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Elfenlicht

Elfenlicht

Titel: Elfenlicht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernhard Hennen
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mir eine Ehre, von dir gerettet worden zu sein, Schwertmeister. Du gestattest, dass ich mich vorstelle. Melvyn, Sohn der Silwyna und des Alfadas. Da ich in den Augen der meisten Fürsten so etwas wie ein Räuberhauptmann bin, machst du dich besser auf einigen Ärger gefasst, Onkel.«
    »Uns verbinden keine Blutsbande«, entgegnete der Schwertmeister schroff. Melvyn! So also sah er aus. Schon im Winter vor fünfzehn Jahren hatte er einiges über Silwynas Sohn gehört. Das Kind, das es eigentlich nicht geben durfte, denn Elfen und Menschen konnten miteinander keine Kinder zeugen. So hatte es jedenfalls immer geheißen.
    »Da du der beste Freund meines Vaters bist, betrachte ich dich trotzdem als Onkel. Der Teil meiner nicht pelztragenden Verwandtschaft ist so klein, dass ich auf solche Feinheiten keine Rücksicht nehmen kann. Ich ... Ach, Mist!«
    »Bitte?«
    »Vergiss es! Mein Vater hat sich mein ganzes Leben noch nicht bei mir blicken lassen. Für ihn gibt es mich nicht. Vergiss den Quatsch mit dem Onkel. Wenn du ein Freund bist, dann bring mir diesen Trick mit den Armbrustbolzen bei. Sah sehr eindrucksvoll aus. Und ich lasse mich nicht schnell beeindrucken.«
    Ollowain schüttelte sanft den Kopf. Er mochte den Jungen. Irgendwie erinnerte ihn Melvyn an Mandred. Das Blut des Fjordländers schien in Melvyn viel stärker zu sein als in Alfadas. Aber vielleicht lag das auch nur daran, dass Alfadas am Hofe Emerelles aufgewachsen war und Mandred in irgendeinem verräucherten Langhaus. So ein Langhaus kam einer Wolfshöhle sehr viel näher als dem Hof der Elfenkönigin. »Ich fürchte, ich muss dich enttäuschen, Melvyn. Dieser Trick, wie du es nennst, war der Tanz der Pfeile. Ich habe fast hundert Jahre gebraucht, um ihn zu meistern. Dabei bin ich siebenundzwanzigmal verletzt worden. Dreimal so schwer, dass ich nur überlebte, weil mir eine Heilerin mit der Kraft eines Albensteins zur Seite stand.« Ollowain scheute davor zurück, Emerelles Namen direkt auszusprechen. So vieles hatte die Königin für ihn getan. So oft hatte sie ihn gerettet! Und nun wollte sie seinen Tod. Er würde gehorchen, aber er verstand sie nicht.
    »Und wie lernt man diesen Tanz? Es gibt etliche feine Damen, die mich für einen recht begabten Tänzer halten. Sowohl in der Senkrechten als auch in der Waagerechten.«
    Ollowain erstickte ein leises Lachen mit einem Räuspern. »Zunächst musst du alle gegnerischen Schützen erfassen und alle plausiblen Flugbahnen für Pfeile oder Bolzen einschätzen. Du musst dir sämtliche Flugbahnen wie ein leuchtendes Netz vorstellen. Dann bewegst du dich durch die weitesten Maschen dieses Netzes und schlägst mit deinem Schwert einen Schutzschirm. Aber man darf sich nichts vormachen. Selbst die größten Meister im Pfeiltanz werden mit ihrem Schutzschirm höchstens acht von zehn Pfeilen ablenken können. Es wäre ein tödlicher Irrtum zu glauben, man sei unverwundbar.«
    Melvyn grinste breit. »Ich wette, Madrogs Meuchlerbande sieht das anders. Die werden noch in dieser Nacht überall herumerzählen, dass du unverwundbar bist.«
    Ollowain zuckte mit den Schultern. »Ich werde sie nicht daran hindern. Wie sagte Madrog auch? Ich kann mich schließlich nicht mit solchen Kleinigkeiten aufhalten.«
    Der junge Elf lachte. »Du bist anders, als sie erzählen, Schwertmeister.« Ollowain dachte an Lyndwyn. Sie hatte ihn verändert. Ihm einen Teil seines Panzers geraubt, hinter dem er allzu lange seine Gefühle versteckt hatte. Aber er sollte auf der Hut sein. Als Oberbefehlshaber konnte er sich zu viel Gefühlsduselei nicht leisten.
    Seine Aufgabe verlangte, dass er Männer in den Tod schickte, ohne dabei Gewissensbisse zu haben. So wurden Schlachten gewonnen. Und er war fest entschlossen zu siegen! »Hatte ich erwähnt, dass du unter Arrest stehst, Melvyn?«
    Der junge Elf grinste noch immer. Offenbar hielt er diese Worte für einen Scherz.
    »Du wirst mich jetzt ins Heerlager begleiten, und dort lasse ich dich in Eisen legen, bis ich die Muße habe, mich wieder um Kleinigkeiten zu kümmern.«
    »Natürlich.« Melvyn brach wieder in schallendes Gelächter aus. »Du hast wirklich Humor.«

SELKIES

    Sebastien liebte das Meer. Bruder Jules musste das gewusst haben. Warum sonst hätte er ausgerechnet ihm den Auftrag gegeben, die Albenkinder der See büßen zu lassen. Der frühere Abt spürte einen dunklen Gedanken. Die Bestie in ihm versuchte wieder die Herrschaft zu übernehmen. Sie ruhte nie. Doch die verbliebenen Brüder

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