Don Quixote
für Dich zu tun, was wir können, selbst zu sterben. Schreibe mir und benachrichtige mich, was Du zu tun gedenkst, denn ich werde Dir immer antworten, denn der große Allah hat uns einen christlichen Gefangenen verliehen, der Deine Sprache gut sprechen und schreiben kann, wie Du auch an diesem Blatte siehst. Du kannst uns also ohne Furcht von allem Nachricht geben. Da Du sagst, daß Du meine Frau werden willst, wenn Du in der Christenheit bist, so verspreche ich Dir dieses als guter Christ, und Du weißt, daß die Christen ihre Versprechungen besser als die Mohren erfüllen. Allah und seine Mutter Maria mögen Dich, meine Gebieterin, beschützen!
Da dieses Blatt geschrieben und versiegelt war, wartete ich zwei Tage, bis das Bad wieder wie gewöhnlich leer war, und so gleich begab ich mich auf meinen gewöhnlichen Platz auf der Terrasse, um zu sehen, ob das Rohr sich zeige, welches auch nicht lange ausblieb. Sowie ich es gewahr ward, ob ich gleich nicht sehen konnte, wer es hinausreichte, zeigte ich das Papier, um zu verstehen zu geben, daß man den Faden anheften möchte; aber er war schon am Rohre befestigt, ich band hierauf das Papier an, und bald darauf erschien unser Stern von neuem, mit der weißen Friedensfahne des angeknüpften Tuches. Es fiel herab, ich nahm es auf und fand mannigfaltige goldene und silberne Münzen, über fünfzig Taler, wodurch unsere Freude funfzigmal größer wurde, weil sich die Hoffnung unserer Freiheit dadurch bestätigte.
An demselben Abend kam unser Renegat zurück und sagte uns, daß in dem Hause der Mohr lebe, von dem wir schon gesprochen hätten, der Agi Morato hieß, außerordentlich reich sei und eine einzige Tochter zur Erbin seines Vermögens habe, diese sei, nach dem Urteil der ganzen Stadt, das schönste Mädchen in der Barbarei, um die schon viele Vizekönige angehalten hätten, daß sie sich aber niemals habe verheiraten wollen; zugleich habe er in Erfahrung gebracht, daß sie eine christliche Sklavin gehabt, die nun aber gestorben sei. Alles dies stimmte mit dem Inhalte des Briefes überein.
Wir beratschlagten sogleich mit dem Renegaten, welche Mittel man ergreifen müsse, um die Mohrin zu entführen und mit ihr in die Christenheit zu kommen, und er gab uns den Rat, daß wir noch auf einen zweiten Brief der Zoraida warten möchten – denn so hieß sie, die jetzt Maria genannt sein will –, denn wir sahen wohl ein, daß sie allein uns nur die Mittel angeben könne, alle Schwierigkeiten zu überwinden. Der Renegat wiederholte hierauf noch einmal die Versicherung, daß wir seinetwegen nicht sorgen möchten, denn er würde sein Leben daransetzen, uns die Freiheit zu verschaffen.
Vier Tage hintereinander war das Bad mit Leuten angefüllt, wodurch das Rohr vier Tage verhindert ward, sich zu zeigen, dann aber, in der gewöhnlichen Einsamkeit des Bades, erschien es mit einem so hochschwangeren Tuche, daß wir uns eine höchst glückliche Entbindung versprechen durften. Das Rohr mit dem Tuche ließ sich zu mir nieder, und ich fand ein andres Papier, nebst hundert goldenen Talern, ohne irgendeine andere Münze. Der Renegat war da, in meiner Kammer gab ich ihm den Brief zu lesen, welcher folgendes enthielt:
Ich weiß nicht, mein Herr, wie ich es anfangen soll, daß wir nach Spanien kommen, auch hat mir Lela Marien nichts gesagt, so sehr ich sie auch darum gebeten habe; was geschehen kann, ist, daß ich Euch durch dieses Fenster sehr viele Goldmünzen gebe, damit Ihr Euch und Eure Freunde ranzioniert und sich einer von ihnen nach der Christenheit begibt, dort eine Barke kaufe und zurückkomme, um die übrigen abzuholen; mich wird er dann im Garten meines Vaters finden, der vor dem Tore Babazon, dicht am Meere, liegt, dort bin ich den ganzen Sommer hindurch mit meinem Vater und meinen Dienern. Von dort könnt Ihr mich in der Nacht ohne Gefahr abholen und in der Barke fortführen. Daß Du aber ja mein Mann wirst, denn wenn Du das nicht tust, so werde ich Maria bitten, daß sie Dich straft. Traust Du keinem andern, daß er die Barke hole, so kaufe Dich selber los und geh, ich weiß, Du kommst zuverlässiger als ein anderer wieder, denn Du bist Ritter und Christ. Erkundige Dich des Gartens wegen, und wenn Du abreisest, so sorge, daß Du im Bade allein seiest, dann will ich Dir vieles Geld geben. Allah beschütze Dich, mein Gebieter.
Dies war der Inhalt des zweiten Briefes, der kaum gelesen war, als sich auch jeder anbot, sich loszukaufen, mit dem Versprechen, gewissenhaft
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