Flammen der Rache
waren auch froh. Zu Anfang.«
Sie machte eine Pause, um ihre Gedanken zu sortieren. Bruno hätte vor Ungeduld schreien mögen. Wenn es schmerzvoll werden würde, wollte er es hinter sich bringen. »Raus damit.«
»Raus womit?«
»Mit der teuflischen Pointe. Der heutige Abend dreht sich ausschließlich um teuflische Pointen. Eine folgt direkt auf die nächste, damit man nur keine Zeit zum Luftholen hat. Also, was immer du mir sagen wolltest, spuck’s aus. Bringen wir es hinter uns.«
Lily versteifte sich und wendete sich ab. »Vergiss es. Du hast recht. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für solch eine Unterhaltung.«
Er drehte sie mit einem Ruck zu sich um und zwang sie, ihn anzusehen. »Oh doch. Denn es ist der einzige Zeitpunkt, den wir haben. Also sag es mir, verdammt noch mal. Ich will es hören.«
»Sie ist gestorben. Während sie in den Wehen lag. In ihrem Gebärmutterhals hatte sich ein riesiger Blutpfropf gebildet. Sie verblutete innerhalb weniger Minuten. Hätten sie gleich zu Anfang einen Kaiserschnitt durchgeführt, hätte sie überlebt. Aber das wussten die Ärzte nicht.«
Bruno zog sie näher an sich und vergrub die Nase in ihrem Haar. Es duftete nach Lavendel.
»Mein Vater fühlte sich den Rest seines Lebens schuldig«, fuhr sie fort. »Hätte er nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit sie schwanger wurde …« Sie zuckte mit den Achseln. »Ich habe mich auch schuldig gefühlt. Ich weiß, dass das dumm ist, aber ich kann es nicht ändern.«
Leicht schwankend hielten sie einander in den Armen, während Bruno zu verarbeiten versuchte, was sie ihm damit sagen wollte. »Das ist etwas anderes«, antwortete er. »Du warst ein Baby. Deine Eltern trafen eine Entscheidung und nahmen das Risiko auf sich. Und zwar beide.«
»Genau wie Magda. Worin besteht also der Unterschied?« Sein Hemd dämpfte ihre Stimme. »Sie muss sehr mutig und unerschrocken gewesen sein.«
»Oh ja, das war sie.« Er brach in ein fast hysterisches Lachen aus und wusste, dass es nur allzu leicht in einen Tränenausbruch münden konnte.
»Sie muss dich so sehr geliebt haben«, flüsterte Lily.
»Ich wünschte, sie hätte mich weniger geliebt.«
»Oh, Bruno.« Ihre Stimme klang tränenerstickt. »Sag so was nicht.«
»All diese Jahre …« Ein heißer, brennender Klumpen steckte in seiner Kehle fest. »Es war mir immer schleierhaft, wieso eine Frau wie sie … ach, verdammt. Sie war etwas Besonderes, verstehst du? Mich zu bekommen hat ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt, aber sie hat sich nie beklagt. Ihre eigene Mutter hat ihr die Hölle auf Erden bereitet. Großmutter Pina, diese furchtbare, rabiate Hexe. Rosa und Tony haben deswegen dreißig Jahre lang nicht mit Pina gesprochen. Aber meine Mutter war schön und klug. Kein Fußabtreter. Sie war das exakte Gegenteil von einem Fußabtreter. Genau wie du.«
Das Geräusch, das Lily machte, war halb Lachen, halb Schluchzen. »Danke für das Kompliment.«
»Sie war tough, weißt du. Ich konnte nicht begreifen, wieso sie sich das alles gefallen ließ. Die Art, wie Rudy mit ihr gesprochen, wie er sie geschlagen hat. Die Vorstellung, dass sie mit ihm intim gewesen war, großer Gott.« Er atmete so heftig aus, als versuchte er, ein toxisches Gas loszuwerden. »Jetzt kenne ich den Grund. Und ich ertrage es nicht.«
»Oh Bruno, Liebling. Es ist nicht …«
»Der Gedanke verursacht mir Brechreiz«, fuhr er auf. »Mir wäre es lieber, sie hätte einen schlechten Männergeschmack oder keine Selbstachtung gehabt. Oder dass sie einsam gewesen wäre und lieber jeden Mann genommen hätte, anstatt allein zu sein. Aber dass sie es für mich getan hat … das ist ein Geschenk, das ich nicht will. Es ist ein Fluch, kein Geschenk.«
Lily umfasste seine Hände. Ihre Augen glänzten. »Ich würde es auch tun«, sagte sie. »Wäre ich sie, und du wärst mein Sohn, würde ich ganz genauso handeln.«
»Bitte, sag so etwas nicht. Sie hätte gar nicht in die Situation geraten dürfen, so etwas tun zu müssen. Niemand sollte das jemals. Irgendwer hätte ihr helfen müssen. Sie retten.«
Lily hob seine zitternden, verkrampften Hände und hauchte auf beide einen Kuss. »Und du denkst, du hättest derjenige sein sollen?«
Bruno antwortete nicht. Sein Schweigen sprach Bände.
»Du warst noch ein Kind!«, rief sie. »Welche Chance hättest du gegen ein organisiertes Verbrechersyndikat gehabt? Nimm doch Vernunft an!«
Wieder musste er unkontrollierbar lachen. »Inzwischen bin ich
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