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Ferne Ufer

Titel: Ferne Ufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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linke Hand und ein Nachname.
    Und auch wenn Schmuggler, Viehdiebstahl und andere Spielarten des angewandten Kommunismus in den Highlands schon lange anerkannt waren, die Franzosen waren es nicht. Wie lange Fergus auch in Lallybroch gelebt haben mochte, er blieb so französisch wie Notre Dame und würde ebenso wie ich ewig Ausländer bleiben.
    »Wenn ich Gesellschafter in einem gewinnbringenden Druckereiunternehmen wäre, wäre die gute Dame möglicherweise geneigt, mich anzuhören«, erklärte er. »Aber so, wie die Dinge liegen…« Tieftraurig schüttelte er den Kopf.
    Gerührt tätschelte ich seinen Arm. »Mach dir deswegen keine Sorgen«, sagte ich. »Wir werden schon eine Lösung finden. Weiß Jamie von dem Mädchen? Bestimmt wäre er bereit, mit der Mutter zu reden.«
    Zu meiner Verwunderung malte sich auf seinem Gesicht helles Entsetzen.
    »Ach nein, Madame, bitte erzählen Sie ihm nichts davon. Er ist im Augenblick mit wichtigeren Dingen beschäftigt.«
    Im großen und ganzen hatte er damit sicher recht, aber seine heftige Reaktion überraschte mich doch. Dennoch versprach ich, Jamie nichts davon zu sagen. Da meine Füße allmählich kalt wurden, schlug ich vor, zurück ins Haus zu gehen.
    »Später vielleicht, Madame«, sagte er. »Im Moment bin ich nicht einmal für Schafe sonderlich unterhaltsam.« Tief seufzend drehte er sich um und stapfte mit hängenden Schultern auf das Taubenhaus zu.

    Zu meiner Überraschung saß Jenny bei Jamie im Salon. Sie war draußen gewesen. Wangen und Nasenspitze waren rosa gefärbt, und der Duft der Winterkälte hing noch in ihren Kleidern.
    »Ich habe dem jungen Ian gesagt, er soll Donas satteln«, meinte sie. Skeptisch sah sie ihren Bruder an. »Kannst du selbst zur Scheune gehen, oder soll er das Pferd hierher bringen?«
    Jamie starrte sie an.
    »Ich kann überallhin gehen, aber im Augenblick gehe ich nirgendwohin!«
    »Habe ich dir nicht gesagt, daß er uns besuchen wird?« sagte Jenny ungeduldig. »Amyas Kettrick war gestern spätabends hier und hat gesagt, er sei gerade aus Kinwallis gekommen. Hobart will heute hereinschauen.« Sie sah auf die hübsche emaillierte Uhr auf dem Kamin. »Wenn er nach dem Frühstück aufgebrochen ist, wird er in einer Stunde hiersein.«
    Stirnrunzelnd lehnte Jamie den Kopf zurück.
    »Ich habe dir gesagt, Jenny, daß ich mich vor Hobart MacKenzie nicht fürchte«, erklärte er kurz. »Den Teufel werde ich tun und vor ihm davonlaufen!«
    Kühl sah Jenny ihren Bruder an.
    »Ach ja?« sagte sie. »Vor Laoghaire hattest du auch keine Angst. Das hast du nun davon.« Sie deutete nachdrücklich auf die Schlinge um seinen Arm.
    Jamie mußte unwillkürlich lächeln.
    »Aye, da hast du recht«, sagte er. »Allerdings weißt du auch, daß Gewehre in den Highlands seltener sind als Hühner mit Zähnen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Hobart mich um meine Pistole bitten wird, um mich damit zu erschießen.«
    »Die Mühe macht er sich sicherlich nicht. Er wird einfach hereinspazieren und dich am Bauch kitzeln wie einen Esel, so führst du dich nämlich auf!« fuhr sie ihn an.
    Als Jamie lachte, starrte sie ihn wütend an. Ich nutzte die Gelegenheit, mich einzumischen.
    »Wer ist Hobart MacKenzie«, fragte ich, »und warum sollte er dich kitzeln wollen wie einen Esel?«
    Jamie wandte sich amüsiert zu mir.
    »Hobart ist Laoghaires Bruder, Sassenach«, erklärte er. »Was das Kitzeln betrifft…«

    »Laoghaire hat ihn gebeten, aus Kinwallis herzukommen, wo er wohnt«, unterbrach ihn Jenny. »Sie hat ihm von… alldem erzählt.« Mit einer ungeduldigen Geste schloß sie mich, Jamie und die peinliche Situation im allgemeinen ein.
    »Er will jeden Zweifel an der Ehre seiner Schwester ausräumen, indem er mich kaltmacht«, erklärte Jamie. Im Gegensatz zu mir und Jenny fand er die Vorstellung offenbar ziemlich komisch.
    »Fürchtest du dich nicht vor Hobart?« fragte ich.
    »Natürlich nicht«, erwiderte er mit einem Anflug von Verärgerung und wandte sich dann seiner Schwester zu: »Meine Güte, Jenny, du kennst doch Hobart MacKenzie. Der Mann kann kein Schwein abstechen, ohne sich den eigenen Fuß abzutrennen.«
    Sie musterte ihren Bruder von oben bis unten. Offensichtlich versuchte sie abzuschätzen, welche Chancen er gegen einen unfähigen Schweineabstecher hätte, und mußte sich widerwillig eingestehen, daß sie keinesfalls schlecht waren, auch wenn Jamie nur einen Arm zur Verfügung hatte.
    »Mmmpf«, erwiderte sie. »Und wenn er dich angreift und

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