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Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung

Titel: Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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Wenn wir Stromschnellen sehen, begeben wir uns ans nächstgelegene Ufer.«
    »Das könnte mehr eine Klippe als ein Ufer sein«, sagte ich. »Die Lava sieht böse aus.«
    Aenea zuckte die Achseln. »Dann klettern wir und laufen.«
    Ich muss gestehen, dass ich das Kind an jenem Abend bewunderte. Ich wusste, sie war müde, krank, von Emotionen überwältigt, die ich nicht begreifen konnte, und hatte Todesangst. Aber ich habe nie erlebt, dass sie bereit gewesen wäre, einfach aufzugeben.
    »Nun«, sagte ich, »wenigstens ist das Shrike fort. Das ist ein gutes Zeichen.«
    Aenea sah mich nur an. Aber sie versuchte zu lächeln. Die Reparaturen erforderten nur zwanzig Minuten. Wir zogen die Seile fest, verschoben einige der mittleren Querstreben nach vorn und legten das Mikrozelt als eine Art Läufer auf den Boden, damit unsere Füße trocken blieben.
    »Wenn wir im Dunkeln reisen müssen«, sagte Aenea, »sollten wir den Laternenmast wieder aufstellen.«
    »Ja«, sagte ich. Ich hatte zu genau diesem Zweck eine lange Stange aufgehoben, die ich nun in ihre Öffnung steckte und an der Verbindungsstelle festmachte. Mit dem Messer schnitzte ich eine Vertiefung für den Griff der Laterne. »Soll ich sie anzünden?«, fragte ich.
    »Noch nicht«, sagte Aenea, die zur untergehenden Sonne hinter uns sah.
    »Okay«, sagte ich, »wenn wir durch irgendwelche Stromschnellen müssen, sollten wir die ganze Ausrüstung in den Rucksäcken lassen und die wertvollsten Stücke in den wasserdichten Schulterbeuteln verstauen.« Wir machten uns daran, genau das zu tun. In meine Tragetasche stopfte ich ein Hemd zum Wechseln, ein Seil, das zusammengeklappte Plasmagewehr, eine Handlampe und den Taschenlaser. Ich wollte das nutzlose Komlog in meinen normalen Rucksack werfen, dachte dann aber: Es ist nutzlos, aber es wiegt nicht viel, und legte es mir stattdessen ums Handgelenk. In der Klinik auf Qom-Riyadh hatten wir Komlog, Laser und die Batterien der Handlampe voll aufgeladen.
    »Alles klar?«, fragte ich und war bereit, uns wieder in die Strömung zu stoßen. Mit neuem Boden und Mast, den gefüllten und festgezurrten Rucksäcken und der Laterne am Bug, die nur darauf wartete, angezündet zu werden, sah das Floß zumindest besser aus.
    »Bereit«, sagte Aenea.
    A. Bettik nickte und stützte sich auf die Stange. Wir glitten auf den Fluss hinaus.
    Die Strömung war schnell – mindestens zwanzig bis fünfundzwanzig Klicks pro Stunde –, und die Sonne stand immer noch über dem Horizont, als wir das Gebiet der schwarzen Lava erreichten. Auf beiden Seiten wurden die Flussufer zu Klippen, wir schwankten durch einige Wildwasserstellen, die wir aber jedes Mal unbeschadet und trocken hinter uns ließen, und ich suchte die Ufer nach einer Stelle zum Anlegen ab, falls wir das Rauschen eines Wasserfalls oder starker Stromschnellen vor uns hören sollten. Es gab solche Stellen – Rinnen und flache Uferstreifen –, aber vor uns wurde das Land zunehmend unzugänglicher. Mir fiel auf, dass das Unterholz – Immerblau und verkrüppelte Mammutbäume – in den Klüften dichter wuchs und die Sonne die höchsten Zweige mit strahlendem Licht übergoss. Ich überlegte, ob ich unser Mittagessen... Abendessen... was auch immer aus den Rucksäcken holen und warm machen sollte, als A. Bettik rief: »Stromschnellen voraus.«
    Ich stützte mich auf das Steuerruder und sah mich um. Felsen im Fluss, Wildwasser, etwas Gischt. Meine Jahre als Barkenschiffer auf dem Kans halfen mir, diesen Abschnitt der Stromschnellen besser einzuschätzen.
    »Schon gut«, sagte ich. »Stellt euch breitbeinig hin und rückt ein bisschen in die Mitte, wenn es zu wild wird. Drückt fest, wenn ich es sage. Der Trick besteht darin, den Bug in der Richtung zu halten, in die wir wollen, aber wir können es schaffen. Wenn ihr über Bord geht, schwimmt dem Floß hinterher. Ich habe eine Leine bereitgelegt.« Ich stand mit einem Stiefel auf dem zusammengerollten Seil.
    Die schwarzen Lavaklippen und Felsen vor uns auf der rechten Seite des Flusses gefielen mir gar nicht, aber nach diesem Abschnitt ungestümen Wassers schien der Fluss wieder breiter und ruhiger zu sein. Wenn uns nichts Schlimmeres bevorstand, konnten wir wahrscheinlich auch bei Nacht weiterfahren und mit der Laterne und dem Taschenlaser leuchten.
    Wir konzentrierten uns alle drei darauf, das Floß in die richtige Position für die Stromschnellen zu bringen und mehreren Felsen auszuweichen, die aus dem schäumenden Wasser ragten, als es

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