Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Eismord

Eismord

Titel: Eismord Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Giles Blunt
Vom Netzwerk:
vorausgesehen, wie sehr es ihn verletzen würde, bis es zu spät war. Ray war am Boden zerstört.«
    Cardinal drehte sich auf die Seite und legte ihr die Hand auf die Schulter. »Wieso erzählst du mir das? Willst du mich vor dir warnen?«
    »Vielleicht.« Sie lächelte schwach. »Ich wollte nur – du bist so ganz anders als ich, das ist alles. Derselben Frau dreißig Jahre treu. Ich bin neidisch – nicht nur auf sie, sondern auf dich. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, so beständig zu sein.«
    »Langweilig, die meiste Zeit.«
    »Das glaube ich nicht. Jedenfalls nicht bei dir. Ich dagegen hab offenbar einfach kein Sitzfleisch. Jedes Mal, wenn das Leben mir etwas bietet, das nach Dauer und Beständigkeit aussieht – etwas, das mehrere Monate halten könnte –, mache ich es rechtzeitig kaputt.«
    »Aber das hast du nicht ganz ohne Hilfe anderer getan. Sein sogenannter Freund hatte auch die Finger im Spiel.«
    Sie schüttelte den Kopf. »In Wahrheit gehören nicht zwei dazu, John. Glaub mir, ich hab es mehr als ein Mal getan.«
    »Da, schon wieder. Die nächste Warnung.«
    »Vielleicht will ich mich auch nur dazu überreden, ein besserer Mensch zu werden. Vielleicht bist du es wert, sich deinetwegen zu ändern.«
    »Du kennst mich nicht mal.«
    »Und du wirst mich auch nicht näher kennenlernen wollen.«
    »Jetzt werden wir aber ein wenig melodramatisch.«
    Sie legte die Arme um ihn und drückte ihn an sich. Eine Träne rollte auf seine Brust.
    »Menschen können sich ändern«, sagte Cardinal. »Ich hab selbst Beispiele dafür gesehen. Manche Menschen krempeln ihr ganzes Leben um.«
    Sie seufzte und streckte die Hand nach oben, um sein Gesicht zu berühren. »Was für eine schöne Geschichte.«

[home]
    31
    A ls Cardinal am Morgen aus der Dusche kam, war Donna schon weg.
    Nach der morgendlichen Lagebesprechung hörte er seine Voicemail ab und erwiderte einige Anrufe. Obwohl er so etwas wie eine innere Blockade überwinden musste, um E-Mails zu beantworten, nutzte er die Zeit, in der er auf Mendelsohn wartete, indem er so viele Mails beantwortete, wie er konnte. Natürlich hatte Mendelsohn nicht die Möglichkeit, anzurufen und zu erklären, wieso er sich dermaßen verspätete, da sein Handy am Grund des Trout Lake lag.
    Um zehn Uhr rief er im Highlands Hotel an. In Mendelsohns Zimmer meldete sich niemand. Der FBI -Mann mochte ein wenig exzentrisch und außerdem ein bisschen tolpatschig sein, doch an seiner Zuverlässigkeit hegte Cardinal keinen Zweifel. Nicht der Typ, der neun Uhr sagt, wenn er halb elf oder elf meint. Cardinal schnappte sich seinen Mantel und fuhr zum Highlands, wo er direkt neben Mendelsohns Alero parkte. Jemand vom Wartungspersonal schob eine Schneefräse vor sich her, die weiße Fontänen in den blauen Himmel stieß.
    Der junge Mr. Dee war über Cardinals erneuten Besuch nicht erbaut. Über die Rezeptionstheke hinweg schlug ihm eine Wolke nach Mundwasser duftender Empörung entgegen.
    »Ich möchte zu einem Ihrer Gäste«, sagte Cardinal.
    »Selbstverständlich, Detective. Wie lautet der Name?«
    »Mendelsohn.«
    Der Manager sah auf seinem Computer nach, fand die Zimmernummer heraus und wählte. Das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt, tippte er die ganze Zeit emsig weiter. Er legte auf. »Tut mir leid, Mr. Mendelsohn muss weggegangen sein.« Er deutete auf die Haustelefone. »Möchten Sie eine Nachricht hinterlassen?«
    »Ich muss sein Zimmer sehen.«
    »Oh, ich glaube nicht, dass wir …« Er musterte Cardinals Gesicht, und was immer er dort entdeckte, änderte seine Meinung. »Ich kümmer mich darum.«
    Im Fahrstuhl sagte er: »Bitte sagen Sie mir, dass diese Ermittlungen bald vorbei sind.«
    »Sind sie nicht.«
    Auf dem zweiten Stock führte er Cardinal zu Zimmer 218 und klopfte an. »Wissen Sie, was komisch ist? Unsere Belegung ist im Vergleich zum Vorjahr
gestiegen.
«
    »Man sollte meinen, ein Doppelmord ist nicht gerade die beste Publicity.«
    »Dachte ich auch.« Er klopfte noch einmal an.
    »Öffnen Sie die Tür.«
    »Bitte – wir müssen nicht schon wieder diese Diskussion führen, oder?«
    »Nein«, erwiderte Cardinal, »ganz bestimmt nicht.«
    Der Direktor zog den Generalschlüssel aus der Tasche und öffnete die Tür. Er nahm dieselbe Stellung wie beim letzten Mal ein, den Rücken zum Flur gewandt, und hielt die Tür offen. »Klingt, als stünde er unter der Dusche.«
    Die Spiegel, die Fenster, sogar der Fernsehbildschirm waren vom Dampf

Weitere Kostenlose Bücher