Flammen der Rache
schon wieder zum befehlshaberischen Macho auf. Du Mistkerl, wie kannst du es wagen?«
Bruno zuckte unbeeindruckt die Achseln. »Das Einzige, was ich bislang für dich tun konnte, war, dich an einen Ort zu schaffen, wo du dich erholen kannst. Du könnest diesen kleinen Erfolg zumindest ein bisschen honorieren. Wir müssen diese Knochen ausbuddeln, und diese Mistkerle werden uns dabei beobachten. Es wird Stunden dauern und ihnen genügend Zeit geben, sich zu mobilisieren. Willst du wirklich, dass ich noch einmal so kämpfen muss wie beim letzten Mal, wo ich ständig mit klopfendem Herzen über meine Schulter gespäht habe? Dir ist schon klar, dass diese Sache dann auch für mich gefährlich werden kann, oder?«
Lily biss sich auf die Unterlippe. Sie verschlimmerte ihre Nutzlosigkeit durch ihr stures, uneinsichtiges Verhalten nur. Das war wirklich eine clevere Art, ihre knospende Beziehung zu pflegen und sich bei seiner erweiterten Familie beliebt zu machen. Nein, auf keinen Fall durfte ein waffenerprobter, an den Umgang mit einer Schaufel gewöhnter, einen Meter neunzig großer Koloss zurückbleiben, um Platz für sie, Lily Parr, zu machen, die komplett die Nerven verlieren würde.
Sie war doch normalerweise eine so praktisch veranlagte Person. So wie jetzt kannte sie sich gar nicht. Ihre Hände waren kalt und zittrig. Ihre Beine fühlten sich an wie Wackelpudding. Sie hatte entsetzliche Angst, dass Bruno wegfahren und nie mehr zurückkommen könnte. Sie wollte nicht allein in dieser Welt zurückbleiben. In dieser erdrückenden, tödlichen Stille, die ohne Bruno ihr ganzes Universum wäre. In dem Fall würde sie selbst nach den Gangstern suchen – per Anzeige und einer extra eingerichteten Webseite.
Kommt und holt mich. Beeilt euch, bitte
.
Bruno schien sauer zu sein, so als glaubte er, sie wollte ihn mit ihren Tränen manipulieren. Das tat sie nicht, aber wegen ihrer weinerlichen Zickigkeit war der Effekt trotzdem derselbe.
Bruno gestikulierte zu der Ausrüstung, die sich auf dem Boden türmte. Geothermale Sensoren. Ein Waffenarsenal, verpackt in schwarze Kunststoffkisten, die zu schwer waren, als dass Lily sie hätte heben können.
»Was von diesem Equipment würdest du gerne ausprobieren? Du möchtest dich trotz deiner überanstrengten Sehnen beim Graben mit der Schaufel abwechseln?«
»Schon gut, ich habe verstanden. Tritt nicht auf jemanden ein, der schon am Boden liegt.« Sie wischte sich über die Nase. »Was ist aus deinem berüchtigten Charme geworden?«
»Das war nur eine billige Masche. Eine evolutionäre Anpassung, die mit dem männlichen Paarungsverhalten zusammenhängt. Ich bin jetzt im Überlebensmodus, darum verabschiede dich von meinem Charme. Hier ist der echte Bruno. Sag Hallo.«
»Na toll«, murmelte sie. »Das ist echt aufmunternd.«
»Zeit zum Aufbruch«, verkündete Kev.
Die vier Männer kamen zurück und luden die restliche Ausrüstung in den Kofferraum. Ohne Lily anzusehen, nahmen sie ihre Plätze im Wagen ein. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
»Diese Mistkerle«, kommentierte sie. »Sie versuchen, dir aus der Bredouille zu helfen.«
»Ich finde das sehr nett von ihnen«, gab Bruno zurück. »Ich kann Hilfe gebrauchen.«
»Da wir gerade davon sprechen. Du solltest dein gemütliches Beisammensein mit den McClouds nutzen. Es wird Zeit, dass du dich mit Kevs Brüdern arrangierst.«
Er zog die Brauen zusammen. »Ich habe dir bereits gesagt, dass ich kein Problem mit ihnen habe.«
»Das ist eine große, fette Lüge, aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Ich meinte das Problem, das sie mit dir haben.«
»Lily, wir haben jetzt nicht die Zeit für kryptischen Unsinn.«
Vor Kälte schaudernd zuckte sie die Achseln. »Daran ist nichts Kryptisches. Du bist eifersüchtig auf sie, und sie sind eifersüchtig auf dich. Ist das nicht wahnsinnig komisch? Echt zum Totlachen.«
»Eifersüchtig? Auf mich? Schwachsinn. Warum sollten sie das sein?«
»Das weiß ich nicht. Aber es ist unverkennbar. Ich bin schockiert, dass es dir nicht selbst schon aufgefallen ist, Bruno. Aber vielleicht bist du momentan zu sehr auf dich selbst konzentriert. Auf den neuen, uncharmanten Bruno.«
Er zog eine Lederjacke über seinen mit Waffen voll ausgerüsteten Körper. »Ist das eine subtile weibliche Taktik, um mich durcheinanderzubringen? Zur Strafe?«
Lily schüttelte den Kopf. »Das hat nichts mit männlich oder weiblich zu tun. Es ist geschlechtsneutral. Ignorier meine Worte, wenn du
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