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Elfenlicht

Elfenlicht

Titel: Elfenlicht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernhard Hennen
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Zauber weben, aber ich vermag nicht zu kochen. Falrach hat es zwar gegessen, aber er hat mich aufgezogen. Gestichelt. Trotzdem konnte auch ich über seine Späße lachen. Auch wenn seine Worte manchmal grob klangen, so hat sein Lächeln ihnen den Stachel genommen.« Sie schloss die Augen. »An manches erinnere ich mich so deutlich, als sei es erst gestern gewesen. Das schalkhafte Funkeln in seinen Augen, wenn er mir erklärte, halb rohe Hasenkeule mit angebrannten Zwiebeln sei unter allem, was ich koche, mit großem Abstand sein Leibgericht.«
    »Dann koche es noch einmal für ihn«, sagte sie, doch in Gedanken war sie bei dem Brunnen vor dem Thronsaal. Falrach also war es gewesen, jener geheimnisvolle Geliebte Emerelles. Hatte sie bewusst ihr Geheimnis preisgegeben, oder war sie so tief in Gedanken und hatte gar nicht bemerkt, dass nicht Ollowains Name über ihre Lippen gekommen war?
    Noch immer spielte die Königin nachdenklich mit ihrem Haar. »Ich werde mich zum Gespött unter den Kobolden in der Küche machen, wenn ich sie von ihren Herdfeuern vertreibe, um ein angebranntes Essen zu kochen.«
    »Wie viel wiegt dieser Spott, wenn es dir gelingt, den Funken der Liebe wieder zu entfachen?«
    Emerelle seufzte.
    »Und was ist mit deiner Kleidung? Was hast du getragen?«
    Wieder schloss die Königin die Augen. »Ein Jagdkostüm aus rostrotem Leder. Es war praktisch, weil man die Blutflecke darauf nicht so gut sehen konnte. Ich habe es oft geflickt. Das Leder war ganz abgestoßen. Ich sah recht verwegen darin aus. Auf der linken Schulter hatte ich einen dicken Lederstreifen.
    Dort saß Goldauge, mein Falke. Selbst wenn ich tief über die Mähne meiner Stute gebeugt galoppierte, blieb er dort sitzen. Er liebte das.«
    »Dann leg auch dieses Jagdgewand wieder an, Herrin.«
    Die Königin sah sie an. »Ach, Obilee. Es ist längst zu Staub geworden, so viele Jahrhunderte sind seitdem vergangen. Auf jede Nacht, die wir beisammen lagen, kommen mehr als tausend Nächte ohne ihn.« Sie trat an einen Sims, auf dem Dutzende kleiner Kristallflakons standen. Spielerisch strichen ihre Finger über die Fläschchen. Dann entkorkte sie eines und strich sich ein wenig Parfüm auf Hals und Nacken. Schwerer Aprikosenduft stieg Obilee in die Nase. Emerelle nahm einen anderen Flakon, träufelte etwas auf ihre Finger und strich dann über ihre Scham. Der Duft von Sandelholz mischte sich zur Aprikose.
    »Herrin, jede Dame bei Hof kleidet sich in sinnliche Düfte und kostbare Seide. Wage es, anders als sie zu sein. Suche nach der Emerelle mit dem Falken auf der Schulter. Zeige Ollowain die Frau, die er als Falrach einst liebte.«
    Der Flakon entglitt Emerelles Fingern und zerschellte auf dem Steinboden. »Du ... du kennst seinen Namen!«
    »Herrin, du selbst hast ihn genannt.«
    »Niemals. Ich ...« Sie stockte. Der Sandelholzduft lastete schwer in der Ankleidekammer. Nie zuvor hatte Obilee die Herrscherin Albenmarks so verletzlich gesehen. Ihre Wangenmuskeln zuckten. Sie blinzelte, kämpfte mit Tränen.
    Zögernd trat die Kriegerin vor, stieg über die Scherben hinweg und nahm Emerelle in ihre Arme.
    Emerelle vergrub das Gesicht an Obilees Schulter. Ihr Rücken bebte. »Du darfst es niemandem sagen, hörst du. Niemandem! Sie würden es ihm zutragen, nur um mich zu verletzen.
    Vielleicht würden sie ihn sogar ermorden, um mich damit zu treffen.«
    »Aber Herrin, wer sollte so etwas tun?« Die Königin löste sich aus ihrer Umarmung und machte eine vage Geste. »Es sind so viele dort draußen, die mich fallen sehen wollen. So viele! Sogar Elfen.« Sie kniete nieder und sammelte die Scherben des zerbrochenen Flakons auf ihre flache Hand. »Reich mir deine Linke, Obilee. Die Hand, die vom Herzen kommt.«
    Wie in Trance gehorchte die junge Elfe. Der Sandholzduft machte sie ganz benommen, und Emerelle hatte etwas Zwingendes in ihrem Blick. Die Königin griff mit der Hand, in der die Scherben lagen, nach ihr. Ihrer beider Finger verschränkten sich ineinander. Muskeln und Sehnen an Emerelles Unterarm spannten sich. Obilee spürte einen kurzen, stechenden Schmerz. Obwohl Fenster und Türen verschlossen waren, streifte sie ein eisiger Luftzug. Viel zu kalt für einen Sommerabend. Kauerte dort in der Ecke ein Schatten? »Schwöre mir bei deinem Blute, dass der Name, den du erfahren hast, nie mehr über deine Lippen kommen wird.«
    »Ich schwöre es«, flüsterte die Kriegerin leise.
    Vorsichtig löste Emerelle ihren Griff. Scherben hatten sich in die

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