auszulösen. Der Hunger und Mangel an Kleidern quälte uns oft, ja, ich kann sagen, beständig, doch peinigte uns nichts so sehr, als täglich die nie gesehenen und unerhörten Grausamkeiten zu sehen und zu hören, die mein Herr gegen die Christen verübte. An jedem Tage hing er seinen Mann, spießte den andern und schnitt einem dritten die Ohren ab, und zwar um so geringer Ursachen willen, ja so ohne allen Grund, daß die Türken selbst einsahen, er tue dieses nur, um es zu tun und weil er der blutdürstigste Mensch sei, den die Erde jemals getragen habe. Nur ein spanischer Soldat stand sich gut mit ihm, ein de Saavedra, der solche Dinge unternommen hatte, daß sie noch viele Jahre im Gedächtnisse der Menschen dort leben werden, und zwar alles, um sich die Freiheit zu verschaffen, aber doch schlug er ihn nie oder befahl, ihn zu schlagen, oder sagte ihm auch nur ein einziges böses Wort; und wir alle glaubten, daß er für das Geringste von dem, was er tat, gespießt werden möchte, wie er es auch selber mehr als einmal befürchtete; wenn die Zeit nicht zu kurz wäre, würde ich noch manches von dem erzählen, was dieser Soldat unternahm, welches Euch besser unterhalten und mehr in Verwunderung setzen würde als die Erzählung meiner Geschichte.
    Auf den Hof unseres Gefängnisses stießen die Fenster eines Hauses, das einem reichen und vornehmen Mohren zugehörte; diese waren, wie es bei den Mohren gewöhnlich ist, mehr Löcher als Fenster und außerdem noch mit dichten Jalousien verhüllt. Es trug sich zu, daß, als ich mich einst auf der Terrasse unseres Gefängnisses mit drei von meinen Gefährten befand und wir uns übten, um die Zeit zu vertreiben, mit den Ketten zu springen, und wir allein waren – denn die übrigen Christen waren ausgegangen, um zu arbeiten –, ich die Augen aufhob und sah, wie aus den verschlossenen Fenstergittern ein Rohr hervorkam, an dessen Ende ein Tuch gebunden war; das Rohr bewegte und rührte sich so, als wenn es uns ein Zeichen geben wollte, herbeizukommen und es zu nehmen. Wir betrachteten diese Erscheinung, und einer von denen, die mit uns waren, stellte sich unter das Rohr, um zu sehen, ob es herunterfallen oder was es tun würde; sowie er aber hinzukam, hob sich das Rohr in die Höhe und bewegte sich von einer Seite zur andern, als wenn man mit dem Kopfe nein ausdrückt. Der Christ ging zurück, und das Rohr kam wieder und machte dieselben Bewegungen wie vorher. Ein anderer von meinen Gefährten ging hinzu, und ihm begegnete das nämliche, was dem ersten begegnet war. Endlich tat es der dritte, und es geschah mit ihm nicht anders wie mit dem ersten und zweiten. Da ich dies sah, bekam ich auch Lust, mein Glück damit zu versuchen, und sowie ich mich unter das Rohr stellte, ließ man es herabfallen, so daß es zu meinen Füßen innerhalb des Bades niederfiel. Sogleich band ich das Tuch ab, in dem ein Knoten geschlungen war, und in diesem fand ich zehn goldene mohrische Münzstücke, von denen jedes zehn spanische Realen an Wert betrug. Ich brauche wohl nicht zu sagen, ob ich mich über diesen Fund freute, denn mein Vergnügen hierüber war so groß als meine Verwunderung, weil ich nicht begreifen konnte, woher uns, besonders mir, diese Güte komme; denn daß man für mich allein das Rohr hatte niederfallen lassen, bewies deutlich, daß man mir diese Gunst erzeige. Ich nahm mein gutes Geld, zerbrach das Rohr und ging nach der Terrasse zurück, von wo ich nach dem Fenster schaute und sah, wie eine sehr weiße Hand es aufmachte und dann schnell wieder verschloß. Daraus nahmen wir ab oder stellten uns vor, daß eine Frau, die in jenem Hause lebe, uns diese Wohltat erwiesen habe; wir machten hierauf auf mohrische Weise unsere Danksagungen, neigten den Kopf und Leib und legten die Hände kreuzweise über die Brust. Bald darauf sahen wir aus dem

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