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Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
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du vor, Nadif? Wohin willst du gehen? Wenn du nicht mehr für mich das Schwert führen willst, kann ich dir keinen Platz mehr im Westlichen Reich zugestehen, denn dann muss ich an deiner Treue zweifeln!« Fernek betrachtete mit einem gewissen Bedauern den geschundenen Kämpen zu seinen Füßen. Noch nie hatte es ein Mann gewagt, sich dem Drachen entgegenzustellen. Dann hatte er sich auch noch mit Ferinic geschlagen. Der König wusste nicht, welche dieser beiden Handlungen mehr Mut erforderte. Gern hätte er den tapferen Soldaten in seinen Diensten behalten, aber das war jetzt nicht mehr möglich. Nicht, nachdem sich diese beiden Männer, die hier vor ihm im Staub knieten, einen Kampf geliefert hatten, der ohne sein Einschreiten erst mit dem Tod eines Kämpfers zu Ende gewesen wäre.
    Nadif spürte den Fallstrick in Ferneks Frage. Kälte breitete sich in ihm aus. Sein Blick wanderte zu der jungen Frau im schlichten Bauernkleid und groben Wollumhang, die ein ganzes Stück von all den anderen Zuschauern dieses Schauspiels entfernt allein auf dem Hof stand. Gerun sah noch immer blass aus, unter ihren Augen lagen tiefe Schatten, aber sie hatte ihr Haar gerichtet und unter einer Haube verborgen. Mit beiden Händen presste sie ein kleines Bündel an ihre Brust. Sie sah Nadif nicht an, sondern starrte nach unten auf den Boden.
    »Hoheit, Ihr wisst, dass mir nur bleibt, in die Mittelwüste zu ziehen und zu hoffen, dass ich dort einen Platz zum Leben finde! Ich bitte Euch nur um eines, lasst Gerun mit mir gehen. Hier im Schloss ist kein guter Ort mehr für sie!« Nadif senkte den Kopf, nicht nur aus Ehrerbietung vor dem König, sondern um nicht zu sehen, was in dessen Gesicht vor sich ging. Und um Ferinic die Möglichkeit zu geben, ihm mit einem schnellen gnädigen Hieb den Kopf abzuschlagen, falls Fernek ihm das Zeichen dazu gab.
    »Vater, Ihr könnt ihn nicht gehen lassen! Er wird geradewegs ins Nordreich laufen und uns verraten! Nadif weiß genau, wie viel Männer wir unter Waffen stehen haben, er weiß um unsere Wälle und Burgen, er kennt sogar die geheimen Zugänge hier zum Schloss! Wenn er uns nicht mehr dienen will, muss er sterben!« Ferinic vergaß jegliche Etikette und sprang auf.
    Mit kühlem Blick wies Fernek den Prinzen in seine Schranken: »Ihr müsst noch viel lernen, Sohn! Blut ist rasch vergossen, aber es zieht weiteres Blut nach sich. Natürlich müssen wir dafür sorgen, dass Nadif im Nordreich nicht willkommen ist! Wir werden gleich nachher mit den Brieftauben Nachrichten in Richtung Norden absenden, dass uns leider ein berüchtigter Raubmörder mitsamt seiner Hure entkommen ist. Der Mann ist sehr gefährlich, er schleicht sich mit den wildesten Geschichten auf den Lippen in Adelshäuser ein, mordet dann alle Bewohner und nimmt sich, was ihm behagt.«
    »Nadif könnte auch die Banditen aus der Wüste zu uns führen!«, wandte Ferinic ein, schwieg aber rasch, als er das grimmige Funkeln in den Augen seines Vaters sah.
    »Wenn Nadif nicht verdurstet oder verhungert oder selbst von Räubern erschlagen wird, könnte er das sehr wohl. Mir stellt sich die Frage, ob sich mein Sohn etwa vor einem Dutzend zerlumpten Spitzbuben fürchtet, die vielleicht irgendwann vor unseren Mauern auftauchen könnten!« Der König wandte sich seinem Haushofmeister zu, der sich zu dem Pulk um den Kampfplatz gesellt hatte. »Ihr sorgt dafür, dass Nadif seinen Lohn für seine Dienstjahre bei uns erhält! Ihr gebt ihm reichlich Proviant und zwei Pferde. Irgendwelche alten Klepper, versteht sich, nicht etwa gute Kampfrösser. Er darf von seinen Waffen nur den Jagddolch mitnehmen, ist das klar?«
    »Ich danke Euch, Hoheit!«, flüsterte Nadif. Er spürte, wie ihn langsam die Kräfte verließen. Mit jedem Herzschlag raste eine Welle purer Pein durch seine Brandwunden. Nur gut, dass er sowieso schon auf dem Boden hockte!
    Plötzlich geschah etwas ganz Unerhörtes. Der König beugte sich dem angeschlagenen Mann zu, er musste sich tief hinunterneigen. Es sah aus, als würde Fernek dem geschundenen Kämpfer seine Referenz erweisen.
    »Nadif!«, sagte er leise. »Ich danke dir für das, was du meiner Tochter willen getan hast. Einen Mann mit deinem Mut hätte ich lieber an meiner Seite!«
    »Ich entsage nur meinem Dienst, nicht meiner Treue!«, entgegnete Nadif ebenso leise. Der König nickte und richtete sich wieder auf. Sein Blick fiel auf Ferinic, der mit blutigen Fingern sein lädiertes Ohr betastete.
    »Und Ihr, Prinz, werdet die Zofe

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