Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung
eine Erinnerung an all diese zukünftigen Male gehabt.
Als wir im Mondschein nebeneinander lagen, Decke und Laken des Futons zusammengeknüllt und weggestrampelt, als der kühle Wind aus dem Norden den Schweiß auf unseren Körpern trocknete und sie die Wange auf meiner Brust und ich meinen Oberschenkel auf ihrer Hüfte liegen hatte, berührten wir einander immerzu weiter – ihre Finger spielten mit dem Haar auf meiner Brust, meine Finger zeichneten die Konturen ihrer Wangen nach, meine Fußsohle glitt an der Rückseite ihres Beins auf und ab und krümmte sich um ihre kräftigen Wadenmuskeln.
»War das ein Fehler?«, flüsterte ich.
»Nein«, flüsterte sie zurück. »Es sei denn...«
Mein Herz klopfte. »Es sei denn, was?«
»Es sei denn, du hast diese Spritzen nicht in der Heimatgarde bekommen, obwohl ich sicher bin, dass du sie bekommen hast«, flüsterte sie. Ich war so nervös, dass ich den spöttischen Tonfall in ihrer Stimme nicht hörte.
»Was? Spritzen? Was?«, fragte ich und rollte mich auf den Ellbogen.
»Oh... Spritzen... Scheiße. Du weißt, dass ich sie bekommen habe.
Himmel.«
»Ich weiß, dass du sie bekommen hast«, flüsterte Aenea, und jetzt konnte ich ihr Lächeln hören.
Als wir Jungs von Hyperion in die Heimatgarde eingetreten waren, hatten die Behörden uns die übliche Flöte der vom Pax gebilligten Injektionen gegeben – Antimalaria, Antikrebs, Antivirus und Geburtenkontrolle. In einem Pax-Universum, in dem sich die große Mehrheit für die Kruziform entschied, sich für den Versuch entschied, unsterblich zu sein, war Geburtenkontrolle ein Muss. Nach der Heirat konnte man sich das Gegenmittel von den Pax-Behörden geben lassen oder es einfach auf dem Schwarzmarkt kaufen, wenn es Zeit wurde, eine Familie zu gründen. Und wenn man sich weder für den Weg des Kreuzes noch für eine Familie entschied, hielt die Wirkung an, bis Alter oder Tod das Thema von selbst erledigten. Ich glaube mich zu erinnern, dass A. Bettik mich vor einem Jahrzehnt im Schiff des Konsuls, als wir uns über Präventivmedizin unterhielten, nach diesen Spritzen gefragt und ich die Prophylaxen der Heimatgarde erwähnt hatte, während unsere elf- oder zwölfjährige Freundin auf der Ebene der Holonische auf einer Couch lag, ein Buch aus der Schiffsbibliothek las und anscheinend überhaupt nicht zuhörte...
»Nein«, sagte ich noch auf dem Ellbogen, »ich meine, ein Fehler. Du bist...«
»Ich«, flüsterte sie.
»Einundzwanzig Standardjahre alt«, sprach ich zu Ende.
»Ich bin...«
»Du«, flüsterte sie.
»... elf Standardjahre älter.«
»Unglaublich«, sagte Aenea. Ihr ganzes Gesicht war im Mondlicht, als sie zu mir aufschaute. »Du kannst rechnen. In so einem Augenblick.«
Ich seufzte und drehte mich auf den Bauch. Das Laken roch nach uns.
Der Wind schwoll immer noch an, inzwischen klapperte er mit den Wänden.
»Mir ist kalt«, flüsterte Aenea.
In den kommenden Tagen und Monaten würde ich sie in die Arme nehmen, wenn sie so etwas sagte, aber in dieser Nacht nahm ich sie beim Wort und stand auf, um die Shoji-Tür zu schließen. Der Wind war kälter als gewöhnlich.
»Nein«, sagte sie.
»Was?«
»Mach sie nicht ganz zu.« Sie hatte sich aufgerichtet und das Laken bis knapp unter ihre Brüste gezogen.
»Aber es ist...«
»Das Mondlicht auf dir«, flüsterte Aenea.
Ihre Stimme könnte die Reaktion meines Körpers ausgelöst haben. Oder ihr Anblick, wie sie unter der Decke auf mich wartete. Abgesehen von unserem eigenen Geruch roch das Zimmer wegen der neuen Tatami und dem ryokan in der Decke nach nassem Stroh. Und der frischen, kühlen Luft der Berge. Aber der kalte Wind beeinträchtigte meine Reaktion auf sie nicht.
»Komm her«, flüsterte sie und hielt die Decke wie einen Mantel auf, um mich zu umfangen.
Am nächsten Morgen arbeite ich daran, den Laufweg am Überhang zu verankern und komme mir vor, als würde ich schlafwandeln. Ein Teil des Problems ist Schlafmangel – das Orakel war untergegangen, und im Osten graute schon der Morgen, als Aenea in ihren eigenen Pavillon zu-rückgeschlichen war –, aber der Hauptgrund ist schiere, simple Verblüffung. Das Leben hat eine Wendung genommen, die ich nie erwartet, mir nie vorgestellt hatte.
Ich setze Stützen für den Hochweg in die Felswand ein, während die Hochgerüstbauer Haruyuki, Kenshiro und Voytek Majer sich vor mir bewegen und Löcher in den Stein bohren und Kim Byung-Soon und Viki Groselj hinter und unter uns Ziegelsteine verlegen
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