Feuer der Nacht
dass ich es bin?«
»Ich habe die Nummer identifiziert.«
»Ich habe Sie aber noch nie angerufen.«
»Nein, aber ich habe Sie angerufen. Sie wissen noch, zu welcher Gelegenheit? Ich war in dir drin, bevor dein Hinterteil noch richtig auf der Matratze lag.«
Eine gewaltige Hitzewelle überflutete sie, weil, ja, heiliger Himmel, ja – sie erinnerte sich. Sie würde diese Nacht ja lieber vergessen, doch in diesem Moment war ihr Zellgedächtnis stärker, und ihr Fleisch durchlebte das Gefühl, wie er in sie eindrang, aufs Neue: dick, heiß und tief. Sie spürte lebhaft seine Umarmung, seine Brust, die über ihre Nippel rieb, seine Hände, die ihren Po umfassten und sie bei jedem Beckenstoß anhoben. Jeder Muskel in ihr spannte sich an, als würde sie ihn wieder in sich festhalten und umklammern, als sie kam. Ihre Brustwarzen stellten sich von selbst auf, ragten rot und fest hervor, als hätte er an ihnen gesogen.
»Ich …«, sagte sie, schwieg dann jedoch, da es nichts gab, was sie hätte sagen können, keine Widerrede. Was passiert war, war passiert. Sie kniff die Augen zu und die Oberschenkel zusammen, um den Schmerz irgendwie zu vertreiben.
»Ja«, sagte er rau, und seine Stimme verriet, dass auch er diesen Moment erneut durchlebte. » Du .«
Sie atmete tief ein, keuchend. Sie hatte bis zu diesem Augenblick nie verstanden, welchen Reiz Telefonsex hatte, und der Zeitpunkt war zudem schlecht gewählt. »Ehm … jemand, eine Frau, hat gestern Mom angerufen und gesagt, sie sei eine alte College-Freundin von mir, und wir seien auf einen Drink verabredet«, plapperte sie plötzlich daher. Sie hielt inne, holte noch einmal Luft. »Jedenfalls hat meine Mutter ihr mitgeteilt, wo ich gestern Abend war. Aber ich hatte mich nie mit irgendwelchen alten College-Freundinnen treffen wollen.«
» ID -Nummer der Anruferin?«, fragte er scharf; offensichtlich gelang ihm der Übergang von Lust zu Geschäft erheblich problemloser als ihr.
»Nein, sie hat die Geschäftsnummer angerufen. Mom sagte etwas davon, dass sie den Anruf rückverfolgen lassen wolle. Wir kriegen auf dem Geschäftsapparat keine ID-Nummern.«
Er murmelte etwas, das sicher nicht freundlich war, und sagte dann: »Okay, ich finde heraus, um welche Uhrzeit der Anruf getätigt wurde. Die Telefongesellschaft wird das schon hinkriegen.«
»Es war eine Frau. Das widerspricht doch Ihrer Theorie, dass ein grauhaariger Mann versucht hat, mich umzubringen, oder?«
»Nein, eigentlich nicht. Sehen Sie, ich will jetzt wirklich, dass Sie sich einige Fotos ansehen. Wenn Sie nicht kommen können, sagen Sie mir, wo Sie sind, dann bringe ich sie Ihnen vorbei.«
Als die Worte »kommen können« fielen, schrillten sämtliche Alarmglocken. Er wollte doch sicher nicht …
»Ehm … Wo sind Sie denn?«
»Bei der Arbeit.«
Die Hitze schoss ihr ins Gesicht, als ihr einfiel, was er gesagt hatte. Ob jemand mitgehört hatte?
»Keine Sorge, keiner in der Nähe, der lauschen könnte«, verkündete er amüsiert. »Können Sie jetzt kommen?«
Sie wusste nicht, welcher Teufel sie ritt, aber sie wusste, dass die Rache süß war: »Fast«, murmelte sie und hörte das plötzliche Gefummel und Gefluche, als ihm sein Handy aus der Hand fiel.
Garvey näherte sich Erics Schreibtisch, alle möglichen Unterlagen in der Hand. »Das Alibi vom Senator ist bombensicher«, verkündete er entnervt. »Er war gestern Abend mit Mrs. Dennison in Savannah beim Spendensammeln. Die Veranstaltung hat bis Mitternacht gedauert. An zwei Orten gleichzeitig konnte er nicht sein.«
»Er hat es vielleicht nicht getan, sondern tun lassen«, knurrte Eric. »Der Wichser hat’s vermasselt. Wenn er die Sache einfach auf sich hätte beruhen lassen, hätten wir nicht genug gegen ihn in der Hand gehabt, um einen Durchsuchungsbefehl zu erwirken, aber er hatte Angst, dass Jaclyn ihn identifizieren könnte. Jetzt müssen wir seine Freundin genauestens unter die Lupe nehmen. Jaclyn hat mich gerade angerufen; eine Frau, die vorgab, eine alte Freundin zu sein, hat gestern bei Premier angerufen, und ihre Mutter hat ihr gesagt, wo Jaclyn zu finden sein würde. Es war das reinste Puzzlespiel gewesen herauszukriegen, wie jemand den Aufenthaltsort von Jaclyn zu diesem bestimmten Zeitpunkt wissen konnte, doch die Antwort ist simpel.«
»Die Freundin des Senators.«
»Jawohl.« Eric rief auf seinem PC ein paar Informationen ab. »Das Polizeipräsidium Atlanta hat den Ballistikbericht herübergeschickt. Sie haben eine Kugel im
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