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Titel: Error Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: N Stephenson
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waren. Darüber stand in Blockschrift HABEN SIE DIESE FRAU GESEHEN ? und eine Telefonnummer mit der Vorwahl 712: West-Iowa.
    Der bloße Anblick aus knapp zehn Metern Entfernung rief ein Chaos von Emotionen hervor. Freude und Stolz, weil ihre Familie sich der Sache annahm. Extreme Traurigkeit darüber, dass es überhaupt passiert war. Zorn, weil dieser Mann jetzt versuchte, ihren emotionalen Zustand damit zu manipulieren. Beschämung, weil es ihm bis zu einem gewissen Grad gelang.
    »Wie heißen Sie?«, fragte sie.
    »Sie können mich mit Zakir anreden«, sagte er.
    Verglichen mit allen anderen Dschihadisten, die Zula in letzter Zeit kennen gelernt hatte, war der Mann, der bereit war, sich mit Zakir anreden zu lassen, beleibt und teigig. In seinem Berufsleben wahrscheinlich jemand, der in einem Kabuff hockte. Zum IT -Support einer Versicherung gehörte, entschied sie. Von seinem Job gelangweilt, außerstande, eine Beziehung zu einer Frau anzuknüpfen, und wegen der Art, wie er sich an das westliche System verkauft hatte, in einem gefühlsmäßigen Konflikt, hatte er während eines Familienbesuchs in Pakistan irgendwie Kontakt zu einer Al Qaida nahestehenden Gruppe von Spinnern aufgenommen und war auf einer Liste von Leuten gelandet, die man in Vancouver anrufen konnte, falls die globale Bewegung dort jemals Unterstützung brauchte. Und jetzt war er hier und genoss es. Zweifellos schockiert darüber, um drei Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen und zu diesem Walmart-Treffpunkt gekarrt worden zu sein, schlug er nun die Zeit tot, indem er das Einzige tat, was er fraglos gut beherrschte, nämlich mit Computern herumzudaddeln.
    Die Einkaufenden begannen nach und nach zurückzukommen. Offenbar hatten sie sich im Walmart aufgeteilt, jeder mit seiner eigenen Liste. Aziz kam mit einem halben Dutzend Lebensmitteltüten aus Plastik in jeder Hand. Weiberarbeit. Sie enthielten größtenteils Nahrungsmittel, aber er hatte auch eine billige, wie ein kleiner Augapfel geformte Webcam in einer Blisterverpackung gekauft, dazu eine Verlängerungsschnur für das USB -Kabel. Dabei waren auch die Artikel für die weibliche Hygiene; sie wurden angewidert zu ihr nach hinten geworfen, prallten von der Wand des Schlafraums ab und kamen, an den Ecken etwas eingedellt, auf dem Bett zu liegen. Sharjeel brachte noch mehr Campingausrüstung: Schlafsäcke, Zelte, Planen, Seile und diverse Fleecekleidungsstücke. Er warf die Kleidungsstücke nach hinten zu Zula, dann ging er in den Supermarkt zurück. Eine Viertelstunde später kamen er und Jones zurück, jeder schob einen Plattenwagen. Sie brachten eine elektrische Säge, einen Akkubohrer, Holzschrauben, Isoliermaterial, Kanthölzer, Sperrholzplatten. Eine eins zwanzig mal zwei vierzig große Platte wäre bei der Beengtheit des Wohnmobils zu sperrig gewesen, deshalb hatten sie sie in Stücke von eins zwanzig mal eins zwanzig zersägen lassen. Aziz wurde in den Walmart zurückgeschickt und kam mit einer Rolle schwarzer Dachpappe und einem weißen Plastikpäckchen, etwa so groß wie ein gut gefüllter Müllbeutel, zurück, das ein Pink-Panther-Cartoon zierte: Fiberglas-Isolierung.
    Nun teilte sich die Gruppe auf: Mahir und Sharif, das Liebespaar, stiegen aus und zusammen mit dem unglücklichen Aziz in den anderen Wagen, während der dicke Zakir und der verschlagene, tüchtige Sharjeel im Wohnmobil blieben. Auf einen Befehl von Jones hin drehte Zakir seinen Sessel um, startete den Motor des Wohnmobils und fuhr die große Landjacht dann hinaus auf die offene Straße. Jones packte die elektrische Säge aus. Das Wohnmobil verfügte über einen Generator, der verschiedene Steckdosen mit Strom versorgte. Jones bekam heraus, wie man ihn in Gang setzte. Dann begann er, im hinteren Schlafraum Maß zu nehmen, wobei er beim Hinein- und Hinausgehen jedes Mal höflich um Zula herumging. Mit einem dicken Walmart-Zimmermannsbleistift zeichnete er lange Linien auf die Sperrholzplatten, dann warf er die Säge an und sägte die Platten, immer zwei auf einmal, zurecht, sodass sich der enge Raum des Wohnmobils mit Sägemehl, Rauch und kreischendem Lärm erfüllte. Die fertig zugesägten Platten trug er in den Schlafraum, schob sie vor die Fenster und schraubte sie mithilfe der Akku-Bohrmaschine und eines Schraubaufsatzes an den Wänden des Wohnmobils fest. Das geschah bei geschlossenen Vorhängen, sodass man von draußen nur Vorhänge sah, die zugezogen waren, um Ungestörtheit zu gewährleisten.
    In nur wenigen Minuten

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