Fleisch und Blut
noch auf dem Grundstück ihres Exmannes? Vielleicht nicht freiwillig. Das Auftauchen von Anita Duke und Kent Irving hatte sie überrascht. Die beiden hatten sich ohne Entschuldigung Zutritt zum Gästehaus verschafft. Anita legte die Regeln fest. Cheryl hatte sich ohne weiteres Anitas Willen gefügt.
Stand sie unter der Fuchtel der Duke-Familie? Eine Art Sorgerechtsproblem? Kent Irving hatte auf ihre wenig ausgeprägten Fähigkeiten als Mutter angespielt, und die Tatsache, dass Baxter fast ertrunken wäre, unterstrich das. Vielleicht setzte der Duke-Clan sie unter Druck, sie solle die Kinder aufgeben, und hatte ausgehandelt, dass sie in der Nähe blieb.
Waren die Kinder im Augenblick bei ihr? Die schwarzen Fenster des Expedition verweigerten eine Antwort auf diese Frage.
Ich fuhr hinter ihr an der Pepperdine University vorbei und blieb an ihr dran, als sie auf den Cross Creek abbog, an den Fastfood-Läden und den neueren Geschäften vor dem Einkaufscenter entlangfegte und auf den Malibu Country Mart fuhr. Die alten Geschäfte waren eine um U-förmige Parkplätze arrangierte Reihe von niedrigen Holzgebäuden, die oben jagdgrüne Transparente trugen. Ein schöner Blick auf die Hügel von Malibu und die Landhäuser in einiger Entfernung.
Um diese Tageszeit war nicht allzu viel Verkehr, und ich wartete, bis der Expedition seinen Platz gefunden hatte - zwei Parkplätze vor der Dream Babies Fragrance and Candle Boutique mit Beschlag belegend. Ich parkte den Seville so weit entfernt wie möglich. Neben den Müllcontainern - da schien sich ein Schema herauszubilden.
Cheryl Duke stieg aus ihrem Wagen, knallte die Tür zu und ging auf den Kerzenladen zu. Allein, ohne Kinder. Sie hatte ein rotes Seidentop angezogen, das einen Streifen flachen elfenbeinfarbenen Bauch freiließ, eine weiße Röhrenjeans und weiße Sandalen mit hohen Absätzen. Ihre Haare waren locker hochgesteckt, und eine große Sonnenbrille mit weißem Gestell schirmte die obere Hälfte ihres Gesichts ab. Selbst auf diese Entfernung sah die untere Hälfte finster aus.
Sie warf die Fliegentür der Dream Babies zurück und trat ein, und ich saß da und musterte die benachbarten Etablissements. Badeanzüge und Sportkleidung, Patentmittel zur Besänftigung der Haut und des Egos, Souvenirs und Touristenkunst, zwei Cafés an den gegenüberliegenden Enden des U.
Das am weitesten vom Kerzenladen entfernte Lokal pries Kaffee und Sandwiches an; zwei instabile Tische standen vor der Tür. Ich nahm den weiten Weg dort hinüber, um eine Entdeckung zu vermeiden, kaufte einen Bagel und eine Tasse kenianischen Röstkaffee von einem kränklich aussehenden jungen Mann mit blauem Spitzbart und einer Popeye-Tätowierung seitlich am Hals. Jemand hatte eine gefaltete Times auf der Theke mit den verschiedenen Würzmitteln liegen lassen, und ich schnappte mir die Zeitung und nahm sie mit nach draußen. Auf beiden Tischen stand Geschirr, und ich räumte einen ab, setzte mich und beschäftigte mich mit dem täglichen Kreuzworträtsel, wobei ich - abgesehen von kurzen Blicken zu der Duftboutique - meinen Kopf nach unten gebeugt hielt.
Zehn Minuten später kam Cheryl Duke mit zwei Einkaufstüten in der Hand heraus. Sie verschwand sofort in Brynna's Bikinis, wo sie eine Viertelstunde blieb, während ich die Waagerechten durchackerte, bis ich vor einer »alten Fiedel« mit fünf Buchstaben zum Stillstand kam. Sie tauchte mit einer zusätzlichen Tüte wieder auf, verschwand dreizehn Minuten im Bolivian Shawl and Snuggle, und als sie diesen Laden verließ, schleppte sie drei weitere Beutel, sah aber nicht glücklicher aus.
Ging in meine Richtung.
Ich senkte den Kopf, füllte noch ein paar weiße Felder aus, kam auf »rebec« für die Fiedel, weil es das einzige Wort war, das einen Sinn ergab. Gerade als ich meine Stirn über einem Wort mit drei Buchstaben für »Strophenform Catulls« runzelte, hörte ich sie sagen: »Alex?«
Ich blickte hoch, tat erstaunt, sah meine Zwillingsreflexionen in ihrer Sonnenbrille.
Lächelnd. Überrascht. Mr. Unschuldig.
»Hey«, sagte ich. »Kennen Sie ein Wort mit sechs Buchstaben für indianisches Pony‹? Fängt mit einem C an und hört mit SE auf?«
Sie lachte. »Nein, ich glaube nicht - ich kann das nicht. Das ist seltsam, Sie wiederzusehen. Kommen Sie oft hierher?«
»Wenn ich in Malibu bin. Und Sie?«
»Manchmal.«
»Wir sind wahrscheinlich aneinander vorbeigegangen, ohne es zu wissen.«
»Wahrscheinlich«, sagte sie.
»Machen Sie gerade
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