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Flammen der Rache

Flammen der Rache

Titel: Flammen der Rache Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Shannon McKenna
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»Aber behalte dein Medaillon. Es steht dir viel besser als mir. Dreh dich um, dann lege ich es dir wieder an.«
    Bruno schloss die Kette um Rachels Hals und drückte einen Kuss auf ihren wuscheligen Scheitel. Dabei versuchte er, nicht an die letzte feste Umarmung seiner Mutter zu denken, bevor sie ihn die Stufen des Busses hinaufgeschoben hatte.
    Auch Rosa war zu Tränen gerührt. Liebevoll betrachtete sie das kleine Mädchen, dann wischte sie sich unter ihren Brillengläsern über die Augen und nahm eine Serviette aus dem Halter, um sich geräuschvoll zu schnäuzen.
    »
Dolcettina mia, che carina
«, sagte sie. »Dieser verdammte Tony. Er hätte es mir sagen sollen. Hätte er mir doch nur mehr vertraut. Aber das konnte er nicht. Er hat niemandem vertraut.«
    »Es ist nicht deine Schuld, Tante Rosa«, beschwichtigte Kev sie.
    »Aber es ist nicht richtig. Ich weiß, was ich mit diesen stinkenden
stronzi
gemacht hätte. Ich hätte genau das befolgt, was mein Papa immer gesagt hat. Dein
bisnonno

    Bruno schaute in Rachels Richtung. »Was immer
bisnonno
gesagt hat, bitte zensiere es streng, Tante. Der Familienlegende nach hat sich mein Urgroßvater einer recht unflätigen Sprache bedient.«
    Aber Rosa war nicht mehr zu bremsen. Zum Glück wechselte sie in ihren kalabrischen Dialekt, bevor sie mit ihrem bildhaften und absolut nicht jugendfreien Wortschwall loslegte. Bruno und Kev waren die Einzigen, die sie verstanden, und als sich ihre Blicke begegneten, hatten sie Mühe, nicht zu grinsen.
    Es war der erste Anflug eines Lächelns, den er seit Kevs Ankunft bei ihm entdeckte. Vielleicht war das Schlimmste überstanden. Die gute alte Tante Rosa. Man konnte sich immer darauf verlassen, dass sie auf unfreiwillig komische Art in so ziemlich jeder Situation für Entspannung sorgte.
    Als Rosa mit rotem Gesicht endlich zum Ende kam, tippte Lily ihr auf den Arm. »Übersetzung, bitte.«
    Bruno verzog das Gesicht. »Auf keinen Fall.« Er zeigte zu Rachel. »Zu unanständig.«
    »Dann gib es sinngemäß wieder«, drängte sie ihn. »Wenigstens das Wesentliche.«
    Val lachte und legte die Hand auf Rachels Rücken. »Komm, Süße, ab mit dir ins Spielzimmer.«
    Nachdem Val das kleine Mädchen aus der Küche bugsiert hatte, strengte Bruno seine grauen Zellen an, um sich an die Reihenfolge zu erinnern. »Also, es ging los mit den plakativen Beschreibungen der verschiedenen sexuellen Abartigkeiten der Typen, die mich im Diner attackiert haben. Ihre Vorliebe für Stalltiere wurde dabei besonders betont. Anschließend kam sie auf die lange verstorbenen, perversen Vorfahren dieser Kerle zu sprechen und auf die unaussprechlich obszönen Dinge, die diese in den Wäldern mit der heiligen Anna und dem heiligen Girolamo trieben. Bitte mich nicht um eine genauere Erklärung, weil ich es selbst nicht ganz verstanden habe. Es hatte mit Blutfontänen, herumfliegenden Zähnen, den zerstückelten Körpern besiegter Feinde und Ähnlichem zu tun. Dann kam der Teil, in dem auf ihre zerlegten Knochen gepinkelt wurde, bis zum Tag der zweiten Himmelfahrt von
Cristo Santo
. Und dann …«
    Mit offenem Mund brach er ab. Alle schauten ihn an, während die Trommeln abermals ihr Crescendo anstimmten. Sein Nacken prickelte. Er vergaß beinahe zu atmen.
    »Tante Rosa«, sagte er, als er seine Stimme wieder unter Kontrolle hatte. »Dieser Teil mit dem Pinkeln auf die Knochen … Hat mein
bisnonno
das früher wirklich gesagt? Oder hast du das selbst dazugedichtet?«
    »Aber nein! Papa hat das immer gesagt, wenn ihm jemand auf die Nerven ging«, versicherte sie. »Er ärgerte sich über alles und jeden.«
    Bruno guckte Kev an. Der begann zu lächeln, dann nickte er.
    »Hat Tony das je gesagt?«, hakte Bruno nach.
    »Natürlich. Tony war genauso. Erinnerst du dich nicht?«
    »Oh doch. Ich erinnere mich gut.«
    Ein breites Grinsen trat auf Kevs Gesicht, dann auch auf Brunos. Er schüttelte sich vor Lachen. Zumindest hoffte er, dass es ein Lachen war. Er dachte besser nicht weiter darüber nach. Trotzdem verbarg er für den Fall der Fälle das Gesicht in den Händen. Seine Schultern bebten.
    »Was ist?« Lily legte die Hand auf seine Schulter. »Stimmt etwas nicht?«
    »Doch«, beruhigte Kev sie. »Es ist alles bestens.«
    »Aber was ist dann los? Warum ist Bruno so aufgelöst?«
    Bruno hob den Kopf und wischte sich über die Augen. »Das bin ich nicht. Mir ist nur gerade ein Licht aufgegangen, wo wir graben müssen.«

22
    »Welchen Teil von ›nein‹ verstehst du

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