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Bestimmungsort?«
»Soweit es kommerzielle Fluggesellschaften angeht, schon«, sagte er. »Wenn Sie dort sind, haben Sie eine Nacht in einem Hotel, um sich zu berappeln, dann befinden Sie sich in Gesellschaft eines gewissen Seamus Costello, pensionierter Captain der US Army.«
»Und jetzt ist er was, einfach nur Privatier?«
Onkel Meng hatte keine Lust, ihre Geistreichelei einer direkten Antwort zu würdigen.
»Hauptsächlich«, sagte Olivia, »wüsste ich einfach nur gern, ob er für irgendeine andere staatliche Stelle oder für eine private Sicherheitsfirma arbeitet.«
»Aber nein, wir würden Sie niemals mit einem Söldner verkuppeln«, sagte Onkel Meng etwas gequält.
»Na schön, dann war er also ein Snake Eater. Man ist zu dem Schluss gekommen, dass er zu Höherem berufen ist. Und hat ihn nach oben befördert.«
»Der nationale Sicherheitsapparat der Amerikaner ist sehr groß und unergründlich komplex«, war alles, was Onkel Meng sagen wollte. »Er hat zahlreiche Abteilungen und Untereinheiten, die, wie man annehmen muss, eine umfassende Reform nicht überleben würden. Er speist sich aus sich selbst, indem einzelne Akteure, die alle Hoffnung aufgegeben haben, jemals das Ganze zu verstehen, ihre eigenen Ad-hoc-Programme produzieren, die institutionalisiert werden, wenn ihnen Geld zufließt. Wer sich darauf versteht, das politische Spiel zu spielen, wird nach innen, in Richtung Washington gezogen. Wer sich nicht darauf versteht, hockt letztendlich an Orten wie Manila in Hotelfoyers herum und wartet auf Leute wie Sie.«
»Er muss noch andere Aufgaben haben.«
»Aber ja. Er verbringt die meiste Zeit auf Mindanao und sucht nach der Abu-Sayyaf-Clique.«
Hier sprach Onkel Meng, wie Olivia sehr wohl wusste, von islamischen Aufständischen im Süden der Philippinen, die Abdallah Jones mehrere Monate lang Unterschlupf gewährt und ihn unterstützt hatten. US -Spezialtruppen hatten in enger Zusammenarbeit mit ihren philippinischen Pendants einen Angriff auf ein Dschungelcamp durchgeführt, in dem Jones positiv gesichtet worden war. Wie sie hatten feststellen müssen, war der Ort verlassen, aber gründlich vermint. Zwei Amerikaner und vier Filipinos hatten ihr Leben gelassen. Wochen später hatte man Jones’ Spur nach Manila verfolgt, wo er in einem Mietshaus eine Bombenwerkstatt eingerichtet und Sprengkörper hergestellt hatte, die bei einer Serie exakt geplanter Autobombenanschläge verwendet worden waren. Von dort aus hatte seine Spur aus nichts als Gerüchten und Hinweisen bestanden, bis Olivia ihn in Xiamen gefunden hatte.
»Costello ist schon lange hinter Jones her«, vermutete Olivia. »Er ist stolz auf seine Arbeit oder war es jedenfalls einmal. Jones hat ihm mehr als einmal ein Schnippchen geschlagen. Hat auf hinterhältige und feige Weise Mitglieder seines Teams umgebracht. Hat Zivilisten, die seinem Schutz anvertraut waren, in die Luft gejagt. Und hat dann das Land verlassen – ist irgendwohin gegangen, wo Costello nicht an ihn herankam. Und Costello hat in die Röhre geguckt.«
»Er ist genau Ihr Typ«, sagte Onkel Meng sanft. »Bitte versuchen Sie, nicht mit ihm zu vögeln.«
»Wieso ist das eigentlich für James Bond okay?«
Die Maschine nach Dubai war voller reicher Araber und City-Typen. Die von Dubai nach Manila fast ausschließlich voller philippinischer Hausangestellter, die nach Hause flogen. Der rassische und kulturelle Gegensatz war viel zu heftig, als dass Olivia hätte darüber nachdenken wollen, also sah sie sich Filme an, spielte Tetris und schlief schließlich eine halbe Stunde, bevor sie zum Landeanflug auf den Ninoy Aquino International Airport ansetzten, ein. Es war Spätnachmittag. Inzwischen waren vier Tage vergangen, seit sich ihr und Sokolows Weg in Kinmen getrennt hatte. Ein Wagen holte sie ab und brachte sie zu einem Businesshotel, wo sie sich vom Room Service ein Steak bringen ließ, sich frisch machte, ihre Malariatabletten nahm und ins Bett ging.
Sie verschlief drei Weckrufe und das ebenso häufige Klingeln des Weckers und schaffte es mit fünfzehn Minuten Verspätung in die Hotelhalle. Seamus Costello war im Restaurant, wo er gewendete Spiegeleier mit Speck aß. Die rötlich-gelbe Farbe der zerlaufenden Dotter passte perfekt zu der seines Bartes, aber er wischte sich trotzdem verlegen das Kinn, bevor er aufstand, um Olivia die Hand zu geben. Er sah aus wie ein leicht in die Jahre gekommener Rucksacktourist, die Sorte, mit der man in einem klapprigen Bus in Bhutan
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