Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)
Land herrschten beängstigende Gepflogenheiten, stellte Janica fest. Sie würde sich vorsehen müssen.
»Wird es jetzt bald?«, zischte die Alte ungeduldig.
Widerwillig befolgte Janica die Anweisung der Frau, und schon wieder stand sie nackt und bloß vor völlig fremden Menschen.
»Nun legst du dich dort auf den Diwan und spreizt die Beine!«, befahl Hanads Mutter und stemmte sich aus ihrem Sessel auf. Ein wenig ächzend schlurfte sie zu der Lagerstatt und schob Janicas Schenkel weit auseinander.
»Du musst die Beine anwinkeln, ja, na bitte, es geht doch!« Der kalte Finger der Frau tastete sich vorsichtig in Janicas Scham vor, verharrte einen Moment auf der empfindlichen Perle und schob sich dann sacht in die enge Höhlung. Janica verkrampfte sich. Was hatte die Frau vor?
»Scht, Schätzchen, bleib’ locker! Wir wollen doch nichts kaputtmachen, nicht wahr? Das soll deinem neuen Herrn vorbehalten bleiben! Siehst du, dein Jungfernhäutchen ist noch an Ort und Stelle, du bist eine wertvolle kleine Stute!« Endlich nahm die Alte ihre Hand fort.
»Wir haben leider nicht viel Zeit, um dich herzurichten.« Sie langte nach einem Tontopf, der auf dem Boden neben dem Diwan stand. »Heb’ die Arme hoch, damit ich die Haare unter deinen Achseln entfernen kann!«
Janicas Achselhöhlen wurden nun mit einer klebrigen Paste aus dem Topf betupft. Dann legte die Frau kleine Stofffetzen auf. Mit den Locken auf Janicas Venushügel und dem Haar zwischen ihren Beinen verfuhr die Frau ebenso. Verwundert beobachtete Janica die Prozedur. Wozu sollte das gut sein? Die Antwort auf diese Frage sollte sie gleich darauf ziemlich schmerzhaft erhalten. Mit einem Ruck riss die Alte das erste Läppchen von Janicas Haut herunter. Die Prinzessin gab einen bestürzten Ton von sich. Grinsend hielt Hanads Mutter ihr den Stoff mit den daran klebenden Haaren unter die Augen. Nur wenige Minuten später war Janica glatt und kahl wie ein Baby. Ihre Haut brannte wie Feuer, bis die Alte eine duftende Salbe in die geschundenen Stellen einmassierte.
»Ich besorge dir jetzt noch einen Mantel. Die Eunuchen reiben dich inzwischen mit Duftöl ein. Sei schön brav!« Die Frau hob mahnend ihren Zeigefinger und schlappte zur Tür, wo sie den beiden Wächtern einen kurzen Wink gab, bevor sie den Raum verließ.
Janica schaute skeptisch zu den beiden riesigen Gestalten auf, die jetzt rechts und links von ihr an den Diwan herantraten. Unbewegten Gesichts träufelten sie sich Öl aus einer Kruke auf die Hände. Sofort breitete sich ein intensiver Blütenduft aus. Dann spürte die Prinzessin auch schon vier Hände auf ihrem Körper. Geübt kreisten, kneteten und walkten sie jede noch so winzige Stelle ihrer Haut. Janica schloss fasziniert von dieser Wohltat die Augen. Sie verdrängte, was diesen Männern angetan worden war, denn ihre Finger spielten eine wahre Symphonie auf dem Leib der jungen Frau. Beinahe wäre sie eingeschlafen. Aber die Stimme des Ehrwürdigen Händlers riss sie zurück in die gar nicht angenehme Wirklichkeit.
»Zieh’ dich wieder an! Wir müssen los, wenn wir rechtzeitig zur Audienz im Palast sein wollen!«
Janica wollte ganz und gar nicht den Palast des Sultans und noch viel weniger den Herrscher selbst kennenlernen. Aber im Moment war es ratsam, sich nicht zu widersetzen. Die junge Frau wollte nicht ausprobieren, wie sich die Hände der Eunuchen anfühlten, wenn sie nicht zur sanften Massage eingesetzt wurden. Gehorsam schlüpfte sie wieder in das grüne Seidenensemble, das Kana-Tu ihr gegeben hatte. Ob er noch an sie dachte? Oder hatte er das Drachenfutter diesen Jahres sogleich vergessen, nachdem der Händler sie in seinen Wagen verfrachtet hatte?
Hanad warf einen Umhang aus weichem Wolltuch über ihre Schultern.
»Streck’ deine Arme aus!«, befahl er. Die Schellen klickten wieder um ihre Handgelenke.
14.Kapitel: Das Geschenk des Sultans
Janica kam sich vor wie ein Hündchen, das an der Leine spazieren geführt wurde. Hanad Gur Hanadem zog sie an der Kette hinter sich her durch die weitläufige Parkanlage vor dem Herrscherpalast. Vor einem kunstvoll geschmiedeten Gittertor hatte die Kutsche des Händlers Halt machen müssen. Von einem guten Dutzend Wächtern grimmig beäugt, wurde das Pergament, das dem Händler den Zutritt zu dem von einer mehr als mannshohen Mauer abgeschlossenen Areal gestattete, durch einen Torschreiber gründlich geprüft. Dann erst durfte sich Hanad mit seiner zweibeinigen Ware auf dem breiten
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