Drachentempel 02 - Drachenfeuer
was wir heute sind. Es dauerte Jahrzehnte und bedurfte gewaltiger Anstrengungen, bevor so etwas Komplexes erreicht war – das ist der Grund, warum wir Handel treiben mussten. So viel unserer gegenseitigen Biochemie war inkompatibel, genau wie auf jeder anderen von Menschen kolonisierten Welt. Die alten Lebensweisen, Ihre Märkte und Maschinen, mussten während dieser ganzen Zeit aufrecht erhalten werden, während wir unsere Probleme lösten. Und jetzt, wie Sie sehen, haben wir das alles hinter uns gelassen.«
»Und Ihre Schulden haben Sie ebenfalls nicht bezahlt«, sagte Ntoko.
»Nur auf Ihrem Planeten, Erdenmensch. Hier gibt es nichts dergleichen. Hier sind wir eins.«
»Die Behauptung, über solchen Dingen wie Geld zu stehen, ist ein sehr bequemer Weg, sich vor dem Problem zu drücken«, sagte Lawrence. »Aber ich weiß, dass Sie Ökonomie und Technologie begreifen. Sie besitzen immer noch Raumflugzeuge und Orbitalstationen. Sie müssen gewartet werden, Ersatzteile und Treibstoff müssen hergestellt werden. Das können Ihre Häuser nicht für Sie tun.«
»Wir hatten solche Maschinen, bis ihr gekommen seid und sie zerstört habt«, sagte Calandrinia. »Einige von uns träumen die gleichen Träume wie Sie, Lawrence Newton, Träume von Reisen durch das Weltall. Sie stecken voller Ideen, wie sie unsere Zellen so verändern können, dass sie in der Wüste jenseits des Himmels überleben. Unsere Weltraum-Enthusiasten möchten, dass wir die Monde und Kometen besiedeln, die um unsere Sonne kreisen. Es ist ein schöner Traum, denke ich. Aber sie sind eine Minderheit. Und Ihre Ankunft hat all ihren Bestrebungen ein Ende gesetzt. Sie haben sich einverstanden erklärt, ihre Anstrengungen wieder auf Santa Chico zu konzentrieren. Sie werden uns helfen, den Himmel zu versiegeln und Sie daran zu hindern, hierher zurückzukehren.«
»Woher wissen Sie meinen Namen?«
»Bitte entschuldigen Sie«, sagte Calandrinia. »Ich wusste nicht, dass es ein Geheimnis ist.«
Lawrence gefiel nicht, wie beiläufig sie klang. Wenn die Neuen Eingeborenen ihre Kommunikationsverbindungen entschlüsselt hatten, was er als sehr wahrscheinlich betrachtete, dann hatten sie vielleicht gehört, wie sein Name benutzt worden war und wie er sich mit Nic unterhalten hatte. Doch individuelle Skinsuits zu identifizieren war gar nicht so leicht. Es gab einfach zu viele Dinge hier, die die Neuen Eingeborenen als selbstverständlich betrachteten. Er für seinen Teil wusste beispielsweise immer noch nicht, wie sie über größere Entfernungen kommunizierten.
»Was meinen Sie damit, den Himmel versiegeln?«, erkundigte sich Ntoko.
»Sie sagen, dass Sie von hier weggehen, und das ist es, was wir wollen«, entgegnete Calandrinia. »Und anschließend werden wir sicherstellen, dass Sie nicht wieder zurückkehren. Wenigstens nicht, solange Ihre gegenwärtige Gesellschaft die dominante Kultur auf der Erde darstellt. Und dazu müssen wir den Himmel versiegeln.« Sie entblößte erneut ihre Fangzähne.
»Komm, wir müssen weiter«, sagte Ntoko über die abhörsichere Kommunikationsverbindung zu Lawrence. »Wir verschwenden hier nur unsere Zeit. Wir müssen weiter. Wenn sie etwas hätten, womit sie uns erledigen können, hätten sie es inzwischen längst benutzt. Wir müssen einfach nur aufpassen, was in unserem Rücken geschieht, und wir schießen alles ab, was sich da draußen bewegt.«
»Richtig.«
»In Ordnung, wir gehen jetzt«, sagte Ntoko zu den Neuen Eingeborenen. »Ihr werdet uns nicht folgen. Auf diese Weise kommt es nicht zu Missverständnissen, und niemandem geschieht etwas.«
»Welch ein weiser Ratschlag, Sergeant«, antwortete Calandrinia. »Wir werden versuchen, ihn uns zu Herzen zu nehmen.«
»Verdammte Klugscheißer«, brummte Ntoko. »Am liebsten würde ich jeden Einzelnen von ihnen in die Luft jagen.«
Das Platoon rückte ab. Ihre Stiefel wirbelten große Wolken pulverfeiner Asche auf. Sie überquerten den schmalen Streifen Tigergras und Bäume, der das Dorf einschloss, und kehrten auf das schwarz verbrannte Land zurück, das die Buschfeuer hinterlassen hatten. Der Ascheregen hatte inzwischen aufgehört, und sie konnten die Landschaft vor sich sehen. In der Ferne brannte es noch immer, und dichte Rauchsäulen und Asche wurden Hunderte von Metern hinauf in den indigofarbenen Himmel getragen. Doch es war keine massive Flammenwand mehr; das Buschfeuer hatte sich an Flüssen und Gräben geteilt und war in Dutzende kleinerer Brandherde zerfallen,
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