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Flammen der Rache

Flammen der Rache

Titel: Flammen der Rache Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Shannon McKenna
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Frühstückstisch und versteckte sich hinter seinem Kaffeebecher. Die kleine Rachel, Tams und Vals sechsjährige Tochter, ließ ihn nicht aus den Augen. Sie war ein hübsches Ding, dünn und drahtig, mit einem spitzen Gesichtchen, großen Augen und dichten Wimpern, einem Mund wie eine Rosenknospe und schimmernden dunklen Ringellocken. Sie trug eine Brille mit einem rosafarbenen Gestell und schlürfte rosafarbene Milch aus ihrer Müslischale. Sie studierte Bruno, als wäre er eine faszinierende Sumpfkreatur, die es zu katalogisieren und zu analysieren galt.
    Es ging geräuschvoll zu in der überfüllten Küche und mit all diesen hungrigen Menschen. Davy saß neben ihm und vertilgte Schinken, Eier und mehrere Bagel. Den ältesten McCloud zum Sprechen zu bewegen war, als würde man rostige Nägel aus einem Holzbrett ziehen, was ihn an diesem Morgen zum perfekten Frühstücksgefährten für Bruno machte. Rosa, die die Aufsicht über die brutzelnden Bratpfannen hatte und Kurzbefehle in alle Richtungen rief, war ganz in ihrem Element.
    Bruno hockte mürrisch inmitten dieser lauten, klappernden, lachenden Bande. Er konnte an nichts anderes denken als daran, wie feige es von ihm gewesen war, sich aus dem Bett zu stehlen, während Lily noch schlief. Aber er wusste nicht, ob er ihre Worte letzte Nacht nur geträumt hatte.
    Ich liebe dich auch
.
    Es könnte tatsächlich real gewesen sein, und in diesem Fall hätte er jedes Recht, vor Freude aus dem Häuschen zu geraten. Aber wenn nicht, würde er ein Wurmloch öffnen und sich in ein anderes Universum verkriechen müssen, in dem er nie geboren worden war. Zudem war er verstört darüber, dass er letzte Nacht keinen seiner Kampfträume gehabt hatte. Zum ersten Mal seit Monaten.
    »… das Müsli geben?«
    Mühsam lenkte er seine Aufmerksamkeit auf Rachel, deren nachdrücklicher Ton darauf hindeutete, dass sie ihn nicht zum ersten Mal angesprochen hatte. »Wie bitte?«
    »Das Müsli«, wiederholte das Mädchen ungeduldig. »Gib mir die Müslipackung.«
    Bruno schaute zu der Stelle im Regal, auf die sie zeigte, dann zu der offenen Müslischachtel vor Rachels Schale, wo in der rosafarbenen Milch noch immer ein paar Flocken trieben. Es war exakt dieselbe Müslisorte.
    Er lehnte sich über den Tisch, schnappte sich die Schachtel und schüttelte sie. Sie war fast voll. »Nimm die offene Packung. Da ist noch jede Menge drin.«
    Das kleine Mädchen bedachte ihn mit einem abschätzenden Blick, dann guckte es verstohlen nach rechts und nach links.
    »Ich will den Schatz«, vertraute sie ihm an. Sie zeigte auf die Unterwasserszene, die auf der Schachtel abgedruckt war. Cartoon-Fische schwammen um eine Schatzkiste, die überquoll vor Schmuck und von Perlenketten zusammengehalten wurde. »Den Ring und zwei von den Armreifen habe ich schon. Aber mir fehlt noch die Halskette. Vielleicht ist eine in dieser Packung.« Sie verstummte, dann machte sie eine ungeduldige, aber noch immer verstohlene Handbewegung. »Also, was ist? Hol sie!«
    Bruno sah sich in der Küche nach ihren Eltern um. Fehlanzeige. Vermutlich beging er gerade einen groben Fehler, aber das ließ sich nicht ändern. Ein Blick auf die Kleine reichte, um zu erkennen, dass man sich besser nicht mit ihr anlegen sollte.
    Er nahm die Müslischachtel und reichte sie Rachel, die sie mit animalischer Gier aufriss. Die Tüte darin zerplatzte. Frühstücksflocken flogen nach allen Seiten, verteilten sich auf dem Tisch und auf dem Boden, als sie nach ihrem Schatz grub.
    Bruno war erleichtert, als sie ein Plastiksäckchen herausfischte und entzückt jauchzte. Darin befand sich ein herzförmiges Medaillon aus bemaltem Kunststoff, das mit großen, unechten Juwelen besetzt war. Auf einmal veränderte sich die Atmosphäre in der Küche. Der Geräuschpegel sank. Alle unterbrachen gleichzeitig ihre Gespräche. Brunos Nackenhärchen richteten sich auf, und Hitzewellen rasten durch seine Adern, als er sich umdrehte. Herrgott, er wurde
rot
. Wie peinlich.
    Lily stand im Türrahmen und begrüßte die anderen scheu lächelnd und nickend. Dann schaute sie zu ihm. Er konnte kaum atmen. Ihr feuchtes Haar ringelte sich in sinnlichen Locken um ihr Gesicht. Ihre Lippen waren weich und verführerisch, ihre Wangen rosig.
    Stuhlbeine schrammten über den Boden. Davy McCloud wischte sich über den Mund, schob sich das letzte Stück seines Bagels zwischen die Zähne und sammelte sein Geschirr und sein Besteck ein. Er stand auf und gab Lily mit einem Nicken zu

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