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Ferne Ufer

Titel: Ferne Ufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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Lachen zuckte in seinen Mundwinkeln, als er mich anblickte. »Du brauchst dich nicht besonders anzustrengen. Schwimm nur immer geradeaus, die Strömung trägt dich.«
    Der Knabe nickte und versank wieder in Schweigen. Nur seine Augen leuchteten erwartungsvoll.
    Die dunstverhangene Landzunge über der Bucht war wie ausgestorben. Da unsere Stimmen im Nebel geisterhaft nachhallten, verebbten unsere Gespräche schon bald. Tief unter uns hörte ich über die tosende Brandung hinweg das Gebell der Seehunde.

    Nachdem Jamie Ian den Felskamin gezeigt hatte, nahm er ein Stück Seil aus der Satteltasche und tastete sich vorsichtig über den geborstenen Fels der Landzunge zum Einstieg vor.
    »Behalt dein Hemd an, bis du unten bist«, übertönte er das Rauschen der Wellen. »Sonst reißt dir das rauhe Gestein den Rücken in Fetzen.«
    Ian nickte. Als das Seil fest um seine Taille verknotet war, grinste er mich nervös an und verschwand in der Öffnung.
    Jamie hatte sich das andere Ende des Seils um seine Mitte geknüpft und ließ es sorgfältig ablaufen, während der Junge hinabstieg. Auf Händen und Füßen kroch ich über das kurze Grasstück und den Kies bis an den zerklüfteten Felsrand. Von dort konnte ich den halbmondförmigen Strand unter mir überblicken.
    Endlich kletterte Ian, klein wie eine Ameise, unten aus dem Kamin. Er löste den Strick, spähte umher und winkte uns eifrig zu, als er uns oben auf dem Felsen sah. Ich winkte zurück; Jamie murmelte nur leise: »Gut gemacht, weiter.«
    Ich spürte seine Anspannung, als der Junge alles bis auf die Kniehose auszog und sich über das Geröll hinab zum Wasser tastete. Ich fühlte mit ihm, als der schmale Körper zitternd in die graublauen Wellen tauchte.
    »Brrr«, sagte ich, »das Wasser muß eiskalt sein.«
    »Allerdings«, stimmte Jamie mitfühlend zu. »Wirklich nicht die richtige Jahreszeit für ein Bad.«
    Sein Gesicht war blaß. Sicher lag es nicht daran, daß ihm sein verwundeter Arm zu schaffen machte, wenngleich ihm der lange Ritt und die Übung mit dem Seil nicht gerade gutgetan hatten. Während Ian hinabstieg, hatte Jamie sich ermunternd und zuversichtlich gegeben, doch jetzt macht er keinen Hehl mehr aus seiner Sorge. Wir würden Ian nicht helfen können, sollte etwas schiefgehen.
    »Vielleicht hätten wir warten sollen, bis sich der Nebel aufgelöst hat«, sagte ich, um Jamie abzulenken.
    »Dann hätten wir gleich bis Ostern warten können«, meinte er ironisch und blinzelte in die wallenden Nebelschwaden unter uns.
    »Meinst du, es ist alles in Ordnung mit ihm?« fragte ich. Jamie beugte sich zu mir herab und half mir beim Aufstehen. Sein Rock war durchweicht vom Nebel und dem Sprühregen der Brandung.

    »Aye, bestimmt. Er ist ein guter Schwimmer, und wenn er einmal mit der Strömung treibt, ist es nicht mehr schwierig.« Trotzdem starrte er angestrengt in Ians Richtung, als wollte sein Blick sich durch den Nebel bohren.
    Jamies Rat folgend, hatte Ian erst mit dem Abstieg begonnen, als die Ebbe einsetzte, um den Gezeitenstrom bestmöglich zu nutzen.
    »An die zwei Stunden wird es dauern, bis er wieder hier ist«, beantwortete Jamie meine unausgesprochene Frage. Widerwillig wandte er den Blick von der Nebelwand, die ihm die Sicht versperrte, ab. »Verdammt! Wäre ich doch selber geschwommen, egal, was mit dem Arm ist.«
    »Der junge Jamie und Michael haben es auch geschafft«, erinnerte ich ihn. Wehmütig lächelte er mich an.
    »Aye. Ian wird schon nichts passieren. Nur ist es einfacher, selbst etwas Gefährliches tun, als einem anderen dabei zuzusehen.«
    »Ha«, sagte ich. »Jetzt weißt du, was es heißt, mit dir verheiratet zu sein!«
    Er lachte.
    »Aye, ich kann’s mir vorstellen. Außerdem wäre es nicht richtig, Ian das Abenteuer vorzuenthalten. Komm, laß uns aus dem Wind gehen.«
    In einiger Entfernung von dem Felsabhang setzten wir uns nieder. Die kräftigen, zottigen Hochlandpferde, die uns Schutz gegen den Wind boten, ließ das stürmische Wetter offensichtlich unbeeindruckt. Mit gesenkten Köpfen standen sie nebeneinander, den Schwanz dem Wind zugewandt.
    Plötzlich hob Jamie den Kopf und lauschte.
    »Was war das?«
    »Was?«
    »Ich dachte, ich hätte jemanden rufen hören.«
    »Wahrscheinlich die Seehunde«, sagte ich, aber er war bereits aufgesprungen und ging zum Felsabhang.
    Die Bucht lag immer noch nebelverschleiert unter uns, aber der Wind hatte die Seehundinsel freigeblasen. Seehunde sah man jedoch keine.
    Ein Boot war an einer Seite

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