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Eismord

Eismord

Titel: Eismord Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Giles Blunt
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gestern Abend an dich gedacht.«
    »Was hältst du davon, später dazuzukommen?«
    »Sollte ich wirklich nicht. Ich muss meine Notizen in irgendeine brauchbare Form ordnen, und außerdem hat mir ein Freund gerade ein dickes Gerichtsprotokoll per Fedex geschickt, das ich lesen soll.«
    »Dann komm doch, wenn du fertig bist.«
    »Meinst du? Würde ich zwar liebend gerne, aber …«
    »Gut. Also, bis dann.«
     
    »Oh, das ist hübsch«, sagte Mendelsohn. Über seine Speisekarte hinweg sah er sich um. »Lampen aus Buntglas, Kellnerinnen in Uniform, so was
mag
ich. Was kann das Herz eines Mannes
noch
begehren?«
    Als Vorspeise bestellten sie Salat, auch wenn Cardinal Mendelsohn warnte, es gäbe mit Sicherheit nichts weiter als Eisbergsalat.
    »Ich bin alt genug, um mich noch zu erinnern, wie wir ihn einfach nur Salat genannt haben. Es
gab
überhaupt nichts anderes als Eisbergsalat. Ein bisschen von dem Zeug Kraft-im-Rancherstil drüber? Unschlagbar.«
    Mendelsohn hatte gute Tischmanieren und tupfte sich oft den Mund mit einer Serviette ab. Cardinal erkundigte sich nach seinen Kollegen (
wunderbar –
und
fähige
Leute) und nach seinem Chef (nicht gerade ein Unmensch, aber auch nicht die
Liebenswürdigkeit
selbst).
    »Erzählen Sie mir von diesem McLeod«, sagte Mendelsohn. »Ich hab irgendwie das Gefühl, dass er solider ist, als er sich gibt.«
    »McLeod ist ein gründlicher Ermittler. Auch vor Gericht zuverlässig, kennt seine Fakten und hält sich daran.«
    »Ah, vor
Gericht.
Ich kann mir vorstellen, dass er gut reden kann. Und diese Delorme. Also, das ist eine attraktive Frau, und damit meine ich nicht nur hübsch.«
    »Sergeant Delorme hat keine Ahnung, wie attraktiv sie ist.«
    »Was sie noch attraktiver macht.« Mendelsohn deutete mit einer Gabel auf sein Essen. »Gutes Schweinekotelett. Die meisten Köche machen sie zu trocken, aber das hier ist genau richtig. Ach, übrigens, die Datenbank hatte nichts zu den Bastovs und der russischen Mafia.«
    »Wenn sie allerdings nur von der Mafia bedroht worden wären, wüssten wir nichts davon, oder? Die meisten haben viel zu viel Angst, um etwas zu sagen, richtig?«
    »Sie haben recht. Ausgeschlossen ist es nicht. Aber ich hab auch bei der New Yorker Polizei nachgefragt, die sind die richtigen Experten. Lev Bastov hat sich in Brooklyn mit ein oder zwei Verbindungsleuten getroffen, aber nicht auf eine Art, dass die Alarmglocken geläutet hätten. Sie haben da einen ihrer Bosse, der in der Modebranche mitmischt, und von da aus ist es nur ein kleiner Schritt zur Pelzbranche.«
    Sie sprachen über Yevgeny Divyris. Keiner von ihnen hielt ihn für schuldig, seine Schwester und ihren Mann umgebracht zu haben. Ob er allerdings jemanden beauftragt hatte, war – zumindest für Cardinal – eine offene Frage. Mendelsohn war dieser Möglichkeit gegenüber skeptisch.
    »Er hat ein Motiv«, sagte Cardinal. »Und er hat eine fiese Art.«
    »Ganz eindeutig, Da stimme ich Ihnen zu. Aber ich betrachte den Fall von einer völlig anderen Warte. Und von daher …« Mendelsohn legte, die Gabel in der Luft, eine Pause ein und machte ein Gesicht, als horchte er angestrengt auf eine leise Melodie. »Und von der Warte aus betrachtet, gibt es etwas, das ich Ihnen sagen sollte.«
    »Dann raus damit.«
    Mendelsohn wand sich. »Ich tu mich da schwer. Nicht, dass ich Ihnen nicht trauen würde. Es ist nur so, dass man – besonders beim FBI  – lernt, die Dinge für sich zu behalten. Wir haben schon allzu oft von anderen Behörden und Abteilungen, nicht zuletzt auch vom Justizministerium, unser Fett abbekommen. Von der CIA ganz zu schweigen. Deshalb fällt es uns nicht gerade leicht, Informationen auszutauschen.«
    »Ist bei uns so ziemlich dasselbe mit der Royal Canadian Mounted Police – unseren guten alten Mounties.«
    »Ah, gut, ich meine, nicht gut, aber gut, dass Sie mich verstehen – jetzt komm ich mir nicht mehr so egoistisch, so
undankbar
vor.« Mendelsohn aß mit gutem Appetit weiter. Die Zuckererbsen waren schlichtweg ein
Hochgenuss.
    Nach einer Weile überaus nachdenklichen Kauens beugte sich Mendelsohn über den Tisch. »Na schön. Jetzt kommt das Gute: Mein Abteilungsleiter und meine Kollegen würden das jetzt nicht gutheißen, aber ich werde mich aus dem Fenster lehnen. Mein Gott, schließlich bin ich schon vor Ihren Augen auf zu dünnem Eis eingebrochen – also, was soll’s?
    Wir haben, wie gesagt, diese ähnlichen, aber nicht deckungsgleichen Verbrechen. In meinen Augen

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