Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung
Gruppe der Hochgerüstbauer und Steinmetze befördert worden, die auf den höchsten Plattformen arbeiteten. Aeneas Entwurf sah vor, dass die höchsten Gebäude bis zu dem großen Felsüberhang emporwuchsen und zahlreiche Laufwege und Brüstungen in den Stein selbst eingearbeitet wurden. Daran arbeiteten wir gerade, meißelten Stein und mauerten Ziegel für den Laufweg am Rand des Nichts, wo unsere Gerüste gefährlich weit über den Abgrund hinausragten. In den vergangenen drei Monaten ist mein Körper schlanker und kräftiger geworden, meine Reaktionszeit schneller und mein Urteilsvermögen sicherer, wenn ich auf lotrechten Felswänden und glattem Bonsaibambus arbeite.
Lhomo Dondrub, der geübte Flieger und Kletterer, hat sich freiwillig gemeldet, um frei kletternd zum Ende des Überhangs vorzudringen und Verankerungen für die letzten Meter des Gerüsts anzubringen, und im Verlauf der vergangenen Stunde haben Viki Groselj, Kim Byung-Soon, Haruyuki Otaki, Kenshiro Endo, Changchi Kenchung, Labsang Samten und ein paar der anderen Maurer, Steinmetze, Hochtakler und ich zugesehen, wie sich Lhomo ungesichert auf dem Fels über dem Überhang bewegt wie die sprichwörtliche Fliege der Alten Erde, wobei sich seine kräftigen Arme und Beine unter dem dünnen Stoff seiner Bergsteigerkleidung anspannen und er an drei Punkten ständig Kontakt mit der mehr als lotrechten Felswand hat, während er mit der freien Hand oder dem freien Fuß nach der kleinsten rauen Stelle sucht, auf der er ausruhen kann, der schmalsten Ritze oder Öffnung, in die er einen Bolzen für unsere Verankerung treiben kann. Es ist schrecklich, ihm zuzusehen, aber auch ein Privileg – als könnten wir mit einer Zeitmaschine zurückreisen und Picasso zusehen, wie er malt; George Wu, wie er Gedichte vorträgt; oder Meina Gladstone, wie sie eine Rede hält. Ein Dutzend Mal bin ich überzeugt, dass Lhomo abrutschen und fallen wird – er würde Minuten brauchen, bis er im freien Fall die giftigen Wolken tief unten erreichen würde –, aber jedes Mal kann er sich wie durch Zauberei halten oder findet eine Reibungsfläche oder ertastet wie durch ein Wunder einen Spalt, in den er eine Hand oder einen Finger bohren kann, um seinem ganzen Körper Halt zu geben.
Schließlich ist er fertig, die Seile sind verankert und hängen herab, die Kabelpunkte sind gesichert, und Lhomo rutscht zu seinem vorherigen Ausgangspunkt zurück, überwindet fünf Meter horizontal, lässt sich in die Schlaufen der Überhangausrüstung fallen und schwingt sich auf unsere Arbeitsplattform wie ein legendärer Superheld, der zur Landung ansetzt.
Labsang Samten gibt ihm einen eiskalten Krug Reisbier. Kenshiro und Viki klopfen ihm auf den Rücken. Changchi Kenchung, unser leitender Zimmermann mit dem gewichsten Schnurrbart, stimmt ein zotiges Loblied an. Ich schüttle den Kopf und grinse wie ein Idiot. Der Tag ist atemberaubend. Eine Kuppel blauen Himmels, der Heilige Berg des Nordens – Heng Shan – funkelt hell durch die Wolkendecke, der Wind ist milde. Aenea hat mir gesagt, dass binnen weniger Tage die Regenzeit über uns kommen wird – ein Monsun aus dem Süden, der monatelange Regenfälle, rutschige Felsen und schließlich Schnee mit sich bringt –, aber an einem perfekten Tag wie diesem scheint das unwahrscheinlich und fern zu sein.
Ich spüre eine Berührung am Ellbogen, und Aenea ist da. Sie war fast den ganzen Vormittag draußen auf dem Gerüst oder hing in ihrem Harnisch an der bearbeiteten Felswand, wo sie die Arbeiten mit Felsgestein und Backsteinen am Laufweg und den Balustraden überwachte.
Ich grinse immer noch nach dem indirekten Adrenalinstoß, Lhomo zuzusehen. »Die Kabel können gespannt werden«, sage ich. »Noch drei oder vier gute Tage, und das Holz des Laufwegs wird hier befestigt sein. Dann kommt deine letzte Plattform dort« – ich zeige auf die äußerste Kante des Überhangs –, »und voilà! Dein Projekt ist fertig, bis aufs Streichen und Polieren, Spatz.«
Aenea nickt, aber es ist deutlich, dass sie in Gedanken nicht bei der Feier für Lhomo oder der unmittelbar bevorstehenden Fertigstellung ihrer Arbeit ist. »Kannst du einen Moment mit mir spazieren gehen, Raul?«
Ich folge ihr die Gerüstleiter hinunter auf die permanenten Ebenen und weiter auf einen Steinsims. Kleine grüne Vögel fliegen aus einem Felsspalt in die Höhe, als wir vorübergehen.
Aus diesem Blickwinkel ist der Tempel, der in der Luft hängt, ein Kunstwerk. Das bemalte Holz glänzt
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