Feuereifer
Schreib an den Bürgermeister, sag's dem Polizeichef, aber bleib mir vom Hals damit.« Er wollte mich also auch aus Stolz aus seinem Revier heraushalten - damit ich nicht merkte, dass er sich nicht so darum kümmern konnte, wie er gerne wollte. »Oh, Conrad, das Chaos hier ist so übel, dass auch sieben Cops mit sieben Mopps nicht damit klarkämen. Ehrlich, ganz aufrichtig: Ich will dich nicht hintergehen, sondern unterstützen.«
»Da sei der Himmel vor, Ms. W.«, sagte er, um Beherrschung bemüht. »Geh nach Hause, leg dich ins Bett - nein, warte. Ich wusste, da war noch was. Dieser Wagen, der Miata, den du an der Ewing unter dem Skyway gefunden hast, der war weg, als wir am Dienstagnachmittag hinkamen. Wir haben die Bysens oder vielmehr deren Anwälte angerufen: Der Wagen gehört Billy, sie wollen nicht, dass eklige Cops daran rumtatschen. Sie haben ihn in eine Garage gebracht, wo wir ihn gestern früh nur noch gründlich gereinigt und überholt vorfanden. Ich dachte, das interessiert dich bestimmt. Und nun bleib sauber, Ms. W.«
Ich war froh, dass Conrad gnädiger gestimmt war, als wir uns verabschiedeten, und verdrückte mich aus dem Haus der Czernins, bevor noch was dazwischenkam. Die Officers, die Straße und Grundstück untersuchten, hielten mich wiederum auf, um festzustellen, ob ich eine Tatverdächtige auf der Flucht war, aber irgendwann hatte ich sie vom Hals und konnte losfahren. Als ich Abstand zwischen mich und die Cops gebracht hatte, parkte ich irgendwo am Straßenrand, klappte meinen Sitz zurück, stellte wieder die CD mit Schräder und Bach an und versuchte nachzudenken. Ich konnte Pastor Andres nach Freddys Adresse fragen, aber der chavo war jetzt unergiebig für mich. Die Polizei würde ihn ohnehin bald schnappen, und bei ihm war nichts mehr zu holen, das mich weiterbrachte. Das Entscheidende war jetzt diese Aufnahme.
Ich schloss die Augen und ließ zu Bachs Musik meinen Gedanken freien Lauf. Sandra hatte gesagt, Freddy habe Aufnahmen haben wollen. In meiner Jugend konnte eine »Aufnahme« gleichbedeutend mit einer Single sein. Deshalb wohl hatte Sandra an einen Radiosender gedacht. Ich erinnerte mich, wie ich heimlich WVON gehört hatte, als ich auf der Highschool war - einen schwarzen Radiosender, der die coolste Musik brachte. Damals, zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung, konnte es durchaus passieren, dass man von seinen fortschrittlichen Altersgenossen verprügelt wurde, wenn man als weißes Mädchen WVON hörte.
Aber eine Aufnahme konnte auch eine Aufzeichnung eines Gesprächs sein. Ich sah Marcena Loves durchtriebenes Grinsen vor mir, als sie mit ihrem Füller-Recorder die Kommentare der Leute während der Gebetsstunde bei By-Smart aufzeichnete. Sie nahm alles auf. Auf dem kleinen Gerät konnte sie acht Stunden Gespräch speichern und sie danach in ihren Computer laden. Jemand hatte also ihren Computer gestohlen, um diese Aufnahmen zu zerstören. Aber der Recorder fehlte ihnen, Marcenas roter Füller. Falls sie ihn verloren hatte, als sie mit dem Miata unterwegs war, lag er vielleicht noch unter dem Skyway. Der Miata war genau untersucht worden; hätte sich der Füller dort befunden, wäre er jetzt im Besitz der Leute, die den Wagen unter die Lupe genommen hatten, und niemand hätte Freddy auf die Suche geschickt. Aber der kleine Recorder konnte herausgefallen sein, als man Marcena aus dem Miata zerrte - falls das unter der Brücke passiert war, hatte ich vielleicht noch eine Chance, das Ding zu finden.
Mir stand nicht der Sinn danach, um diese Uhrzeit noch einmal unter dem Skyway herumzustöbern. Am nächsten Morgen konnte ich mit Amy Blount hinfahren, falls ich keine Termine hatte. Ich holte meinen Palm heraus und sah die Uhrzeit: Ich hatte Mary Ann versprochen, sie um neun anzurufen, falls ich mich verspätete, und jetzt war es Viertel vor zehn.
Ich klopfte mit meinem Stift auf das Display. Ich sollte auf jeden Fall noch bei ihr vorbeischauen - sie hatte sich am Telefon so merkwürdig benommen, dass ich wissen wollte, ob es ihr wirklich gut ging. Die Lebensmittel würde ich in der Küche abstellen, falls sie schon schlief, und vielleicht eine kleine Runde mit ihrem Dackel drehen. Ich warf einen Blick auf meine Freitagstermine. Den ersten hatte ich erst um ein Uhr mittags. Ein freier Vormittag also, den ich gut gebrauchen konnte - ausschlafen, danach im Belmont Diner Corned Beef Hash und Rühreier essen. Beim Gedanken daran lief mir das Wasser im Munde zusammen, und ich merkte, dass
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