Elben Drachen Schatten
fortgeschrittene technische Wissen der Elben noch ein magisches Ritual wie Reboldirs Zauber hatten zur Entstehung der Gemäuer beigetragen. Zur Anwendung von Letzterem hätte der kleinen Schar von Seefahrern an Bord der »Jirantor« auch die nötige spirituelle Kraft gefehlt, denn allein mit elbischer Hausmagie und ohne einen einzigen wirklich ausgebildeten Magier oder Schamanen war es nicht möglich, eine Stadtmauer materialisieren zu lassen.
Im Hafen lag das Wrack eines Elbenschiffs. Bogenschützen nahmen an den Kaimauern Aufstellung, als die »Tharnawn« auftauchte, und ein Elbenhorn erklang.
Die »Tharnawn« legte an. Siranodir mit den zwei Schwertern war der Erste, der von Bord ging. Sogleich begann er, das Schiff zu vertäuen. Dann gingen auch König Keandir und Magolas an Land.
Aus Richtung der Burgruine kam ihnen Ithrondyr entgegen, in seiner Begleitung ein paar weitere Elbenkrieger.
In diesem Moment sauste ein zwei Schritt durchmessender Gesteinsbrocken durch die Luft und krachte in eins der Hafengebäude, dessen Dach nie fertig gestellt worden war. Die Giebelmauer wurde getroffen und stürzte ein. Ein weiterer Gesteinsbrocken schlug dicht neben Ithrondyr und seinen Begleitern in den Boden und riss ein Loch auf.
Hörner bliesen Alarm, doch Ithrondyr wirkte relativ gelassen. Er schritt auf Keandir und Magolas zu und verneigte sich. »Seid gegrüßt, mein König!«
»Wer greift Euch an?«
»Es sind die Truppen des Eisenfürsten. Ein Tagoräer muss ihnen gezeigt haben, wie man Katapulte baut, so gut sind diese Kriegsmaschinen. Sobald sich zwischen den Ruinen etwas regt, schleudern sie Felsbrocken, brennendes Pech, Bienenstöcke oder Jauche zu uns herüber. Sie selbst verbergen sich im Wald. Dass sie auf dem freien Feld vor der Stadtmauer ein leichtes Ziel für unsere Bogenschützen abgeben, wissen sie und haben es deshalb aufgegeben, uns direkt anzugreifen.«
Keandir sah Ithrondyr ernst an. »Wir erwarteten Euch in Elbenhaven, Kapitän.«
»Ich weiß. Aber ich hielt es für einen guten Plan, hier einen dauerhaften Stützpunkt zu errichten. Die Rhagar waren sofort bereit, uns zu helfen.«
»Inzwischen sehen sie diese Hilfe als Frondienst an und feiern den Eisenfürsten als ihren Befreier«, entgegnete Keandir. »Ich weiß nicht, ob Ihr Euch vorstellen könnt, was das für Folgen haben kann.«
Ithrondyr wirkte niedergeschlagen. »Doch, dass weiß ich sehr wohl – und ich bin mir meiner Schuld und meines furchtbaren Fehlers bewusst.«
»Das hoffe ich«, sagte Keandir grimmig, während ein weiterer Felsbrocken in ein entfernter liegendes Gebäude einschlug. »Berichte weiter!«
»Die Rhagar sehen uns nicht mehr als Götter an. Sie wissen nun, dass wir sterblich sind. Um uns zu provozieren, machen sie Jagd auf die wenigen Zentauren, die nicht gen Norden geflohen, sondern in die Wälder von Karanor abgewandert sind. Aufgespießt und gebraten haben sie ihre Leiber mit ihren Katapulten zu uns herübergeschleudert, um uns zu demonstrieren, dass die Gesetze der Lichtgötter keine Gültigkeit mehr haben.«
»So hatten sich diese Gebote tatsächlich bis in den Süden durchgesetzt?«
»Als wir hier ankamen, galten Zentauren sogar als heilige Begleiter der Götter.« Er atmete tief durch. »Wir haben schon nicht mehr an Rettung geglaubt. Unser Schiff wurde beim ersten Angriff derart beschädigt, dass es nicht mehr seetüchtig ist, und wir konnten es nicht reparieren, weil wir ständig weiteren Attacken ausgesetzt waren.«
»Ruft Eure Leute zusammen!«, wies König Keandir den Kapitän an. »Und kommt an Bord!«
14. Kapitel
Die Schlacht an der Aratanischen Mauer
Die »Tharnawn« wurde in Elbenhaven mit Begeisterung empfangen, und König Keandir war froh, seine geliebte Ruwen wieder in die Arme schließen zu können.
Aber die Nachrichten, die der König aus dem Süden mitbrachte, waren beunruhigend und lösten am Hof von Elbenhaven lähmendes Entsetzen aus. Zum ersten Mal war die Gefahr, die dem Elbenreich drohte, wirklich greifbar. Ein ganzes Zeitalter lang hatte man sich dem Aufbau widmen können, und nachdem auch die »Andirs Schutzwall« genannte Aratanische Mauer das Reich nach Süden hin schützte, hatte man sich vollkommen sicher gefühlt. Selbst unter den Zentauren war die Angst vor den Rhagar geringer geworden und damit auch die Neigung, sich als Wachmannschaften an der Mauer oder zur Bedienung der Katapulte anwerben zu lassen, denn die Zentauren des Waldreichs sahen ihren Hauptfeind mittlerweile
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