Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung

Titel: Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
Vom Netzwerk:
Verbrauch der Wasserstofftanks des Antriebs zu überprüfen und den Bedarf des Landungsboots beim Wiederauftanken und Wiedereintritt in das System gegenzurechnen, um das alles dann noch mit dem Input des Bussard-Sauerstoffkollektors beim Bremsmanöver abzugleichen, hätte er ein besseres Bild davon bekommen, ob das Drehmanöver des Mutterschiffs und der Start des Landungsboots tatsächlich erfolgt waren. Wenn er eine Stunde Zeit gehabt hätte.
    »Dreißig Sekunden bis zum Übergang.«
    De Soya hat keine Zeit mehr, seine Krippencouch zu erreichen. Er hat aber Zeit, eine spezielle Befehlssequenz für Schiffsoperationen aufzurufen, seinen Befugniskode einzugeben, ihn zu bestätigen, die Monitorparameter zu verändern und das zweimal zu wiederholen. Er hat gerade die Bestätigung bei der dritten Kodeeingabe gehört, als der Quantensprung zu Erzengel-C-plus erfolgt.
    Der Übergang zerreißt de Soya buchstäblich im Behältnis seines Kommandosessels. Er stirbt mit einem verbissenen Grinsen auf den Lippen.

50

    »Raul!«
    Es war mindestens eine Stunde vor dem Sonnenaufgang auf Qom-Riyadh. A. Bettik und ich saßen beide auf Stühlen in dem Zimmer, wo Aenea schlief. Ich hatte gedöst. A. Bettik war wach – er schien immer wach zu sein –, aber ich war trotzdem als Erster am Bett des Mädchens. Die Beleuchtung der Biomonitoranzeigen bildete die einzige Lichtquelle.
    Draußen heulte seit Stunden ein Sandsturm.
    »Raul...« Die Anzeigen verrieten, dass das Fieber gesunken und die Schmerzen weg waren; nur das unregelmäßige EEG war geblieben.
    »Ich bin hier, Spatz.« Ich nahm ihre Hand in meine. Ihre Finger fühlten sich nicht mehr fiebrig an.
    »Du hast das Shrike gesehen?«
    Das überraschte mich, aber mir wurde nach einem Augenblick klar, dass hier weder Hellseherei noch Telepathie im Spiel sein musste. Ich hatte A.
    Bettik über Funk informiert. Er musste den Lautsprecher der Kom-Einheit eingeschaltet gehabt haben, und Aenea war wach genug gewesen, dass sie es registriert hatte.
    »Ja«, sagte ich, »aber es ist alles in Ordnung. Es ist nicht hier.«
    »Aber du hast es gesehen.«
    »Ja.«
    Sie umklammerte meine Hand mit beiden Händen und richtete sich im Bett auf. Ich konnte ihre dunklen Augen in dem schwachen Licht glänzen sehen. »Wo, Raul? Wo hast du es gesehen?«
    »Auf dem Floß.« Ich drückte sie mit der freien Hand wieder auf das Kissen zurück. Der Kissenbezug und ihr Unterhemd waren schweißnaß.
    »Es ist in Ordnung, Spatz. Es hat nichts getan. Es war noch da, als ich gegangen bin.«
    »Hat es den Kopf gedreht, Raul? Hat es dich angesehen?«
    »Nun, ja, aber...« Ich verstummte. Sie stöhnte leise und warf den Kopf auf dem Kissen hin und her. »Spatz... Aenea... es ist in Ordnung...«
    »Nein, ist es nicht«, sagte das Mädchen. »Ah, Gott, Raul. Ich habe ihn gebeten, mit mir zu kommen. In jener letzten Nacht. Hast du gewusst, dass ich ihn gebeten habe mitzukommen? Er hat nein gesagt –«
    »Wer hat nein gesagt?«, fragte ich. »Das Shrike?« A. Bettik tauchte hinter mir auf. Draußen prasselte der rote Sand gegen die Fenster und die Schiebetür.
    »Nein, nein, nein«, sagte Aenea. Ihre Wangen waren feucht, aber ich wusste nicht, ob von Tränen oder weil das Fieber nachließ. »Pater Glaucus«, sagte sie mit einer Stimme, die man im Lärm des Windes kaum hören konnte. »In jener letzten Nacht... habe ich Pater Glaucus gebeten, mit uns zu kommen. Ich hätte ihn nicht fragen sollen, Raul... es war nicht in meinen Träumen... aber ich habe gefragt, und wo ich schon gefragt habe, hätte ich darauf bestehen müssen...«
    »Schon gut«, sagte ich und strich ihr eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn. »Pater Glaucus geht es gut.«
    »Nein, es geht ihm nicht gut«, sagte das Mädchen und stöhnte leise. »Er ist tot. Das Ding, das uns verfolgt, hat ihn getötet. Ihn und alle Chitchatuk.«
    Ich betrachtete wieder die Monitorkonsole. Trotz ihrer wirren Worte zeigte er an, dass das Fieber sank. Ich sah zu A. Bettik, aber der Androide betrachtete das Kind gebannt.
    »Du meinst, das Shrike hat sie getötet?«, sagte ich.
    »Nein, nicht das Shrike«, sagte sie leise und presste das Handgelenk gegen die Lippen. »Jedenfalls glaube ich das nicht. Nein, es war nicht das Shrike.« Plötzlich nahm sie meine Hand zwischen ihre beiden. »Raul, liebst du mich?«
    Einen Moment konnte ich sie nur anstarren. Dann sagte ich, ohne meine Hand wegzuziehen: »Klar, Spatz. Ich meine...«
    Da schien Aenea mich zum ersten Mal richtig

Weitere Kostenlose Bücher