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Ferne Ufer

Titel: Ferne Ufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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ein oder zwei passende Männer ein, wenn du darüber nachdenkst.«
    »Anzunehmen«, entgegnete sie ebenso spitz. Sie stickte; die Nadel stach durch das Leinen und blitzte im Schein der Lampe auf. Während es draußen heftig zu graupeln begonnen hatte, war es im Zimmer gemütlich warm. Im Kamin brannte ein kleines Feuer, und der Schein der Lampe lag weich über dem abgenutzten Schreibtisch.
    »Es gibt nur ein Problem«, meinte sie, ohne den Kopf von der Arbeit zu heben. »Wie willst du die zwölfhundert Pfund aufbringen, Jamie?«
    Das hatte ich mich auch bereits gefragt. Die Versicherungssumme für die Druckerei reichte bei weitem nicht aus, und ich bezweifelte, daß die Schmuggelgeschäfte auch nur annähernd soviel eingebracht hatten. In Lallybroch konnte niemand den Betrag aufbringen. In den Highlands zu überleben war seit jeher schwierig,
und selbst mehrere ertragreiche Jahre hintereinander brachten nur einen dürftigen Gewinn.
    »Da bleibt nur noch eine Möglichkeit, oder?« Ians Blick wanderte zwischen seiner Frau und seinem Schwager hin und her. Nach kurzem Schweigen nickte Jamie.
    »Wahrscheinlich«, sagte er widerwillig. Er blickte zum Fenster, an das der Regen trommelte. »Eine entsetzliche Jahreszeit für so etwas.«
    Ian zuckte die Achseln und beugte sich in seinem Sessel vor. »In einer Woche kommt die Frühlingsflut…«
    Besorgt runzelte Jamie die Stirn.
    »Aye, richtig, aber…«
    »Niemand hat ein größeres Recht darauf als du, Jamie«, erklärte Ian. Lächelnd streckte er die Hand aus und drückte Jamies Arm. »Es war doch für Prinz Charles’ Gefolgsmänner gedacht, oder nicht? Und du warst einer von ihnen, ob du wolltest oder nicht.«
    Jamie lächelte ihn gequält an.
    »Aye, das stimmt vermutlich.« Er seufzte. »Auf alle Fälle ist es die einzige Lösung.« Offensichtlich kämpfte er mit sich, ob er noch etwas hinzufügen sollte. Jenny schaute von ihrer Stickerei auf.
    »Was ist, Jamie?« fragte sie.
    Er holte tief Luft.
    »Ich möchte den jungen Ian mitnehmen«, sagte er.
    »Nein«, entgegnete sie hastig. Die Nadel steckte zur Hälfte in einer leuchtendroten Blüte, die sich wie Blut von der weißen Handarbeit abhob.
    »Er ist alt genug, Jenny«, sagte Jamie leise.
    »Nein«, entgegnete sie. »Er ist kaum fünfzehn. Michael und Jamie waren mindestens sechzehn, und sie waren kräftiger.«
    »Aye, aber Ian schwimmt besser als die beiden Brüder«, wandte Ian überlegt ein. Er hatte die Stirn nachdenklich gekraust. »Und einer unserer Jungen muß es schließlich tun«, gab er Jenny zu verstehen. Er wies auf Jamies Arm in der Schlinge. »Jamie kann im Moment wohl kaum selbst schwimmen. Und Claire sicher auch nicht«, fügte er hinzu und lächelte mich an.
    »Schwimmen?« fragte ich völlig verwirrt, »wo denn?«
    Ian blickte Jamie an.
    »Ach, du hast es ihr nicht erzählt?«

    Jamie schüttelte den Kopf. »Nicht alles.« Er wandte sich zu mir um. »Der Schatz, Sassenach - das Gold der Seehunde.«
    Er hatte den Schatz nicht an sich nehmen wollen, gleichzeitig aber das Gefühl gehabt, daß er jemandem davon erzählen müsse, und so hatte er Jenny und Ian einen sorgfältig verschlüsselten Brief nach Lallybroch geschrieben, in dem er erklärt hatte, wo das Versteck lag und welchem Zweck das Gold allem Anschein nach dienen sollte.
    Die Zeiten waren damals hart gewesen für die Jakobiten - für die, die nach Frankreich geflüchtet waren und Ländereien und Vermögen zurücklassen mußten, oftmals noch härter, als für die, die in den Highlands blieben und dort der Verfolgung durch die Engländer ausgesetzt waren. Um diese Zeit fiel die Ernte in Lallybroch zweimal hintereinander schlecht aus, und aus Frankreich erhielten sie Briefe mit der Bitte, den Freunden, die dem Verhungern nahe waren, zu helfen.
    »Wir hatten nichts, was wir schicken konnten. Wir kämpften ja selbst ums Überleben«, erklärte Ian. »Ich hatte Jamie eine Nachricht zukommen lassen, und er meinte, es wäre sicherlich ganz in Ordnung, wenn man einen kleinen Teil des Schatzes darauf verwendete, für Prince Tcharlachs Gefolgsleute Nahrungsmittel zu beschaffen.«
    »Wahrscheinlich hatten Stuart-Anhänger den Schatz dorthin geschafft«, warf Jamie ein. Er blickte mich schelmisch an und verzog einen Mundwinkel. »Aber ich dachte gar nicht daran, ihn an Prinz Charles weiterzuschicken.«
    »Das war gut«, entgegnete ich trocken. Alles Geld, das man Prinz Charles hätte zukommen lassen, wäre binnen weniger Wochen verschwendet und

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