Error
Richard nach längerem Schweigen, »ich will dich nicht von deinem Trainingsplan abhalten.«
»Schon okay, mein Arzt meint sowieso, dass ich etwas kürzer treten soll.«
»Eigentlich bin ich auf dem Weg zur Familie, aber ich fand es nur recht und billig vorbeizuschauen und dich ein bisschen über mein Gespräch mit dem Don zu informieren.«
»Ich weiß das zu schätzen«, sagte Devin, dann schärfte sich sein Blick wieder. »Ja, ich hab gehört, du hättest irgendein Problem mit deiner Nichte gehabt?«
»Das hab ich immer noch.«
»Sie ist noch nicht wiederaufgetaucht?«
Richard hatte vage Bedenken, was diese Formulierung anging, da sie zu implizieren schien, dass Zula in der Sache eine Wahl hatte. Er fragte sich, wie viele Leute noch dachten, dass Zula einfach beschlossen hatte, durchzubrennen und ihrer Familie aus Jux und Tollerei Höllenqualen zu bereiten.
»In was für Schwierigkeiten sie auch immer steckt«, sagte Richard, »sie scheinen noch nicht beseitigt zu sein.«
»Tja. Lass mich wissen, wenn ich irgendwas tun kann«, bot Devin an.
Richard fiel keine höfliche Art ein, wie er Du bist praktisch schon dabei sagen konnte, also nickte er einfach.
Nachdem sie den Suburban losgeworden waren, fuhren sie drei Stunden lang. Zula nahm an, dass sie Kurs auf die Hügel nehmen würden, stattdessen aber steuerten sie eine Ortschaft an, deren Straßen im standardmäßigen nordamerikanischen Stil mit Straßenlaternen, Gemischtwarenläden und Ampeln ausgestattet waren. Nachdem sie etwa fünfzehn Minuten lang in dieser Art von Umgebung herumgefahren waren, ließ Jones das riesige Fahrzeug mit einer Drehung des Lenkrads auf einen riesigen Parkplatz rollen. Ein neonerleuchtetes Walmartlogo flitzte über die Windschutzscheibe. Jones fuhr den Wagen auf einen Stellplatz oder besser gesagt mehrere nebeneinanderliegende Stellplätze und schaltete den Motor aus. Nach einem letzten suchenden Blick über den Parkplatz griff er nach oben und zog einen Vorhang vor die gesamte, zwei Meter fünfzig breite Fläche der Windschutzscheibe, was ihm und seinen Mitverschwörern eine gewisse Ungestörtheit verschaffte.
Früher am Abend hatten Ershut und Abdul-Wahaab den Auftrag bekommen, Zula an der Haltestange der Duschkabine anzuketten. Wie so viele Routinearbeiten, die das tägliche Leben dieser fahrenden Schar von Terroristen ausmachten, hatte auch diese einen gewaltigen Wortwechsel hervorgerufen, der sich für einen Bewohner Iowas nach lautstarker Auseinandersetzung anhörte. Zu neunzig Prozent hatte der Streit sich auf das geheimnisvolle Vorhängeschloss konzentriert, das sie am letzten Glied der Kette gefunden hatten. Keiner schien zu wissen, wo es hergekommen war. Das lag natürlich daran, dass Zula es in ihrer Abwesenheit dort angebracht hatte. Aber wie sie gehofft hatte, kapierten sie das einfach nicht. Jones, dem die schiere Lautstärke der Diskussion irgendwann auf die Nerven gegangen war, hatte einen Blick darauf geworfen und es als das Schloss identifiziert, das zum Werkzeugkasten des gestohlenen Pickups gehörte. Er hatte in der Außentasche eines Rucksacks gewühlt, den zum Pickup gehörenden Schlüsselring gefunden und ihn Ershut zugeworfen, dem es nach einigen Minuten Ausprobierens (denn an dem Bund hingen viele Schlüssel) gelungen war, das neue Schloss zu öffnen. Er hatte es dann dazu benutzt, das Ende der Kette an der Haltestange der Duschkabine zu fixieren, und den Schlüssel eingesteckt – von dem er selbstverständlich annahm, dass es sich um den einzigen handelte. Die nächste und letzte Phase der Operation hatte darin bestanden, die Länge der Kette um Zulas Knöchel so einzustellen, dass Zula genug Spielraum hatte, um auf die Toilette gehen, sich in den Schlafraum zurückziehen und auf dem Boden zusammenrollen, nicht aber, sich aufs Bett legen zu können, denn das hätte sie in Reichweite der Fenster gebracht. Dafür benutzten sie das Schloss, für das Zula keinen Zweitschlüssel hatte.
Als offensichtlich geworden war, dass man sie lange Zeit in dieser Situation zu halten gedachte, hatte sie Decken und Kissen vom Bett gezerrt und sich ein kleines Lager auf dem Boden gebaut, in dem sie während der Fahrt gedöst hatte. Im Wohnmobil konnten, wenn man sämtliche Sitze und Bänke ausklappte, mindestens sechs Personen schlafen, und außer Jones hatten sämtliche Dschihadisten Liegeplätze gefunden, wo sie vor sich hin sägten und sich von einem langen Tag kaltblütigen Mordens und ziellosen Herumfahrens
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