Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung
Gideon-Antrieb waren, waren die Neuigkeiten für gewöhnlich nur wenige Tage alt.
Einem der faszinierendsten Gerüchte zufolge, die Aenea vor ihrer Ankunft auf T’ien Shan gehört hatte, sollte es auf mindestens einem dieser Schiffe der Erzengel-Klasse zu einer Meuterei gekommen sein; es war in den Raum der Ousters geflohen und unternahm nun Vorstöße in den Pax-Raum, um Konvois von Schiffen des Pax Merkantilus anzugreifen, wobei die bemannten Frachter lediglich außer Gefecht gesetzt und nicht zerstört wurden – und Task Forces der Pax-Flotte zu stören, wenn sie sich darauf vorbereiteten, jenseits der Großen Mauer Ousters anzugreifen. Während Aeneas und A. Bettiks letzten Wochen auf Renaissance Vector waren Gerüchte laut geworden, wonach die Flottenstützpunkte dort gefährdet waren. Andere Gerüchte wollten wissen, dass große Teile der Flotte inzwischen ins Pacem-System beordert worden waren, um den Vatikan zu verteidigen. Was immer an den Geschichten über das abtrünnige Schiff Raphael dran sein mochte, es war unbestreitbar, dass der Kreuzzug Seiner Heiligkeit gegen die Ousters durch die unerwarteten Angriffe um Jahre zurückgeworfen worden war.
Aber das alles scheint nicht wichtig zu sein, als ich neben Aenea stehe und auf ihre Reaktion auf die Ankunft des Pax auf T’ien Shan warte. Was machen wir jetzt, frage ich mich, zur nächsten Welt farcasten?
Anstatt über eine Flucht zu reden, sagt Aenea: »Der Dalai Lama wird eine offizielle Zeremonie abhalten, um die Offiziere des Pax willkommen zu heißen.«
»Und?«, entgegne ich nach einem Augenblick.
»Und wir müssen sicherstellen, dass wir eine Einladung bekommen«, sagt sie.
Ich bezweifle, ob mein Unterkiefer tatsächlich herunterklappt, aber es kommt mir so vor.
Aenea berührt mich an der Schulter. »Ich kümmere mich darum«, sagt sie. »Ich rede mit Charles Chi-kyap Kempo und Kempo Ngha Wang Tashi und sorge dafür, dass wir zu der Gruppe gehören, die zu der Feier eingeladen wird.«
Ich bin buchstäblich sprachlos, als sie zu ihrer Diskussionsrunde und der stummen Menge zurückkehrt, deren Gesichter im sanften Licht der Lampions erwartungsvoll und gelassen wirken.
Ich lese diese Worte auf Mikropergament und erinnere mich, wie ich sie in meinen letzten Tagen in der Schrödinger-Katzenkiste im Orbit um Armaghast geschrieben habe, wie ich sie in der Hast der Gewissheit geschrieben habe, dass die Gesetze der Wahrscheinlichkeit und der Quantenmechanik schon bald Cyanidgas in mein hermetisches Universum einströmen lassen würden, und ich staune, dass die Erzählung im Präsens geschrieben ist. Dann erinnere ich mich an den Grund für diese Entscheidung.
Als ich zum Tod in der Schrödinger-Katzenkiste verurteilt wurde – die eigentlich eiförmig ist –, gestattete man mir, sehr wenige meiner eigenen Habseligkeiten in mein letztes Exil mitzunehmen. Meine Kleidungsstücke waren meine eigenen. Aus einer Laune heraus hatten sie mir einen kleinen Teppich für den Boden meiner Schrödinger-Zelle gegeben – es war ein uralter Teppich, etwas weniger als zwei Meter lang und einen Meter breit, zerschlissen, mit einer kleinen Fehlstelle an einem Ende. Es war eine Nachbildung der Hawking-Matte des Konsuls. Die echte Matte hatte ich viele Jahre zuvor auf Mare Infinitus verloren, und die Einzelheiten, wie ich sie wiederbekommen habe, liegen in meiner Schilderung der Ereignisse noch vor mir. Die richtige Hawking-Matte hatte ich A. Bettik gegeben, aber es muss meine Peiniger amüsiert haben, meine Zelle mit dieser nutzlosen Kopie eines fliegenden Teppichs auszustatten.
Sie hatten mir also meine Kleidung, die falsche Hawking-Matte und das handtellergroße Diskey-Tagebuch gegeben, das ich auf T’ien Shan aus dem Schiff mitgenommen hatte. Die Kom-Einheit des Tagebuchs war funktionsuntüchtig gemacht worden – nicht, dass sie durch die Energiehülle der Schrödinger-Katzenkiste senden könnte oder mich jemand hätte anfunken können –, aber der Gedächtnisspeicher des Tagebuchs war, nachdem sie ihn während meiner Verhandlung vor der Inquisition gründlich ausgewertet hatten, unversehrt gelassen worden. Auf T’ien Shan hatte ich damit angefangen, Notizen und tägliche Tagebucheinträge zu machen.
Diese Notizen hatte ich in der Schrödinger-Katzenkiste auf dem Bildschirm des Textschiefers aufgerufen und durchgelesen, bevor ich diesen persönlichsten Abschnitt niederschrieb, und ich glaube, die Unmittelbarkeit dieser Notizen hat mich veranlasst, als
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