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Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
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mitgebracht. Du wirst dich jetzt umziehen, wir wollen gemeinsam mit dem Ehrwürdigen Händler ein Festmahl einnehmen!« Kana-Tu ließ ein Etwas aus smaragdgrünem Stoff neben Janica auf das Bett gleiten. Unwillkürlich strich sie mit der Hand darüber. Es war tatsächlich Seide, die feinste, die sie je gesehen hatte. Sie sah auf zu Kana-Tu. Er hatte sich mit verschränkten Armen vor ihr aufgebaut und sah sie erwartungsvoll an.
    »Du glaubst doch nicht etwa, dass ich mich hier vor deinen Augen umkleiden werde?« Janicas schüttelte energisch den Kopf.
    »Warum nicht? Ich habe dich schon nackt gesehen!«, konterte der junge Mann.
    »Nein, nein und nochmals nein! Ich habe es satt, mich vor wildfremden Männern und Drachen auszuziehen!«, fauchte Janica und verschränkte ihrerseits die Arme. Trotzig sah sie ihm in die Augen. Ihr war, als tanzten kleine Fünkchen in seinen Pupillen.
    »Oh, ich glaube, auf diese deine Befindlichkeit wird man im Harem des Sultans keine Rücksicht nehmen!«
    Janica packte das Kissen, auf dem soeben noch ihr Kopf geruht hatte, und schleuderte es Kana-Tu ins Gesicht.
    »Raus jetzt! Oder willst du, dass ich eurem verdammten Ehrwürdigem Händler in diesem blöden Ziegenkittel entgegentrete?«
    »Oh, du kannst ja richtig heftig fluchen! Dabei dachte ich, du wärst eine echte, vornehme Prinzessin!« Kana-Tus Mundwinkel zuckten, als müsste er ein Lachen zurückhalten. Plötzlich wurde er ganz ernst.
    »Ma Che!«, sagte er leise. »Es ist besser, du erwähnst von nun an nie mehr, dass du die Tochter von Fernek bist! Das könnte ... gefährlich sein!«
    Kana-Tu wusste nicht recht, wie er Janica erklären sollte, was er meinte. Er konnte es ja selbst nicht richtig, aber eine Ahnung sagte ihm, dass eine Königstochter kein schlechtes Faustpfand in den Machtspielen der Herrscher war. Ihm war, als würde plötzlich ein dicker Kloß in seinem Hals klemmen. Abrupt drehte er sich um und verließ mit großen Schritten das Zimmer. Die Tür fiel hinter ihm laut zu, und Janica schüttelte einmal mehr verwundert den Kopf. Ihre Hauslehrer hatten sie die absonderlichsten Dinge gelehrt, von denen Ihr Vater der Meinung war, eine Prinzessin müsste sie wissen. Janica konnte den Jahresverbrauch an Wein für eine hundertköpfige Wachmannschaft und den Bedarf von Hafer je Streitross ausrechnen. Sie konnte ein gutes Dutzend verschiedene höfische Tänze mit ihren komplizierten Schritten absolvieren, ohne sich in ihren Röcken zu verheddern, sie konnte Gedichte rezitieren und im Notfall sogar selbst welche schreiben. Selbst der Umgang mit Schwert und Dolch war ihr nicht ganz fremd, außer ihrer Muttersprache beherrschte sie das Idiom des Todfeindes aus dem Norden und die allgegenwärtige Alte Sprache. Aber niemand war auf die Idee gekommen, sie auf den Umgang mit merkwürdig verwirrt agierenden jungen Männern vorzubereiten, die sie zudem noch als Sklavin zu verkaufen gedachten.
    Janica stand auf und schüttelte die seidenen Kleider auf. Es handelte sich um eine weite Hose, die an den Fußknöcheln durch safrangelbe Bänder gerafft wurde. Der langärmlige Kaftan war an den Säumen und am Ausschnitt mit fantasievoll verschlungenen Mustern im gleichen Gelbton bestickt, ein Tuch, das wohl als eine Art Gürtel dienen sollte, passte in der Farbe ebenso perfekt zu dem Ensemble. Obwohl Janica mit dem Gedanken spielte, den schlichten Kittel anzubehalten, lockte das geschmeidige, sich angenehm kühl anfühlende Gewebe doch allzusehr. Rasch tauschte sie ihre Bekleidung aus, angesichts der bisherigen spärlichen Garderobe dauerte das nicht lange.
    Es gab keinen Spiegel in diesem Zimmer, von einem Kamm gar nicht zu reden. Janica konnte nur mit gespreizten Fingern durch ihr zerzaustes Haar fahren und es nach hinten streichen. Wie gewohnt sträubten sich ihre rotgoldenen Locken und entwickelten ein bizarres Eigenleben. Janica gab den Frisierversuch auf, schlüpfte mit den nackten Füßen in die bereitstehenden Pantoffel - wie konnte es anders sein, in Safrangelb und mit Stickereien in Smaragdgrün verziert - und ging auf die Tür zu. Sie hielt einen winzigen Moment inne, bevor sie die Klinke niederdrückte und hinaustrat. Ein hoher, zum Teil überdachter und sonnendurchfluteter Innenhof empfing sie. Neben der Tür lehnte lässig Kana-Tu an der weiß getünchten Wand, ein Bein angewinkelt und den Fuß gegen die Mauer gestemmt. Er hob anerkennend die dunklen Brauen, als er Janica erblickte.
    »Ich sehe aus wie ein Frosch!«, behauptete

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