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Ein Todsicherer Job

Ein Todsicherer Job

Titel: Ein Todsicherer Job Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Christopher Moore
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die Haare im Nacken aufstellten und seine Blase drückte. Sein Körper befand sich im Kampf-oder-Flucht-Modus, und zum zweiten Mal in einer Woche handelte er entgegen seiner Betamännchen-Natur und entschied sich für den Kampf. Nun denn, dachte er, so sei es. Er würde seinem Peiniger gegenübertreten und ihn niederwerfen, sobald er einen Parkplatz fand – was nicht der Fall war.
    Er kreiste um den Block, kurvte zwischen Cafés und Bars herum, von denen es in diesem Viertel mehr als reichlich gab. Er rollte durch die Seitenstraßen, vorbei an Reihen makellos gepflegter (und exorbitant teurer) Häuser im viktorianischen Stil, fand aber keine Bleibe für sein treues Ross. Nachdem er eine halbe Stunde lang die Nachbarschaft erkundet hatte, kehrte er um und fand einen freien Platz in einem Parkhaus an der Fillmore, dann fuhr er mit der antiken Straßenbahn wieder die Market Street entlang zurück ins Castro-Viertel. Eine süße, kleine, italienische Straßenbahn mit Holzbänken, Messinggeländern und Fensterrahmen aus Mahagoni, einem entzückenden Messingglöckchen und einer Höchstgeschwindigkeit von vierzig Stundenkilometern: So zog Charlie Asher in die Schlacht. Er versuchte, sich Horden von Hunnen vorzustellen, die an den Seiten hingen, böse Klingen schwangen und Pfeile abschossen, während draußen Graffiti vorüberzogen. Oder vielleicht Wikinger, die Schilde an der Bordwand des Waggons, schlugen ihre tiefe Trommel und ruderten heran, um die Antiquitätenläden, Leder- Bars, Sushi-Bars, Leder-Sushi-Bars (will man lieber gar nicht wissen) und Kunstgalerien an der Castro zu plündern. Und hier ließ Charlie sogar seine wunderbare Phantasie im Stich. An der Kreuzung Castro und Market stieg er aus und lief einen Block zurück bis zu Fresh Music , dann blieb er draußen vor dem Laden stehen und fragte sich, was er jetzt eigentlich machen wollte.
    Was wäre, wenn der Anrufer das Telefon nur geliehen hatte? Was wäre, wenn Charlie schreiend und drohend hineinstürmte und hinter dem Tresen nur ein gestörter Bengel saß? Doch dann spähte er durch die Tür hinein, und dort stand hinter dem Tresen – ganz allein – ein außergewöhnlich großer, schwarzer Mann, komplett mintgrün gekleidet, und in diesem Moment sah Charlie rot.
    »Du hast sie umgebracht!«, schrie Charlie, als er an den CD- Regalen entlang dem grünen Mann entgegenstürmte. Im Laufen zückte er seinen Degen – versuchte es zumindest –, in der Hoffnung, ihn mit einer einzigen, fließenden Bewegung aus dem Stock und Rachels Mörder einmal quer über die Kehle zu ziehen. Leider hatte die Waffe lange hinten in Charlies Laden gelegen, und abgesehen von den drei Malen, die Lilys Freundin Abby damit hatte verschwinden wollen (wobei sie ihn einmal zu kaufen versuchte, was Charlie ihr verweigerte, und ihn zweimal klauen wollte), war der Degen seit Jahren nicht mehr gezückt worden. Der kleine Messingknopf, den man drückte, um die Klinge zu lösen, steckte fest, so dass Charlie – als er dem Mann den Todesstoß versetzte – den ganzen Stock schwang, was schwerer war und langsamer, als der Degen es gewesen wäre. Der Mann in Mint war für seine Größe schnell und duckte sich, und Charlie löschte eine ganze Reihe Judy-Garland-CDs aus, verlor das Gleichgewicht, prallte vom Tresen ab, wirbelte herum und versuchte es noch einmal, wie er es so oft in Samurai-Filmen gesehen hatte. Diesmal löste sich die Klinge aus dem Stock und schlug ihren tödlichen Bogen kaum einen Meter vor dem Mann in Mint, wobei sie sauber eine lebensgroße Pappfigur von Barbra Streisand köpfte.
    »Das muss doch nicht sein!«, donnerte der große Mann.
    Als Charlie das Gleichgewicht für eine Rückhand wieder fand, sah er etwas Großes, Dunkles auf sich zukommen und erkannte es im allerletzten Augenblick, als ihn die altmodische Registrierkasse am Kopf traf. Es folgte ein Blitz, ein Klingeling, und alles wurde dunkel und klebrig.
     
    Als Charlie zu sich kam, war er an einen Stuhl gefesselt. Er saß im Hinterzimmer des Plattenladens, das dem Hinterzimmer seines eigenen Ladens bemerkenswert ähnlich sah, abgesehen davon, dass sich in den gestapelten Kisten Schallplatten und CDs befanden und nicht gebrauchter Plunder. Der große Schwarze stand über ihn gebeugt, und Charlie dachte erst, er würde sich vielleicht in Rauch auflösen, doch dann merkte er, dass ihm alles vor den Augen verschwamm. Plötzlich blitzte Schmerz in seinem Kopf auf wie ein Stroboskop.
    »Autsch.«
    »Was macht Ihr

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