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Elfenlicht

Elfenlicht

Titel: Elfenlicht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernhard Hennen
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hier suchen. Noch heute Nacht wirst du nach Feylanviek reisen, wo sich das Heer sammelt, das den Trollen entgegentreten wird. Du wirst es befehligen.« Sie lächelte zynisch. »In gewisser Weise ist auch das ein Todesurteil. Deine Truppen sind hoffnungslos in der Unterzahl. Aber wenn du kommst, wird das gut für ihre Moral sein. Und die Trolle fürchten dich seit Phylangan, obwohl sie dort gesiegt haben. In Feylanviek, inmitten deines Heeres, wird es unmöglich sein, dich verhaften zu lassen. Es ist der einzige Ort, an dem du in Sicherheit bist. Zumindest vorübergehend.«
    »Und du würdest mich hinrichten lassen, obwohl du davon überzeugt bist, dass ich dich belüge, um damit Ganda zu schützen?«
    Emerelle sah ihn unendlich traurig an. »Begreifst du endlich, was du getan hast? Meine Herrschaft gründet auf Gerechtigkeit und Gesetz. Verurteile ich dich, vergieße ich unschuldiges Blut und lasse zu, dass eine Lüge siegt. Verurteile ich dich aber nicht – und bin mir sicher, du würdest bis zuletzt bei der Behauptung bleiben, dass du der Dieb warst -, dann wird es heißen, ich habe eine Lutin geopfert, um den Schwertmeister zu retten. Wenn die Albenkinder untereinander so lange in Frieden gelebt haben, dann liegt es auch an ihrem unerschütterlichen Glauben an meine Gerechtigkeit. Wird dieser Glaube erschüttert, sind alle Gesetze nichts mehr wert. Man muss daran glauben, dass sie unverrückbar sind und nicht nur ein bisschen Tinte auf Papier. Ich werde also gezwungen sein, dich Albenmark zu opfern, obwohl ich in meinem Innersten weiß, dass ich einen Unschuldigen unter das Schwert des Henkers schicke. Und das wird meinen Glauben erschüttern. Du kennst mich gut, Ollowain. Auch meine dunklen Seiten. Bei allem, was ich getan habe, ging es mir darum, die Völker der Albenkinder zu beschützen. Ich wollte immer, dass die Schwachen in Frieden leben können, geborgen hinter einem Schild aus Recht und Ordnung. Ich habe Kriege geführt, um uns vor der Willkür der Trolle zu schützen. Selbst jetzt tue ich das noch, obwohl alles verloren scheint.«
    Sie starrte in die Dunkelheit des Gartens. Eine Zeit lang schwiegen sie beide. Ollowain glaubte schon, sie wolle ihm durch ihr Schweigen bedeuten, dass es für ihn an der Zeit war zu gehen, da drehte sie sich überraschend um. Tränen standen ihr in den Augen, doch ihre Stimme war fest, als sie sprach. »Weißt du, was das Schreckliche daran ist zu herrschen? Ganz gleich, was ich auch tue, wenn ich am Ende meines Lebens zurückblicke, werde ich einen riesigen Berg Leichen hinter mir sehen. Opfer auf dem Altar der Gerechtigkeit. Und bringe ich diese Opfer nicht, dann wird der Leichenberg hinter mir nur noch größer! Ich bin die Herrscherin, ja, aber zugleich bin ich auch eine Gefangene. Die Hohepriesterin eines Gottes, der nach Blut schreit! Immer lauter! Und nun werde ich dein Blut für ihn vergießen müssen. Geh! Geh mir aus den Augen, Ollowain! Du ahnst nicht, was du mir angetan hast! Geh! Such Meister Alvias und sage ihm, er soll dir jemanden suchen, der dich über die Albenpfade nach Feylanviek führt. Noch heute Nacht.«
    »Aber...«
    Emerelle schnitt ihm mit einer harschen Bewegung das Wort ab. »Es gibt nichts mehr zu besprechen. Du hast deine Entscheidung getroffen. Geh nach Feylanviek und finde einen ehrenvollen Tod. Für dich führt kein Weg mehr hierher zurück. Wenn die Hüter des Wissens kommen und deinen Kopf fordern, werde ich das Todesurteil über dich sprechen. Du hast mir diese Worte in den Mund gelegt, Ollowain, und dafür verdamme ich dich! Wenn ich dieses Urteil nicht sprechen kann, dann habe ich es nicht länger verdient, Königin zu sein.« Die Schminke unter ihren Augen zerlief, und sie weinte schwarze Tränen. »Geh und wisse, du nimmst meine Seele mit dir. Dein geheimnisvoller Falrach-Spieler wollte uns beide aus dem Spiel nehmen, und du hast ihm nach Kräften geholfen, diesen Zug zu gewinnen.«

LETZTE WORTE

    »(...) Wer die Wahrheit sucht, der läuft in Gefahr zu finden, was er nie wahr haben wollte. In diesem Buch habe ich nur einen Teil der Schrecken niedergelegt, derer ich angesichtig wurde. Worte vermögen nicht auszudrücken, was uns diese Bilder meinem Herzen angetan haben. Ich war ein Mann der Tinte und der Gänsekiele. Ich war so vermessen zu glauben, es gebe nichts, worüber ich nicht schreiben könnte, und kein Geheimnis, das ich nicht zu ergründen vermöchte. Ich bin gescheitert. Doch anders, als ich erwartet hätte. Ich sah, was ich

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