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Elben Drachen Schatten

Elben Drachen Schatten

Titel: Elben Drachen Schatten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alfred Bekker
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hatte längst begonnen, begriff Xaror. Aber während die Elben und Rhagar ihn im Hier und Jetzt führten und sich Keandir und seine Getreuen noch immer des Sieges am Elbenturm erfreuten, führte der ehemalige Herrscher des Dunklen Reichs diesen Krieg bereits in der Zukunft und knüpfte dort das Schicksal der Bewohner des Zwischenlands …

    Rhiagon stand am Fenster seines Gemachs auf Burg Elbenhaven. Es lag zur Meerseite hin, in einem mehrstöckigen Gebäude innerhalb des äußeren Burghofs. Der blinde Elb sog die frische salzige Brise ein.
    Außer dem Erblindeten befand sich noch eine zweite Person im Raum: Siranodir mit den zwei Schwertern, der sich immer größere Sorgen um den Kampfgefährten machte.
    »Es ist geradezu rührend, wie Ihr versucht, mir neuen Lebensmut zuzusprechen, werter Siranodir«, sagte Rhiagon, »und ich erkenne an, dass gewiss auch Euer eigenes Schicksal schwer zu ertragen war. Aber Ihr hört wenigstens noch etwas , auch wenn dieser Sinn auf das Niveau eines Rhagar-Barbaren reduziert sein mag; Ihr könnt Euch mit mir unterhalten, ich aber bin vollkommen blind.«
    »Und doch werdet Ihr vielleicht mit der Zeit erkennen, dass das Leben neue Aufgaben und Herausforderungen an Euch stellt. Und abgesehen davon verfeinern sich die anderen Sinne deutlich, wie ich Euch aus eigener Erfahrung sagen kann, wenn ein Sinn geschwächt ist oder gar nicht mehr zur Verfügung steht. Vielleicht entwickelt sich gerade aus der Schwäche ein neues Talent.«
    »Das mag für außergewöhnliche Künstler wie Gesinderis dem Gehörlosen gelten – und vielleicht für eine so unelbisch optimistische Frohnatur wie Euch. Aber nicht für mich, werter Siranodir.« Rhiagon deutete mit ausgestrecktem Arm aus dem Fenster, das einen hervorragenden Blick auf die Hafenanlage gestattete; nur ihm nicht, der keine Augen mehr hatte, um eine derartige Aussicht zu erfassen. »Dort müsste die Tharnawn im Hafen liegen – das Flaggschiff unseres Königs, bereit zu einem neuerlichen Vorstoß nach Naranduin.«
    »So ist es«, bestätigte Siranodir.
    »Ich höre das Schlagen der Segel, die man bereits hochgezogen hat. Ich höre die Gespräche der Matrosen, die Fachsimpelei des Steuermanns. Und ich weiß, dass dies Schiff jeden Moment loslegen kann. Ich nehme an, Ihr werdet mit am Bord sein?«
    »Das stimmt«, sagte Siranodir.
    »Seht Ihr? Das ist der Unterschied. Ich werde in diesem Gemach ausharren, statt auf die Reise zu gehen und mich den Feinden des Reichs zu stellen. Und da dies Quartier den Angehörigen der Einhandgarde vorbehalten ist, werde ich ständig die vertrauten Stimmen meiner Kampfgefährten vernehmen, die mich mit jedem Herzschlag daran erinnern, dass ich nicht mehr Teil von ihnen bin. Selbst wenn mir ehrenhalber der Rang belassen werden soll - das ist ein schwacher Trost.«
    Siranodir atmete tief durch. Ihm war bewusst, dass Rhiagon einen schweren Weg vor sich hatte. »Ich bin überzeugt davon, dass Ihr es eines Tages schaffen werdet, die Beschränkungen Eures fehlenden Augenlichts zu akzeptieren und irgendwie auszugleichen«, erklärte er und gab damit einer ehrlich empfundenen und von Mitgefühl geprägten Hoffung Ausdruck.
    Rhiagon lag eine Antwort auf der Zunge, um Siranodir vehement zu widersprechen. Er hatte den Mund bereits halb geöffnet, und es schien so, als käme im nächsten Moment ein Schwall von Worten über seine Lippen, mit denen der Elb noch einmal sein Schicksal beklagen würde. Aber das geschah nicht. Er blieb stumm.
    Stattdessen vernahm Rhiagon plötzlich eine Stimme unbekannter Herkunft, die in der Tiefe seines Seele aufzuklingen schien:
    » Ich werde dir geben, was du begehrst, Rhiagon«, versprach diese Gedankenstimme in seinem Kopf, und der Hauptmann der Einhandgarde empfand einen eisigen Schauder. Aber die Gewissheit, mit der sich diese Stimme zu ihm äußerte, war unerschütterlich. » Noch kennst du mich nicht. Aber wenn es soweit ist, wirst du wissen, wem du Dank schuldest und wer dein Leben wieder zu dem gemacht hat, was du dir darunter vorstellst …«
    Rhiagon wandte ruckartig den Kopf.
    »Was ist mit Euch, Rhiagon?«, fragte Siranodir verwirrt. »Sagt, habt Ihr etwas gehört, dass mir aufgrund meiner eigenen Sinneseinschränkung entgangen ist?«
    Aber Rhiagon schüttelte den Kopf. »Es ist nichts«, behauptete er. »Gar nichts.«
    Ein Hornsignal ertönte. Es kam vom Hafen und verkündete, dass die »Tharnawn« fertig war zum Auslaufen.
    »Ihr solltet besser gehen, werter Siranodir«, sagte

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