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Erzählungen

Erzählungen

Titel: Erzählungen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Edgar Allan Poe
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Geschäftsmann. Es wäre eine Vernunft anzunehmen, daß wir es könnten. Und doch war da so eine bornierte Gesellschaft, die mich gleich darum anging, ausgerechnet so zu handeln; ausgerechnet so! Ich gab auf ihren absurden Vorschlag natürlich keine Antwort, sah mich aber verpflichtet, noch in derselben Nacht hinzugehen und den ganzen Palast schwarz anzustreichen.
    Dafür ließen mich die vernunftlosen Schurken einsperren; und die Herren des ›Dorn im Auge-Geschäfts‹ konnten nicht wohl anders handeln, als daß sie sofort die Verbindung mit mir lösten, sobald ich aus dem Gefängnis gekommen war.
    Das ›Tritt- und Hieb-Geschäft‹, in dem ich mich jetzt genötigt sah, meinen Unterhalt zu suchen, war der zarten Verfassung meiner Natur etwas ungeschickt angepaßt; trotzdem machte ich mich frohgemut an die Arbeit und fand infolge meiner unerschütterlichen Gewohnheiten und methodischen Genauigkeit, die mir jene reizende alte Amme beigebracht hatte – ich wäre in der Tat ein schlechter Mensch, wenn ich ihrer nicht in meinem Testament gedenken würde –, wie überall so auch hier mein Auskommen. Ich arbeitete wie gesagt nach peinlicher Methode und hielt mir eine Reihe ausgezeichnet geführter Bücher; dadurch wurde ich in die Lage versetzt, über so manche ernstlichen Schwierigkeiten wegzukommen und mich schließlich in der Branche recht wohl einzurichten. Ich glaube, daß nur wenige Leute auf irgendwelchem Gebiet ein glatteres kleines Geschäft betrieben als ich. Ich will hier nur eine Seite ungefähr aus meinem Tagebuch abschreiben; dies enthebt mich der Notwendigkeit, mein eigenes Lob zu singen, eine verachtungswürdige Sache, mit der sich ein hochherziger Mann nicht gerne befaßt. Nun, mein Tagebuch kennt die Lüge nicht.

    . Januar Traf Schnapp auf der Straße, angeheitert. Schön! – er ist geeignet.
    Traf gleich darauf Schroff, völlig betrunken. Schön! – auch er ist geeignet. Trug die beiden Namen in mein Hauptbuch ein und eröffnete jedem ein laufendes Konto.

    . Januar Traf Schnapp auf der Börse, ging auf ihn zu und trat ihm auf die Zehen. Ballte die Faust und schlug mich nieder. Gut! – Kam wieder hoch. Hatte einige Differenzen mit Stibitz, meinem Rechtsbeistand. Ich forderte  Dollar Entschädigung, aber er sagte, für einen einfachen Fausthieb könnten wir nicht mehr als  fordern.
    Schön! – muß mich von Stibitz trennen – hat keine Methode.

    . Januar Ging ins Theater, um Schroff zu treffen; fand ihn in einer Seitenloge im zweiten Rang zwischen einer üppigen und einer schlanken Dame. Fixierte die ganze Gesellschaft durch mein Opernglas, bis ich bemerkte, daß die üppige Dame errötete und mit Schroff flüsterte.
    Begab mich darauf in die Loge und brachte meine Nase in Reichweite seiner Hand. Wollte aber nicht daran ziehen. Fehlschlag! Blies die Nase auf und versuchte es von neuem. Fehlschlag! Setzte mich und zwinkerte der schlanken Dame zu; hatte die Genugtuung, daß er mich sogleich im Genick beim Kragen packte und ins Parterre hinunterwarf. Verrenkte das Genick und brach das rechte Bein. Begab mich vergnügt nach Hause, trank eine Flasche Champagner und belastete den jungen Mann mit fünftausend Dollar. Stibitz behauptete, daß es ginge.

    . Februar Der Fall Schnapp wird beigelegt. Gewinnbetrag siehe Journal – fünfzig Cent.

    . Februar Verlor den Prozeß gegen den Schurken Schroff. Er machte mir ein Geschenk von fünf Dollar. Gerichtskosten vier Dollar fünfundzwanzig Cent. Reingewinn siehe Journal – fünfundsiebzig Cent.
    Folglich in ganz kurzer Zeit allein in den Fällen Schnapp und Schroff ein Reingewinn von nicht weniger als ein Dollar und fünfundzwanzig Cent; ich gebe dem Leser die Versicherung, daß diese Auszüge meinem Tagebuch nur aufs Gratewohl entnommen sind.
    Es ist ein altes und wahres Sprichwort, daß Geld nichts bedeutet im Vergleich zu Gesundheit. Ich fand die Ausübung dieses Berufes etwas zu anstrengend für meinen zarten Körper und machte schließlich die Entdeckung, daß ich ganz außer Form geschunden wurde, so daß ich mir gar nimmer zu helfen wußte. Wenn mir meine Freunde auf der Straße begegneten, erkannten sie oft nicht mehr, daß ich Peter Profit war. Es schien mir daher geraten, zu einem anderen Geschäftszweig überzugehen. Ich richtete mein Augenmerk also auf das ›Schmutzspritz-Geschäft‹ und blieb dabei ein paar Jahre lang.
    Das Schlimmste bei dieser Beschäftigung ist, daß zu viele Leute sich dazu

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