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Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
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Zunge herausreißen!« Die eisblauen Augen, die in scharfem Kontrast zu seinem kurzgeschorenen dunklen Haar standen, schienen mit ihren kalten Blicken Janica zu durchbohren.
    »Aha! Keine schlechte Idee! Aber ich will erst hören, was dein Bruder Avid zu deinem Vorschlag meint!«
    Avid, das war wohl der Mann, der zur linken Seite des Sultans stand und die ganze Zeit gelangweilt zu den bodentiefen Fenstern hinausgesehen hatte. Sein langes Blondhaar war zu einem Zopf im Nacken zusammengebunden, das beinahe hager zu nennende Gesicht war glattrasiert und seine geradezu schlichte Kleidung wirkte in diesem Raum, in dem sich ein jeder herausgeputzt hatte wie ein Bunthahn, völlig fehl am Platze.
    »Mein Herr Vater, gebt dem Ehrwürdigen Händler einfach die Erlaubnis, die Kleine zu verkaufen! Soll sich doch ihr zukünftiger Gebieter mit ihrer spitzen Zunge herumschlagen!«, sagte er gleichmütig.
    Janica glaubte wieder, ein Aufblitzen in den dunklen Augen des Herrschers zu sehen.
    »Wie weise, wie weise! Ich habe schon überlegt, ob ich sie meinem Harem zufüge. Sie ist sehr hübsch, nicht wahr? Aber das Weib würde nur Unruhe stiften!«
    »Dann gebt sie mir, Herr Vater! Meine Rute wird sie schon bändigen!«, schlug Anadid vor.
    »Deine Rute?« Jetzt zeigte der Sultan seine Belustigung offen. »Nein, Anadid, dein Harem quillt schon über, und du hast dich noch immer nicht entschlossen, eine dieser Frauen zu deinem Eheweib zu machen. Du wirst nach mir über die Insel herrschen, und dazu gehört es, legitime Nachkommen in die Welt zu setzen. Ich werde dir nicht noch ein weiteres Spielzeug zukommen lassen, denn dann wird dir die Entscheidung noch schwerer fallen! Aber Avid, dir schulde ich noch einen Gefallen, nicht wahr? Du hast unser Seidenschiff wieder einmal sicher durch die Klippen gesteuert und uns Gold und Handelsware aus den Küstenstädten gebracht!«
    Avid legte eine Hand auf seine Brust: »Das ist meine Pflicht als Euer Zweitsohn! Unser Land verdankt dem Handel mit der Seide seinen Reichtum!«
    »Doch, doch, Avid, du hast eine kleine Belohnung verdient! Diese Frau hier gehört dir! Und soweit mir bekannt ist, ist dein Harem nicht so überfüllt wie jener deines Bruders!«
    »Mein Herr Vater, ich ...«
    Janica spürte ein klein wenig Panik bei dem jungen Mann. Er tat ihr beinahe leid, wie er sich mitten im Satz unterbrach, weil es ihm nicht zustand, seinem Vater zu widersprechen.
    »Hanad Gur Hanadem! Du darfst jetzt die Sklavin meinem Sohn Avid übergeben! Der Schatzmeister wird dich entschädigen! Und du, Avid, bringst dieses Weib zu deinem Haus und sorgst dafür, dass es auch dort bleibt! Ich bin nicht erpicht darauf, dass es mir hier weiterhin Rat erteilt und in Regierungsgeschäfte dreinredet!«
    Hanad stemmte sich ächzend vom Boden hoch und bedachte Janica mit bitterbösen Blicken. Sie hatte ihm das Geschäft verdorben. Der Schatzmeister des Sultans würde ihn mit Almosen abspeisen, während ein reicher Kaufmann oder Grundbesitzer ein Vermögen für Janica bezahlt hätte. Nun blieb ihm nichts anderes übrig, als die Kette von seinem Gürtel zu lösen und an Avid zu übergeben. Der Sohn des Sultans nahm sein Geschenk mit einem Gesicht entgegen, das aussah, als hätte er in eine Bitterfrucht gebissen.
    Hanad entfernte sich rückwärts unter ständigen Verbeugungen. Die vielen Menschen, die sich im Audienzsaal aufhielten, wagten es endlich, sich untereinander leise Bemerkungen zuzumurmeln. Avid wickelte sich die Kette um die Hand und zog so Janica Schritt für Schritt zu sich. Als sie so nahe vor ihm stand, dass kaum eine flache Hand zwischen ihre beiden Körper gepasst hätte, raunte er ihr zu: »Wenn du nicht doch noch ausgepeitscht werden willst, wirst du dich jetzt tief vor meinem Vater verbeugen und dann artig mit mir hinausgehen. Ohne irgendwelche Zicken, und vor allem, ohne ein einziges Wort zu sagen!«
    Janica nickte stumm. Sie wollte ja selbst hier raus. Vor allem dieser Anadid war ihr unheimlich.

15.Kapitel: Papageienplausch
     
    Avid bewohnte einen eigenen kleinen Palast auf dem weitläufigen Parkgelände. Zumindest gab es hier in Sichtweite keine von dem Basilisken geschaffenen Statuen. Vor dem Eingangstor standen auch keine Wächter, der Prinz fühlte sich wahrscheinlich sehr sicher. Eigenhändig stieß er die Türflügel auf und stürmte in seine Gemächer, Janica notgedrungen, da noch immer an die Kette gefesselt, hinterdrein. Ihr blieb keine Zeit, sich umzusehen, denn Avids wenn lange Beine

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