Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Feuer der Nacht

Feuer der Nacht

Titel: Feuer der Nacht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Linda Howard
Vom Netzwerk:
entscheidende Wort dabei war allerdings »fast«. Auf dem Boden lag altes Stroh, von dem die Braut behauptete, es sei »authentisch«. Und wenn auch kein Vieh zugegen war, so lag doch der Geruch dieser ehemaligen Bewohner in der Luft. Die Ventilatoren, die sie hatte anbringen lassen, schnurrten leise und effizient vor sich hin, aber vielleicht war es ja gar nicht so klug, die Luft derart durcheinanderzuwirbeln. Andererseits würden ohne die Ventilatoren alle im Schweiß nur so schwimmen. Es war zwar gewiss nicht der heißeste Tag des Jahres, die Temperaturen erreichten aber dennoch locker an die dreiunddreißig Grad.
    Viele der Gäste aufseiten der Braut trugen Jeans und
T-Shirt; sie hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, zu den Jeans für besondere Anlässe zu greifen oder – Gott behüte – gar ein Kleid oder Kostüm aus dem Schrank hervorzukramen. Andererseits kämen ihnen die Turnschuhe, die die meisten anhatten, vielleicht sogar gelegen.
    Die Verwandten des Bräutigams hatten sich bemüht und fein herausgeputzt. Jaclyn trug das leichteste Geschäftskostüm, das sie besaß. Bishop war natürlich tadellos gekleidet und – wie immer – modisch und cool … Ja, cool im wahrsten Sinn des Wortes. Ob der Mann überhaupt Schweißdrüsen hatte?
    »Warum sind Sie noch da?«, flüsterte sie. Die Bouquets, Gestecke und der Blumenschmuck, die allesamt die Mutter des Bräutigams bezahlt hatte, waren geliefert und nach Bishops Anweisungen arrangiert worden. Er blieb eigentlich selten zur Zeremonie da.
    »Meine Liebe, Sie könnten mich hier mit einer Brechstange und einem Viertelliter Vaseline nicht weglocken«, verkündete er leise.
    Trotz der Ereignisse der letzten Tage musste Jaclyn grinsen. Sie war hier, und solange kein Blut vergossen wurde, ließ sich nicht leugnen, dass die Veranstaltung einen gewissen Unterhaltungswert besaß. Sie sollte sich einfach amüsieren, solange sich die Gelegenheit bot. Schließlich ließ sich nicht vorhersagen, was bei der Feier noch auf sie zukäme.
    »Es ist, wie wenn die Beverly Hillbillies sich mit Boss Hogg zusammentun und die arme June Cleaver auch noch mitmischt«, schwärmte Bishop atemlos. »So etwas an Comedy habe ich noch nie gesehen. Was haben Sie sich bloß gedacht, als Sie diesen Auftrag angenommen haben, Teufel noch mal?«
    Sie hatte gedacht, dass die Mutter des Bräutigams recht habe mit ihrer Einschätzung, dass von der Familie der Braut kein Mensch auch nur einen blassen Schimmer habe, was sie da machten; dass sie wenigstens etwas Abhilfe schaffen könne; dass dieses Brautpaar etwas Anleitung gebrauchen könnte. Leider hatten die Braut und ihre Mutter dann die meisten ihrer Ideen abgelehnt, aber einige hatten sie dann doch aufgegriffen.
    Es war gar nicht nötig, dass die Familie der Braut und ihre Freunde auf der einen Seite und die des Bräutigams auf der anderen Seite versammelt waren, um auf den ersten Blick zu erkennen, wer zu welcher Truppe gehörte. Aufseiten der Braut fanden sich Unmengen Typen mit Vokuhila-Frisur, Kahlschädel und Gefängnistätowierungen plus unpassende Kleidung – die meisten Gäste des Bräutigams wirkten wie vom Blitz getroffen. Die arme Mutter des Bräutigams sah aus, als würde sie jeden Moment das Leben aushauchen, und seine Schwestern und deren Familien waren total geschockt, bis auf einen Schwager, der sich nicht groß bemühte zu verbergen, wie amüsiert er war.
    »Stellen Sie sich nur vor, wie diese Hochzeit ohne uns aussähe«, sagte sie zu Bishop.
    »Bauernstadel«, flüsterte er.
    Jemand kam am anderen Ende des Raums herein und ging, anstatt sich dort zu setzen, auf Jaclyn zu. Überrascht schaute sie auf, als Eric auf dem Klappstuhl neben ihr Platz nahm; instinktiv verkrampfte sie sich. Sie dachte, sie hätte ihre Sache heute Morgen im Polizeipräsidium gut gemacht. Sie hatte sich nichts von ihrer Anspannung, ihrer Verwirrung und ihrem Ärger und von der Kränkung, die sie jedes Mal empfand, wenn sie auch nur an ihn dachte, anmerken lassen; jetzt in seiner Gegenwart war alles schlimmer. Doch das hier war ihr Territorium, und dass er hier eindrang, nervte sie.
    Bishop neigte sich an ihr vorbei, um Eric einen abschätzenden Blick zuzuwerfen. »Nun denn«, meinte er gedehnt, » Hee Haw -Himmel.« Sie musste zugeben, dass Eric in seinen Jeans und Stiefeln, dazu ein legeres Sakko, das er über einem kragenlosen Hemd trug, eigentlich mit der Masse ging, doch an ihm wirkten die Sachen sexy.
    Eric legte seinen linken Arm hinten auf

Weitere Kostenlose Bücher