Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung
ist ein leuchtender Wulst in all dem rosafarbenen rohen Fleisch.
De Soya schließt die Augen und zieht Unterwäsche und Soutane an. Der Baumwollstoff tut ihm auf dem rohen Fleisch weh, aber er beachtet die Schmerzen nicht. Der Kaffee ist wie programmiert aufgebrüht worden. Er nimmt die Kugel vom Kartentisch und stößt sich in den Gemeinschaftsraum ab.
Corporal Kees Krippe leuchtet in den letzten Sekunden der Auferstehung grün. An der Krippe von Gregorius blinken Warnlichter. De Soya flucht leise und zieht sich zum Monitor des Sergeanten hinab. Der Auferstehungszyklus ist abgebrochen worden. Die übereilte Wiederbelebung war nicht erfolgreich.
»Gottverdammt«, flüstert de Soya und spricht dann ein Gebet, weil er den Namen des Herrn gelästert hat. Er hätte Gregorius gebraucht.
Kees Auferstehung ist jedoch erfolgreich, auch wenn der Corporal verwirrt ist und Schmerzen hat. De Soya hebt ihn heraus, stößt sich in den Umkleideraum ab, wo er die brennende Haut des anderen Mannes mit einem feuchten Schwamm abtupft und ihm Orangensaft zu trinken anbietet.
Nach wenigen Minuten ist Kee aufnahmefähig.
»Etwas stimmt nicht«, erklärt de Soya. »Ich musste das Risiko eingehen, um herauszufinden, was Corporal Nemes im Schilde führt.«
Kee nickt zum Zeichen, dass er begreift. Obwohl er angezogen und die Temperatur in der Kabine hoch ist, zittert der Corporal heftig.
De Soya übernimmt die Führung zurück zum Kommandokern. An der Krippe von Sergeant Gregorius leuchten ausschließlich bernsteinfarbene Lichter, da der Zyklus den großen Mann erneut dem Tod überantwortet hat.
An Corporal Nemes’ Krippe leuchten die grünen Lichter der normalen dreitägigen Auferstehung. Die Monitorskalen zeigen an, dass sie sich leblos im Inneren befindet und die geheimen sakralen Prozeduren der Auferstehung empfängt. De Soya gibt den Öffnungskode ein.
Warnlichter blinken. »Das Öffnen der Krippe ist während des Auferstehungszyklus nicht gestattet«, sagt die emotionslose Stimme der Raphael. »Jeder Versuch, die Krippe jetzt zu öffnen, könnte zum wahren Tod führen.«
De Soya beachtet die Lichter und Summtöne nicht und zerrt an dem Deckel. Er bleibt verschlossen. »Geben Sie mir die Brechstange«, sagt er zu Kee.
Der Corporal wirft die Eisenstange durch den schwerelosen Raum. De Soya findet eine Lücke, um die Stange anzusetzen, spricht ein stummes Gebet, dass er sich nicht irrt oder paranoid ist, und bricht den Deckel auf.
Alarmglocken ertönen im ganzen Schiff.
Die Krippe ist leer.
»Wo ist Corporal Nemes?«, fragt de Soya das Schiff.
»Alle Instrumente und Sensoren zeigen an, dass sie in der Krippe liegt«, antwortet der Schiffscomputer.
»Prima«, sagt de Soya und wirft die Stange von sich. Sie trudelt in der Schwerelosigkeit in Zeitlupe in eine Ecke. »Kommen Sie«, sagt er zu dem Corporal, worauf die beiden sich wieder zur Umkleidekabine abstoßen. Die Duschkabine ist leer. Im Gemeinschaftsraum gibt es kein Versteck. De Soya stößt sich zu seinem Kommandosessel ab, während Kee zur Verbindungsröhre schwebt.
Die Anzeigen melden einen geosynchronen Orbit in einer Höhe von dreißigtausend Kilometern. De Soya schaut zum Fenster hinaus und sieht eine Welt wirbelnder Wolkenbänke, abgesehen von einem breiten Band am Äquator, wo Narben ein grünes und braunes Gelände überziehen. Die Instrumente zeigen an, dass das Landungsboot angedockt und stillgelegt ist.
Eine mündliche Anfrage veranlasst das Schiff zu der Antwort, dass sich das Boot befindet, wo es sein sollte, und die Luftschleuse seit dem Übergang nicht geöffnet wurde. »Corporal Kee?«, sagt de Soya über Interkom. Er muss sich konzentrieren, damit er nicht mit den Zähnen klappert. Die Schmerzen sind durchaus real; es ist, als stünde seine Haut in Flammen. Er verspürt den überwältigenden Drang, die Augen zu schließen und zu schlafen. »Bericht«, befiehlt de Soya.
»Das Landungsboot ist fort, Captain«, sagt Kee vom Verbindungstunnel.
»Alle Anzeigenlichter sind grün, aber wenn ich die Schleusentür aufmachen würde, würde ich Vakuum atmen. Ich kann durch das Bullauge sehen, dass das Landungsboot fort ist.«
»Merde«, flüstert de Soya. »In Ordnung, kommen Sie wieder her.« Er studiert die anderen Instrumente. Die verräterische Doppelzündung der Schubdüsen findet sich in den Antriebsaufzeichnungen... vor etwa drei Stunden. De Soya ruft die Karte der Äquatorialregion von God’s Grove auf und programmiert eine Teleskop- und
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