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Ein Land, das Himmel heißt

Ein Land, das Himmel heißt

Titel: Ein Land, das Himmel heißt Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stefanie Gercke
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etwas ernst zu nehmen – oft meinte ich, dass es Zeit würde, dass er sich endlich wie ein erwachsener Mann benimmt …«
    »Das war seine Tarnung«, Neils Stimme drückte Respekt aus, »nur wenigen hat er erlaubt, den wirklichen Thomas hinter dieser Fassade zu sehen.«
    »Vor allem mir nicht«, sagte sie leise, »und das bringt mich fast um. Ich hätte ihn doch nie verraten.« Ihre Stimme war geklettert, klang selbst in ihren Ohren ein wenig hysterisch.
    »Das war seine mutigste Tat, meine Liebe, dir nichts zu sagen. So konntest du unbefangen mit den Herren Parker und Cronje umgehen. Ich habe von Martin gehört, dass du versucht hast, ihnen die Augen auszukratzen. Die Männer sind sehr, sehr clever, und sie besitzen eine untrügliche Menschenkenntnis. Mit Sicherheit haben sie gemerkt, dass du absolut nichts weißt. Sonst wärst du heute nicht hier bei uns.« Er legte ihr die Hand auf die Schulter. Eine mitfühlende Geste.
    Tita schüttelte sich. »Ich hab gehört, was die mit Frauen in ihren Gefängnissen machen …«
    Neil warf ihr einen warnenden Blick zu, und sie verstummte. Eine volle Minute starrten die drei vor sich hin, jeder in seinen eigenen Gedanken gefangen. Jill kämpfte entschlossen gegen die kalte Angst und die Bilder, die sich ihr aufdrängten, und tauchte als Erste wieder auf. Die nächste Frage blieb ihr im Hals stecken, weil sie die Antwort fürchtete, aber sie zwang sie heraus, sie musste es wissen. »Hat … hat er jemanden getötet?«
    Das blasse Gesicht des Mannes vor ihr spiegelte ein solches Mitgefühl wider, dass sie am liebsten in seinen Armen Schutz gesucht und alle Angst und Sorgen bei ihm abgeladen hätte. »Kannst du dir das von deinem Bruder wirklich vorstellen?«, wich er aus, der Vorwurf in seinen Worten war unterschwellig.
    Dankbar schüttelte sie den Kopf, merkte gar nicht, dass er ihr nicht geantwortet hatte. Nein, wirklich nicht. »Wer war es, Neil? Dieser Cronje oder dieser Parker? Oder waren es seine Freunde? Aber das glaub ich nicht, er hätte sie nie verraten. Nicht Tommy!«
    »Natürlich nicht«, stimmte Neil ihr zu, »aber ich kann dir nicht sagen, wer ihn auf dem Gewissen hat. Nur eines weiß ich sicher, Cronje und Parker und ihr gesamter Verein haben nichts damit zu tun. Erstaunlicherweise«, setzte er hinzu.
    »Woher weißt du das?«, rief sie verblüfft. So sicher war sie sich, dass die Bombe, die Tom getötet hatte, aus dem Büro für Staatssicherheit stammte, dass sie seine Aussage kaum glauben konnte.
    »Das kann ich dir nicht sagen, ich würde meine Informanten in Lebensgefahr bringen.« Er fuhr sich durch die sandblonden Haare. 
    »Natürlich, entschuldige, ich habe nicht daran gedacht.« Brütend stützte sie ihren Kopf in eine Hand, malte mit der anderen Figuren auf die Tischdecke. »Aber wer kann es gewesen sein? Eine Paketbombe, das klingt doch so … professionell?« Sie sah hoch.
    »Deswegen würden Cronje und Parker liebend gern herausbekommen, wer es war, das kann ich dir versichern, denn Toms Tod war kein normaler Mord, wenn man das Wort normal überhaupt in diesem Zusammenhang benutzen kann. Er muss einen politischen Hintergrund gehabt haben. Es gibt natürlich noch die Möglichkeit, dass es doch ein Mord aus privaten Gründen war, getarnt als politischer Anschlag.« Nachdenklich den Kopf schüttelnd, setzte er sich.
    Tita saß neben ihr und spielte stumm mit ihrem leeren Weinglas. »Es laufen genug Fanatiker in unserem Land herum«, warf sie ein, »denk doch nur an diesen unsäglichen Anton Du Plessis und sein verrücktes Gefolge. Kostümiert wie die alten Buren, mit Fahnen, auf denen das Symbol ihrer Vereinigung aussieht wie das Hakenkreuz Hitlers, reiten sie durchs Land und schreien nach Blut und Rache.«
    »Könnte sein«, sagte Neil nachdenklich, rührte dabei den dritten Löffel Zucker in seinen Kaffee, »erscheint mir aber unwahrscheinlich, nicht diese Organisation. Aber Tita hat Recht, es gibt zu viele Fanatiker. Ich fürchte, wir müssen die Ermittlungen wirklich der Polizei überlassen. Natürlich halte ich meine Ohren offen, ich habe ein reiches Netzwerk von Kontakten, und falls ich etwas erfahre, sag ich dir sofort Bescheid.«
    Schweigend verdaute sie diese Nachricht. »Hast du diesen Zulu am Grab gesehen, der den Büffeldornzweig trug? Kennst du ihn?«
    Neil nickte zögernd. »Er war der engste Freund und Mitarbeiter deines Bruders. Ich kenne ihn, nicht gut, aber ich weiß, wer er ist – doch ich werde dir auch seinen Namen nicht

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