Ein Land, das Himmel heißt
und flüchtig fragte sie sich, wer er wohl war und für welchen Teil von Tommys geheimnisvollem Leben er stand.
Das Klicken von Kameras zerstörte die Andacht. Mit einer geschmeidigen Bewegung tauchte der Mann mit dem Zweig in der Menge unter und verschwand. Empört drehte sie sich um. Ihr Vater hatte keine Reporter zugelassen, im Gegenteil, hatte einigen besonders aufdringlichen gedroht, sie von Roly und Poly vom Hof jagen zu lassen.
Aber es waren keine Reporter. Sie erkannte die Männer sofort. Mr. Cronje und Mr. Parker. Mr. Cronje filmte, Mr. Parker hielt den Finger auf den Auslöser seiner Kamera und ließ den Film durchlaufen, während er die Linse langsam über die Gesichter der Trauergemeinde führte. Dass sie die Trauerfeier unterbrachen, war ihnen offensichtlich völlig egal.
Wütend wollte sie ihnen Einhalt gebieten, aber sowohl ihr Vater als auch Martin hielten ihre Hände wie mit eisernen Klammern. »Was wollen die Kerle hier?«, zischte sie. »Was fällt denen ein?«
»Sie tun ihre Arbeit«, flüsterte Martin, »hast du vergessen, dass dies ein Mordfall ist?«
Als der Sarg hinabgesenkt wurde, trat Angelica neben sie, und sie standen eng umschlungen da und folgten ihm mit ihren Blicken in die Tiefe, bis sich der Schatten des Grabrandes über den Blumenschmuck legte und ihr Vater die erste Hand voll Sand auf den Deckel warf. Auch sie füllte ihre Hand mit der steinigen Erde und ließ sie nach kurzem Zögern auf den Sarg prasseln. Dann verabschiedeten sich einer nach dem anderen die Freunde. Innerlich versteinert nahm Jill die Beileidsbezeugungen entgegen. Nur als sie Tita und Neil Robertson gegenüberstand, überzog ein blasses Lächeln ihr Gesicht.
»Jill, mein Liebes«, flüsterte Tita und nahm sie in die Arme.
Lange verharrte sie in der Umarmung, fand bei Tita, was ihre Mutter ihr jetzt nicht geben konnte. Endlich wandte sie sich Neil zu. Neil, der wirkte wie ein farbloser Gelehrter, blasse Haut, blassgraue Augen, sandfarbenes Haar, der sich aber vor ihrem erstaunten Blick in einen Funken sprühenden Kämpfer verwandeln konnte, wenn er über sein Land redete. Als Journalist stocherte er ständig im politischen Wespennest herum, und es wurde gemunkelt, dass er dem ANC zugeneigt war. Er drückte sie fest an sich. »Ich werde dir helfen, die Schweine festzunageln«, flüsterte er ihr ins Ohr. »Es waren nicht seine Leute, da bin ich mir sicher.« Dann trat er zurück.
Leon, Martins um elf Jahre älterer Bruder, schob sich vor sie, die Augen hinter einer verspiegelten Sonnenbrille verborgen. Er war viel breitschultriger und massiger als Martin, aber absolut nicht fett. Von dem Freund, der ihn begleitete, war Jill nur bekannt, dass er Len hieß. Ein unangenehm wirkender Mann, groß und fleischig, braune Pigmentflecken auf rötlicher Haut und dünne blonde Haare. Sein linker Arm war oberhalb des Ellbogens amputiert. Den eng stehenden kleinen Augen schien nichts zu entgehen. Es hieß, dass er stets bewaffnet herumlief, und auch jetzt zeichnete sich der Knauf eines Revolvers unter seiner Buschjacke ab.
Leon nahm die Sonnenbrille ab. Die Farbe seiner Augen, die Martins ähnlich war, verblasste zu einem kalten Regengrau in dem harschen afrikanischen Mittagslicht. Es ließ unbarmherzig alle Falten schärfer und tiefer erscheinen, die seine Haut durchzogen wie Risse verwitterten Marmors, und machte die Jahre deutlich, die er älter als Martin war. Er packte sie an den Schultern, zog sie an sich, bevor sie sich wehren konnte, und küsste sie rechts und links. »Es tut mir so Leid, Jill. Welche Tragik, dass dein Bruder zu spät herausgefunden hat, wer seine Freunde waren«, murmelte er.
Mit Anstrengung entwand sie sich seinem groben Griff, legte die Hand an die Wange, auf der noch das Kratzen seines borstigen Oberlippenbartes brannte. »Was meinst du damit?« Alles an ihm war kantiger, größer und härter als bei Martin, dessen Konturen eher weich wirkten. Schwarze, streichholzkurze Haare, glänzender Schnauzer, Haut walnussbraun gebrannt, und dann diese Augen. Als Mafioso hätte sie ihn für eine Idealbesetzung gehalten.
»Lorraine ist noch im Krankenhaus. Sie schickt dir alles Liebe. Morgen kommt sie nach Hause und wird dich anrufen.« Ihre Frage ließ er unbeantwortet. Dann ließ er seinen Freund vor, der ihr die Hand reichte und ein paar Worte murmelte. Sein Mund, der wie ein Messerschnitt sein Gesicht teilte, öffnete und schloss sich, Worte rauschten an ihr vorbei.
Sie nickte. »Ja«, sagte
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